Amtsgericht Solothurn Lebern
Solothurner erbt Gewehre und muss sich dafür vor Gericht verantworten

Nach einer Erbschaft war ein türkischer Staatsangehöriger unwissentlich im Besitz von Waffen. Am Dienstag musste er sich dafür vor dem Amtsgericht Solothurn Lebern verantworten. Das Gericht sprach den Angeklagten schliesslich frei.

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Einem türkischen Staatsangehörigen wurden vererbte Waffen zum Verhängnis.

Einem türkischen Staatsangehörigen wurden vererbte Waffen zum Verhängnis.

Symbolbild / az

Zuerst war ihm eine Imitationswaffe zum Verhängnis geworden, nun die Erbstücke seines vor fünf Jahren verstorbenen Vaters. Im Sommer 2013 fand die Polizei am Wohnort von Ismet S.* zwei Gewehre sowie Munition.

Da türkische Staatsangehörige in der Schweiz weder Waffen erwerben noch besitzen dürfen, wurden diese sichergestellt. Der Fall landete auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft, welche daraufhin einen Strafbefehl gegen den vorbestraften S. ausstellte. Damit habe diese vorschnell gehandelt, fand der Anwalt von S., Yetkin Geçer. Dem pflichtete das Amtsgericht Solothurn Lebern mit seinem Urteil gestern bei.

Unbekannte Erbstücke im Schrank

«Ich wusste nichts von den Waffen», sagte der 46-jährige Angeklagte vor Gericht aus. 2009 sei sein Vater, der zusammen mit seiner Frau sowie mit S. und dessen Frau in Bellach wohnte, verstorben.

«Seine Sachen waren in einem Schrank im Zimmer meiner an Alzheimer erkrankten Mutter. Dieser Schrank blieb nach dem Tod meines Vaters aber verschlossen», so S. Wie der Angeklagte später gegenüber dieser Zeitung erklärte, habe seine Schwester, welche unter einer psychischen Krankheit leide, ihn im Streit angezeigt.

Das Verfahren sei zwar eingestellt worden, die Hausdurchsuchung habe die Polizei jedoch vorgenommen - und dabei die Waffen seines Vaters gefunden. Wie er auch vor Gericht erläuterte, habe sein Vater seinen Besitz an die ganze Familie vererbt, womit die Gewehre faktisch nicht nur S., sondern auch seiner Mutter und seinen Geschwistern gehörten.

Gericht spricht Angeklagten frei

Rechtsanwalt Yetkin Geçer beantragte denn auch einen Freispruch für seinen Klienten, da dieser die fraglichen Waffen nicht in seinem Besitz hatte. «Sollte das Gericht meinen Mandanten dennoch verurteilen, so würde dies alleine auf der Tatsache beruhen, dass er türkischer Staatsangehöriger ist», so Geçer.

Denn das blosse Ausfindigmachen von Gewehren reiche nicht aus, um eine Strafe zu verhängen. Dieser Meinung schloss sich das Amtsgericht letztlich an und sprach Ismet S. von den Anschuldigungen frei.

*Namen von der Redaktion geändert