Am Schluss mussten Stühle und Tische hineingetragen werden: 155 freisinnige Delegierte und einige Dutzend Gäste marschierten in Messen auf, um den zwölf Kandidatinnen und Kandidaten für die Nationalratswahlen 2015 den Rücken zu stärken.

Die FDP Kanton Solothurn treten mit zwei stark besetzten Listen an, um am 18. Oktober ein zweites Nationalratsmandat zu erkämpfen. Der bisherige Nationalrat Kurt Fluri und die Ständeratskandidatin Marianne Meister wissen ein schlagkräftiges und gut durchmischtes Team um sich. Der nationale Parteipräsident Philipp Müller schwor die Anwesenden auf die bevorstehenden Monate ein. Es braucht mehr FDP, wenn das Erfolgsmodell Schweiz nicht gefährdet werden soll.

Kantonalparteipräsident Christian Scheuermeyer liess zu Beginn der Delegiertenversammlung im südlichsten Zipfel des Kantons Solothurn über das Wahlprozedere abstimmen. Schon im alten Jahr hatten die Delegierten entschieden, mit zwei Listen und insgesamt zwölf Kandidierenden in die Nationalratswahlen 2015 zu steigen.

Die Geschäftsleitung hatte den Amteiparteien danach jeweils zwei oder drei Listenplätze aufgrund ihrer Bevölkerungsgrösse zugeteilt. Dieses Kontingent schöpften der Bezirk Gäu und die Amtei Olten-Gösgen nicht aus, so dass zwei weitere Plätze an den oberen Kantonsteil vergeben wurden. Nachdem alle Kandidierenden Gelegenheit für eine zweiminütige Vorstellungsrunde hatten, wurden sie von der Versammlung mit grossem Applaus in den Wahlkampf geschickt. Es sind dies in alphabetischer Reihenfolge: Karin Büttler-Spielmann (1966, Laupersdorf, Familienfrau / Krankenschwester), Kurt Fluri (1955, Solothurn, Nationalrat / Stadtpräsident), Peter Hodel (1967, Schönenwerd, Meisterlandwirt / Gemeindepräsident), Alexander Kohli (1967, Grenchen, Dr.sc.Techn. ETH Zürich / Beratender Ingenieur), Marianne Meister (1962, Messen, Geschäftsführerin / Gemeindepräsidentin), Anita Panzer (1971, Feldbrunnen, Kommunikationsberaterin / Gemeindepräsidentin / Wanderleiterin), Roger Siegenthaler (1966, Lüterkofen-Ichertswil, Niederlassungsleiter / Gemeindepräsident), Christian Thalmann (1973, Breitenbach, Buchhalter / Leiter Finanzen), Marc Thommen (1969, Hägendorf, Architekt / Unternehmer), Kuno Tschumi (1951, Derendingen, Rechtsanwalt und Notar / Gemeindepräsident), Urs Unterlerchner (1981, Solothurn, Chemielaborant / Jurist) und Mark Winkler (1954, Witterswil, Unternehmer).

Die Jungfreisinnigen werden zudem ebenfalls mit einer eigenen Liste antreten und der Parteivorstand wurde ermächtigt, allfällige Unterstützerlisten eigenständig erlassen zu können.

Gesprächsbereit bezüglich Listenverbindung

Hinsichtlich einer grossen, bürgerlichen Listenverbindung wie sie die SVP wünscht, zeigte sich Christian Scheuermeyer gesprächsbereit. Mit einer solchen Allianz wäre es denkbar, fünf von sechs Nationalratsmandaten ins bürgerliche Lager zu holen. Ein Zusammengehen der FDP mit CVP und SVP müsste allerdings von der Delegiertenversammlung legitimiert werden. Der nationale Parteipräsident Philipp Müller, der einen grossen Anteil daran hat, dass der Freisinn in der Wählergunst wieder zulegen kann, zeigte sich sodann kampfeslustig.

Man dürfe sich jetzt nicht von den guten Resultaten der letzten Wahlen und Umfragen blenden lassen. Die FDP muss weiterhin für ihre Werte „Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt“ einstehen und sich so ausdrücken, dass man es an der Basis versteht. „Wir sprechen nicht im Konjunktiv, sondern im Imperativ!“, sagte Müller.

Liberalismus-Keule

Schliesslich fällte die kantonale FDP auch noch zwei Parolen für die Abstimmungen vom 14. Juni: Zur Änderung des Radio- und Fernsehgesetzes kreuzten Kantonsrätin Marianne Meister und CVP-Nationalrat Urs Schläfli die Klingen. Die Systemänderung bei der Gebührenerhebung war auch bei den Delegierten umstritten und fand schliesslich mit 69 zu 61 Stimmen nur eine knappe Mehrheit.

Deutlicher war hingegen die Parole zur Erbschaftssteuerreform. SP-Ständerat Roberto Zanetti wusste um seinen schweren Stand und schwang deshalb die Liberalismus-Keule. Nationalrat Kurt Fluri konterte souverän und bot Zanetti aufgrund dessen Bekenntnis zum Liberalismus gleich die Ehrenmitgliedschaft bei der FDP an. Die Delegierten folgten mit 124 zu 2 Stimmen dennoch ihrem Nationalrat und versenkten die brandgefährliche Volksinitiative ohne Wenn und Aber. (mgt)