Workshop
Solothurner Blasmusikvereine auf dem Weg in die Zukunft

Rund 70 Funktionäre des Solothurner Blasmusikvereins besuchten einen Workshop in Olten und beschäftigten sich damit, wie gut geführte Vereine den Schritt ins 21. Jahrhundert bewältigen können.

Merken
Drucken
Teilen
Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagierten sich am Workshop des SOBV in der Fachhochschule in Olten.

Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagierten sich am Workshop des SOBV in der Fachhochschule in Olten.

zvg

Ad-hoc-Gesellschaft. Ein treffender Begriff, der zusammenfasst, welcher Herausforderung sich Vereine im 21. Jahrhundert zu stellen haben. Vereine sind langfristig ausgelegt, aber heutzutage will jedermann seiner Individualität nachleben. Nicht nur Musikvereine haben sich diesen veränderten Gegebenheiten zu stellen, aber sie leiden ganz besonders unter dem zunehmenden Mitgliederschwund. Ein Musikkorps ist auf ausgewogene und zahlenmässig ausreichend besetzte Register angewiesen, um Konzerte und Auftritte bestreiten zu können.

Der Solothurner Blasmusikverband (SOBV) hat erkannt, dass sich die Musikvereine ernsthaft mit dieser Thematik auseinandersetzen müssen, wenn sie ihr langfristiges Überleben sichern wollen. Es ging also an dem von rund 70 Vereinsfunktionären besuchten Workshop in Olten um Existentielles. Der Referent, Philipp Moor kommt zwar aus dem Turnwesen. Aber die Fragestellung ist überall dieselbe: wie kann man Mitglieder heutzutage an einen Verein binden? Moor zeigte systematisch auf, dass es den meisten Vereinen weder an der Infrastruktur noch an den finanziellen Mitteln mangle. «Aber wie viele von euch haben mit eurem Verein eine klare Vision – eine Strategie?» fragte er provokativ in die Runde und das Resultat war durchaus ernüchternd. Doch darüber hinaus nützt selbst eine klare Zielsetzung nichts, wenn sie nicht mit der Kultur und den Werten der Vereinsmitglieder übereinstimme. Hier ortet Moor das grösste Schwierigkeit.

Punkto Organisationsstruktur konnten an praktischen Beispielen Mängel aufgezeigt werden. Obwohl in Vereinen nicht die Gewinnoptimierung im Vordergrund steht, unterscheidet sie doch nur wenig von einem KMU. So gelte es heutzutage das Organigramm eines Vereins kritisch zu hinterfragen. Die strategische und operative Ebene ist nach Möglichkeit zu trennen. Vorstände sind oftmals zu gross und schwerfällig. Reine Scheinfunktionen wie Beisitzer und Vizepräsidenten sind mit konkret definierten Pflichten und Ressorts zu betrauen.

Junge sollten von Anfang an mit einfachen Aufgaben in das Vereinsleben integriert werden. «Und wieso kann nicht auch eine Person, die kein Instrument spielt, ein Präsidium übernehmen oder eine Kasse führen?», hielt Moor einen weiteren Denkanstoss für die Anwesenden bereit.

In nur drei Stunden konnten vielschichtige Themen wie Nachwuchsförderung, Pflege der ehemaligen Mitglieder, Aussenwahrnehmung oder Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit nur am Rande gestreift werden. Auch das spannende Projekt von Bläserklassen für Erwachsene, das von der Ostschweiz langsam den Weg in hiesige Gefilde findet, fand nur kurz Erwähnung. So kündigte die Musikkommission des SOBV gleich einen nächsten Termin zur Vertiefung der zahlreichen Diskussionspunkte an. Dieser Workshop wird am 17. November 2018 stattfinden. (mgt)