Zwar war mit einem Nein der CVP-Delegierten zur Zersiedelungsinitiative zu rechnen. Am Ende aber erhielt die Vorlage, über die am 10. Februar abgestimmt wird, dann doch mehr Unterstützung, als man annehmen konnte.

Vielleicht lag dies an Glenn Steiger. Der angehende Biobauer aus dem Schwarzbubenland – und Sekretär der kantonalen CVP – warb für ein Ja zur Initiative und stellte dabei den schonungsvollen Umgang mit der Natur in den Vordergrund. Die Siedlungsflächen hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv vergrössert. «Jede Gemeinde hat möglichst viel eingezont. Wir haben keine strategische Raumplanung gehabt» sagte Steiger. Bedauerlicherweise sei dies auf bestem Ackerbaugebiet geschehen. «Das ist Boden, der nicht mehr zurück kommt.» Die Schweiz könne sich bereits heute nicht mehr selbst ernähren. Steiger warb deshalb für einen «radikalen Schnitt». «Denkt an Eure Kinder und Grosskinder.»

17 der 72 anwesenden CVP-Delegierten sprachen sich schliesslich für die Zersiedelungsinitiative aus, 54 dagegen – bei einer Enthaltung. Damit folgte die Partei mehrheitlich Stefan Müller-Altermatt. Der CVP-Nationalrat und frühere Leiter des Naturparks Thal bekämpft die Initiative. Dass zu viel Boden verbraucht worden sei, sei zwar unbestritten. Die Initiative aber sei zu starr. «Sie sagt einfach stopp. Sie schaut nicht, wie sich eine Region entwickelt.» Eine Folge wären höhere Grundstücks- und Mietpreise. Zudem würden bodenunabhängige Bauernbetriebe, wie etwa Mastställe, die Entwicklung ausserhalb der Bauzone verwehrt. Dies hob auch Andreas Vögtli, Präsident des Solothurner Bauernverbandes, hervor. Und schliesslich sprach sich später auch noch Landammann Roland Fürst gegen die Initiative aus. Der Kanton habe seine Hausaufgaben gemacht, sagte der Baudirektor. Die Initiative würde dem Kanton «radikal die Hände» binden.

Parteipräsidentin Sandra Kolly warb ihrerseits für die Steuervorlage 17. Sie sei eine «Investition in die Zukunft» und sei langfristig gesehen «die beste Variante». Kolly: «Wir können Arbeitsplätze sichern und verhindern, dass hochmobile Firmen abwandern.» Die Gegner würden verschweigen, dass die Firmen mit der Vorlage neu jährlich 30 Mio. Franken bezahlen würden, die der breiten Bevölkerung zugute kommen können. Zudem müssten mit der Erhöhung der Vermögenssteuern auch Vermögende ihren Beitrag leisten. «Ich verstehe die Linken nicht ganz, die kein gutes Wort an der Vorlage lassen.» Schliesslich seien deren frühere Forderungen erfüllt worden. Auch dies war für Kolly ein Beispiel, dass die CVP bei den Wahlen zulegen müsse: Es brauche die Partei, weil sonst Reformen im Dauerwahlkampf der Polparteien unmöglich würden.