Das Herz hört auf, regelmässig zu schlagen. Herz und Gehirn werden nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Die betroffene Person bricht zusammen. In der Schweiz sterben durchschnittlich 60 Menschen pro Tag an Versagen des Herz-Kreislauf-Systems, gibt das Bundesamt für Statistik bekannt.

Um die Überlebenschance der Betroffenen zu verbessern, wurde im Kanton Solothurn das sogenannte First-Responder-System eingerichtet: «Bei einem Notruf mit Verdacht auf Versagen des Herz-Kreislauf-Systems benachrichtigt die kantonale Alarmzentrale parallel zum Rettungsdienst die Herznotfall-Gruppen von 39 Feuerwehren des Kantons», erklärt Markus Grenacher, Feuerwehrinspektor des Kantons Solothurn.

Grund dafür ist die Dringlichkeit in der Erstversorgung von Herz-Kreislauf-Patienten: Die Überlebenschance der betroffenen Person sinkt mit jeder Minute, in der keine lebensrettenden Massnahmen eingeleitet werden, und zwar um sieben bis zehn Prozent. Dies bestätigt das Gesundheitsamt des Kantons Solothurn.

Damit der Patient erfolgreich wiederbelebt werden kann, muss schnell gehandelt werden. Es gilt, den Blutkreislauf des Patienten mit einer Herzmassage aufrecht zu erhalten. Die meisten Menschen kennen sich jedoch nicht aus mit den Erste-Hilfe-Massnahmen. Oder sie haben Angst, diese anzuwenden.

Feuerwehr als Ersthelfer

Bei einem Notfall rücken die First Responder, die sich am nächsten befinden, ausgerüstet mit einem halb automatischen Defibrillator zum Patienten aus: Die First Responder machen eine Patientenbeurteilung nach dem sogenannten ABC-Schema, einer Handlungsanweisung bei Notfällen. Bei Bedarf beginnen die Ersthelfer mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung oder setzen den Defibrillator ein.

«Die kantonale Alarmzentrale kann in solchen Situationen bereits bei Eingang des Notrufs telefonisch unterstützen und entsprechende Handlungen anleiten», erklärt Fabian Burkhalter, Standortleiter Alarmzentrale vom Rettungsdienst der Solothurner Spitäler AG. Sobald der Rettungsdienst eintrifft, machen die Ersthelfer einen Übergaberapport.

Den Gemeinden und den Feuerwehren des Kantons sei es freigestellt, ob sie eine First-Responder-Gruppe einrichten wollen. «Heute verfügen 39 der 88 Feuerwehren aus dem Kanton Solothurn über eine solche Gruppe», so Grenacher.

Im vergangenen Jahr seien die Herznotfall-Teams 257-mal ausgerückt. «Die First Responder mussten jedoch lediglich 11-mal den Defibrillator einsetzen.» In den meisten Fällen handle es sich um bewusstlose Personen oder Leute, die über Brustschmerzen oder Atemnot klagen. «Es kam sogar schon vor, dass die betroffene Person selber die Tür öffnete.»

Überarbeitung der Richtlinien

Bei tatsächlichen Herz-Notfällen sei das First-Responder-System sinnvoll, so Grenacher. «Die First Responder sind in den vergangenen Jahren jedoch oft zu ‹Nicht-Notfällen› gerufen worden und mussten so Dienstleistungen erbringen, für die sie nicht ausgebildet sind.» In einer neuen Testphase sei im März deshalb bestimmt worden, in welchen Fällen die First Responder aufzubieten sind: «Der Einsatz ist erforderlich, wenn eine Person bewusstlos ist und die Ursache auf einen vermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand hindeutet», so Grenacher.

Es sei wichtig, sich auf diese Richtlinie zu besinnen und in allen übrigen Fällen durch die Alarmzentrale Spezialisten aufzubieten: «Das teilweise unnötige Ausrücken wird von den meisten Arbeitgebern nicht verstanden und führt vermehrt zu Diskussionen.» Darunter leide das Verständnis für die Kernaufgabe der Feuerwehr: die Intervention bei Bränden, Naturereignissen, Explosionen, Einstürzen, Unfällen oder ABC-Ereignissen zum Schutz von Mensch, Tier, Umwelt und Sachwerten.

Ein weiterer Grund für die Wichtigkeit einer klaren Aufgebots-Regelung: «Die psychische Belastung eines Angehörigen der Feuerwehr bei erfolgloser Reanimation von Personen im eigenen Dorf, darf aufgrund der nicht vorhandenen Ausbildung für solche Situationen nicht unterschätzt werden.»

Solothurn ist Pionier

Seinen Ursprung findet das Solothurner First-Responder-System im Oltner Laien-Defibrillations-Projekt. Dieses wurde auf Betreiben der Herzstiftung Olten und der Feuerwehren des Kantons geschaffen. Eine erste Testphase mit der Feuerwehr Olten und die Pilotphase mit mehreren Feuerwehren aus dem Bezirk Olten-Gösgen sei 2001 erfolgreich verlaufen. Rund 500 Feuerwehrleute seien in der Folge in der Anwendung des Defibrillators ausgebildet und in Herznotfallteams eingeteilt worden.

«Das Solothurner First-Responder-System ist schweizweit das einzige flächendeckende Projekt, das an die Feuerwehr angeschlossen ist», sagt Marcel Schättin, stellvertretender Direktor des Interverbands für Rettungswesen. Die übrigen an die Feuerwehr angeschlossenen Ersthelfer-Systeme seien lokal organisiert. Das Tessiner First-Responder-System decke den ganzen Kanton ab, sei jedoch personengebunden.