«Keine gute Nachricht»
Solothurner Exportfirmen rechnen unter Trump mit «härteren Zeiten»

Welche Auswirkungen hat die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten auf die Solothurner Exportindustrie? Exponenten rechnen mit «härteren Zeiten».

Franz Schaible
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Grün oder rot? Folgen für die Solothurner Industrie sind ungewiss.

Grün oder rot? Folgen für die Solothurner Industrie sind ungewiss.

Hanspeter Bärtschi

Für Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer, steht nach den US-Wahlen fest: «Der Wahlsieg von Donald Trump ist für die Solothurner Exportindustrie keine gute Nachricht.» Der Zusammenhang liege in der engen Verknüpfung der Schweiz mit den USA. So sei die weltgrösste Volkswirtschaft der zweitwichtigste Absatzmarkt für die hiesige Industrie. «Aus dem Kanton Solothurn sind im vergangenen Jahr Waren im Werte von 888 Millionen Franken in die USA verkauft worden.»

Dies entspreche einem Anteil von 17 Prozent aller Exporte. Gleichzeitig habe der neue Präsident unter dem Stichwort «America first», eine protektionistische Politik angekündigt, «wie wir sie seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr gesehen haben». Das sei für Firmen, die stark auf den US-Markt ausgerichtet seien, kein ermutigendes Zeichen.

Probst denkt dabei insbesondere an die wichtigste Solothurner Exportbranche, der Präzisionsindustrie. Generell löse die Wahl grosse Unsicherheiten auf den Weltmärkten aus, was Gift sei für Investitionen. «Da der Kanton Solothurn stark auf Investitionsgüter ausgerichtet ist, könnte das Spuren hinterlassen.»

Mehr Investitionen?

Was die Ausfuhren in die USA angeht, ist Josef Maushart, Unternehmer und Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), derselben Meinung – spätestens dann, wenn die angekündigten protektionistischen Massnahmen umgesetzt werden. «Für Exporte in die USA aus Schweizer und aus europäischer Produktion könnte es also mittelfristig schwieriger werden.»

Dagegen kann er sich auch einen positiven Einfluss vorstellen. Mit dem Schutz der heimischen Märkte könnten die Investitionen in die amerikanische Produktion noch an Bedeutung gewinnen. «Und viele Schweizer Firmen haben dort Produktionsstätten.» Trump werde alles unternehmen, um die US-Wirtschaft anzukurbeln. Dazu gehöre auch, dass er versuchen werde, den US-Dollar noch schwächer zu machen. «Das würde zu seinem Ziel passen, wieder vermehrt in den USA zu produzieren statt zu importieren.»

Allerdings hat der Franken sowohl gegenüber dem Dollar wie dem Euro am Tag der Wahlentscheidung kaum reagiert. «Wir vermuten Interventionen der Schweizerischen Nationalbank», sagt Daniel Probst. Falls aber mit dem Dollar dasselbe passiere wie mit dem britischen Pfund nach dem Brexit, sei dies auch keine gute Nachricht für Solothurner Exportindustrie.

Zunehmender Protektionismus

Kurzfristig müssten Solothurner Firmen kaum auf die Wahl reagieren, sagt Maushart und macht gleich eine Einschränkung. Langfristig würden nämlich protektionistische Tendenzen zunehmen, die nationalen Interessen würden höher gewichtet werden. Und das sei für die Schweiz eine Herausforderung. «Denn zunehmender Protektionismus würde bedeuten, dass wir mit den Produktionen zu den Absatzmärkten gehen müssten.» Zudem bleibe in einer derzeit solch unruhigen Welt der Schweizer Franken stark. «Der Werkplatz Schweiz muss also die Effizienz weiter erhöhen.»

Hierzulande müsse man sich auf das konzentrieren, «was wir selbst beeinflussen können», ergänzt Handelskammer-Chef Probst. Die Schweiz gelte immer noch als Hort der Stabilität und Verlässlichkeit. Dieses Plus müsse unbedingt verteidigt werden. «Wenn die Schweiz als Standort attraktiv bleibt, werden wir in weltweit instabilen Zeiten noch interessanter für Ansiedlungen.»

US-Firmen im Kanton

Im Bereich Medizinal- und Biotechnologie sind US-amerikanische Konzerne im Kanton Solothurn stark vertreten. Die angefragten Konzerne Johnson & Johnson - mehrere Standorte des Bereichs DePuy Synthes – sowie das Medtechunternehmen Stryker in Selzach wollten sich zu allfälligen Auswirkungen der Wahl nicht äussern.

Einzig Biogen nahm kurz Stellung. Die US-Präsidentenwahl sei für einen Konzern wie Biogen – unabhängig des Ausgangs - ein normaler demokratischer Vorgang und werde auf die Geschäftspolitik keinen Einfluss haben, sagt Markus Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung von Biogen Schweiz AG.

Dasselbe gelte für die Standortpolitik, insbesondere in der Schweiz und auf den Aufbau der Produktion in Luterbach. «Wir sind ein Engagement und eine Verpflichtung langfristig eingegangen. Daran ändert sich nichts und die Fabrik soll wie geplant 2019 eröffnet werden.»

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