Konjunktur
Solothurner Exportfirmen befinden sich im Kriechgang

Im Gegensatz zur Gesamtschweiz haben sich die hiesigen Ausfuhren im dritten Quartal 2016 verringert. Ein Grund dafür sieht Christian Hunziker von der Solothurner Handelskammer u.a. in der unterschiedlichen Branchenstruktur.

Franz Schaible
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Die Industrie kommt bei ihren Verkäufen ins Ausland nicht so richtig in Fahrt.

Die Industrie kommt bei ihren Verkäufen ins Ausland nicht so richtig in Fahrt.

Bruno Kissling

Sehr unerfreulich»: So umschreibt Christian Hunziker, stellvertretender Direktor der Solothurner Handelskammer, die neusten Zahlen über die Solothurner Warenausfuhren. In der Tat hinkt die hiesige Exportwirtschaft der landesweiten Entwicklung deutlich hinten nach.

So konnte die Solothurner Wirtschaft im dritten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahresquartal spürbar weniger Waren ins Ausland verkaufen, wie Hunziker auf Anfrage erklärt. Der Rückgang betrug 2,1 Prozent.

Landesweit dagegen stiegen die Exporte im gleichen Zeitraum um 6,4 Prozent an. Damit liegen in absoluten Zahlen die Schweizer Ausfuhren deutlich über dem Stand vor Aufhebung der Wechselkursuntergrenze zum Euro vom Januar 2015.

Sonderfall Pharmaindustrie

Einen Hauptgrund für das schlechte Solothurner Ergebnis sieht Hunziker in der unterschiedlichen Branchenstruktur. So sei das Plus in der Schweiz weitestgehend auf den Schwung der Pharma- und Chemiebranche zurückzuführen.

Diese konnte im dritten Quartal ihre Verkäufe ins Ausland um traumhafte 17 Prozent steigern. Das reicht spielend aus, um insgesamt die Ausfuhren ins Positive zu drehen. Denn mit einem Anteil von 45 Prozent an den Gesamtexporten leistet die Pharma- und Chemiebranche den mit Abstand wichtigsten Beitrag.

«Da kann Solothurn nicht mithalten.» Im Solothurnischen, so Hunziker, spiele die ansonsten boomende Pharma- und Chemiebranche mit einem Anteil von 3,6 Prozent an den gesamten Exporten nur eine untergeordnete Rolle. Unter Berücksichtigung des fehlenden Sondereffektes sei also die Exportleistung der Solothurner Wirtschaft etwas weniger schlecht als der erste Blick vermuten lasse.

Trotzdem: Drei Punkte bereiten Hunziker besonders Bauchweh:

  • Maschinenbau: Während sich die Ausfuhren der Gruppe «Maschinen, Apparate, Elektronik» landesweit stabilisiert hätten, seien diese im Solothurnischen um 9 Prozent zurückgegangen. Dabei sei diese Gruppe die zweitwichtigste Exportindustrie im Kanton.
  • Uhrenindustrie: Die im Solothurnischen stark vertretenen Uhrenhersteller und -zulieferer litten unter der globalen Absatzflaute, auch wenn dies aus den Zahlen nicht ersichtlich sei. Die mit Abstand wichtigste Solothurner Export-Warengruppe, Präzisionsinstrumente, Uhren, Bijouterie, konnte zwar um 1,1 Prozent zulegen.
    Das Plus rühre daher, weil in der entsprechenden Solothurner Warengruppe eben auch Präzisionsinstrumente – vor allem für die gut laufende Medizinaltechnikindustrie – enthalten seien. Solothurner Zahlen allein für die Uhrenindustrie sind nicht erhältlich. Zudem sei die schwierige Lage vieler Uhrenzulieferer in den Exportzahlen nicht eins zu eins abgebildet, weil diese nicht direkt ins Ausland lieferten.
  • Markt Nordamerika: Seit der Jahresmitte schwächle nebst Asien nun auch der nordamerikanische Markt, erläutert Hunziker. Während sich zuvor die Ausfuhren vorab in die USA sehr positiv entwickelt hätten, sei nun im dritten Quartal ein Rückgang um 5,6 Prozent zu verkraften. Landesweit dagegen legten die Verkäufe zweistellig zu. Gründe für die unterschiedliche Entwicklung seien nicht offensichtlich.
    Dank der in den Monaten zuvor deutlich besseren Entwicklung als nun im dritten Quartal resultiert für die ersten neun Monate 2016 insgesamt noch ein kleines Plus von 0,1 Prozent, gegenüber 5 Prozent landesweit. Für das Gesamtjahr rechnet Hunziker nun mit einer Stagnation. «Signale von der Front zeigen, dass im vierten Quartal keine weiteren massiven Rückgänge zu erwarten sind.»