Solothurner Filmtage
«Für mich hat sich nicht viel verändert»: Sie moderiert die vielen Gespräche, Podiums und Diskussionen

«Auf einen Kaffee mit...» Monika Schärer – die als Haupt-Moderatorin an den Solothurner Filmtagen beschäftigt ist.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Monika Schärer, die Moderatorin hat - trotz «Filmtage zuhause» - derzeit eine grosse Aufgabe in Solothurn. Sie moderiert online die vielen Gespräche, Podiums und Diskussionen über Film für Filmemacher, Gäste und Publikum. «Für mich hat sich eigentlich nicht vieles verändert», sagt sie. «Ausser, dass ich an diesen Filmtagen nicht in einem grossen Saal stehen kann und vor bis zu 900 Personen spreche.»

«Mittlerweile haben wir uns schon etwas an diese online-basierte Arbeitsweise gewöhnt» sagt sie und erinnert sich an den ersten Lockdown im Frühling 2020, wo sie den internationalen Tanzevent Steps via Bildschirm moderieren musste. «Das war sehr anstrengend. Diese Online-Filmtage empfinde ich nun gar nicht so».

Sie führt dies auf das technische Wissen zurück, das sich in der Zwischenzeit alle Beteiligten angeeignet haben. «Wichtig ist aber, dass auf die Kommunikation untereinander geachtet wird. Man hat gelernt, sich besser zuzuhören, den andern ausreden zu lassen», meint Schärer. «Die Lösung, die man jetzt hier für die Filmtage gefunden hat und dass sie überhaupt stattfinden, ist ein Glück für alle».

Hanspeter Bärtschi

Lange Jahre Erfahrung bringen Sicherheit

«Die Konzentration als Moderatorin ist anders, als dies unter ‹normalen› Bedingungen ist», sagt Schärer weiter. Doch es strenge sie nicht mehr an. «Schliesslich kann ich auf gut 30 Jahre Moderationserfahrung zurückblicken. Das gibt auch Sicherheit», stellt sie fest.

Als Moderatorin stehe sie im Dienst der Filmleute, der Regisseure, Produzenten und Schauspieler, die ihren Film am Festival präsentieren wollen. «Wir sind die Gastgeber und sollen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen», beschreibt sie ihre Tätigkeit. «Wenn mir ein aufgeregter Filmer sagt, ‹zum Glück bist Du hier, das beruhigt mich›, ist das für mich das schönste Kompliment», freut sie sich.

Am meisten aber vermisst sie, und sicher alle, die an den Filmtagen beteiligt sind, die Emotionen, die Filme hervorrufen können. «Das schmerzt halt schon, wenn man am Ende eines Filmes nicht spüren und hören kann, ob und wie ein Film gefallen hat. Wenn man den Applaus - oder auch die Buhs - nicht hören kann.»

Doch andererseits meint sie, kann diese Online-Ausgabe auch eine Chance für die Filmtage sein, sich neuem, eventuell jüngerem Publikum zu öffnen. «In Zukunft muss es eine sowohl-als-auch-Variante sein», ist sie überzeugt. Also physisches Treffen vor Ort in den Kinosälen, aber auch die Möglichkeit, sich von zuhause aus, einen Teil des Filmprogramms anzusehen.

Moderation und Produktion

Monika Schärer erzählt, dass sie fast «wie die Jungfrau zum Kind» zur schweizweit gefragten Moderatorin wurde. «Ich hatte eine abgebrochene Schauspiel-Ausbildung hinter mir, als ich mich als Moderatorin beim damals noch jungen Sender DRS 3 bewarb. Und rasch spürte ich: das ist mein Metier.»

Es folgten Moderationen von kulturellen Fernsehsendungen und daher auch schon bald der Kontakt zu den Solothurner Filmtagen. «Ich erinnere mich noch sehr gut an die Doppel-Moderation mit Carlos Leal in Solothurn zur Verleihung der 2. Schweizer Filmpreise.»

Seit 2011 ist sie auch ausgebildete Filmproduzentin und betreibt mit ihrem Mann die Topic-Film. Vermehrt zu den Solothurner Filmtagen berufen wurde sie noch von Seraina Rohrer, die ihr auftrug, den Filmansagern in den Kinosälen ein paar Moderations-Schulstunden zu geben. Seither ist sie das Moderations-Gesicht und die -Stimme von Solothurn, auch wenn sie sich an eine Anekdote erinnert, die zu ihren Anfängen hier gehört: «Ein Besucher kam bei einer meiner ersten Moderationen auf mich zu und meinte: ‹So moderiert man denn in Solothurn nicht.› Ich habe Verständnis für solche Aussagen, denn aus Erfahrung weiss ich: Moderation ist Geschmackssache."