Auf einen Kaffee mit...
Solothurner bestieg hohe Berge in den Anden – ein Siebentausender fehlt ihm noch

Auf einen Kaffee mit ... dem Solothurner Bergsteiger Karl Stransky, der in der peruanischen Cordillera Blanca einen Sechstausender und drei Fünftausender bezwungen hat.

Hans Peter Schläfli
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Karl Stransky im «Kreuz» in Solothurn: Ein Siebentausender darf es noch sein.

Karl Stransky im «Kreuz» in Solothurn: Ein Siebentausender darf es noch sein.

Hans Peter Schläfli

«Die Sechstausender der Cordillera Blanca sind zwar weniger bekannt als die Achttausender im Himalaja, aber sie sind genauso schön.» Das sagt Karl Stransky, während er im Solothurner «Kreuz», seiner Lieblingsbeiz, einen Espresso trinkt und den Spätsommer geniesst. «In den Bergen reduziert sich alles auf die grundsätzlichen Aufgaben wie Wasser schmelzen, Essen kochen und beim Klettern die richtigen Entscheidungen treffen. Das Leben dort ist einfacher.»

Stransky weiss, wovon er spricht: Im Juni und Juli hat er zusammen mit seinem Expeditionspartner Pascal Martin aus Witterswil Gipfel mit so exotischen Namen wie Inshinca (5530 m), Urus Este (5420 m), Tocllaraju (6034 m) und Alpapmayo (5947 m) in den peruanischen Anden bestiegen. «By fair means», wie er betont. Das bedeutet aus eigener Kraft und ab dem Basislager ohne Träger oder besondere Hilfsmittel. «Geschlafen haben wir im Zelt, denn Berghütten wie bei uns gibt es in Peru nicht. Den Strom für unsere Stirnlampen, die Batterien für das Handy und den Fotoapparat haben wir mit unserem Solarpanel selber produziert.» Eine professionelle Kamera gehört nämlich beim leidenschaftlichen Fotografen trotz des recht hohen Gewichts immer dazu.

Bergsteiger Karl Stransky in Peru
4 Bilder
In der Cordillera Blanca hat der Solothurner einen Sechstausender und drei Fünftausender bestiegen
Impression in der Nacht
Starsky mit seinem Expeditionspartner Pascal Martin

Bergsteiger Karl Stransky in Peru

zvg

Ähnlich wie in den Alpen, nur viel höher

«Ich war vorher noch nie in Südamerika. Peru hat mich gereizt, gerade weil die Berge in den Anden weniger bekannt sind und weil es viel weniger Touristen als in den Alpen oder dem Himalaja hat.» Die Gebirge seien an sich ganz ähnlich wie die Alpen, nur viel höher. «Und es hat viel mehr ungebundenen Schnee, wodurch die Sicherung schwieriger wird.»

Beim kantonalen Amt für Umwelt arbeitet der studierte Geologe im Bereich der Altlasten. Wer sich beruflich mit dem Schutz der Umwelt beschäftigt, dem sollte der ökologische Fussabdruck wichtig sein. «Natürlich ist eine solche Expedition nicht ideal», sagt Stransky zu diesem heiklen Thema. «Ich habe CO2-Kompensation gezahlt, aber das darf man nicht überbewerten. Ich fahre hier meistens mit dem Velo, und wenn ich in die Alpen reise, dann nehme ich immer den Zug.» So vermeide er es, unnötig fossile Brennstoffe zu verbrauchen. «Wenn man sich so eine grosse Reise leistet, dann sollte es kein Kurzaufenthalt sein. Dreimal im Jahr für ein Wochenende auf Mallorca zu fliegen, wie es heute für viele Leute normal ist, hat etwa denselben negativen Effekt wie unsere fünfwöchige Expedition nach Peru.» So alle zehn Jahre, wenn das Fernweh und die Reiselust wirklich gross sind, sei eine lange Reise mit dem Flugzeug vertretbar.

Zudem habe er durch die Reise auch viel gelernt. «Ich habe gesehen, wie internationale Firmen das Lithium für die Batterien der Elektroautos aus den Salzseen der Hochebenen in den Anden gewinnen. Das Grundwasser fliesst aus der Umgebung in die Seen und es fehlt dann der Bevölkerung, die dort lebt. Die Böden versalzen, weil bei uns ein Boom auf die Elektromobilität herrscht. Man muss also auch gegenüber den neuen Technologien kritisch bleiben und genau hinschauen.»

Wer in fast menschenleeren Gebieten so hohe Berge besteigen will, der muss sich intensiv vorbereiten. «Letzten Winter haben wir oft in den Alpen das Eisklettern geübt und dann im Zelt übernachtet», erzählt Stransky. Rund 50 Mal sei er zudem von Solothurn aus mit 20 Litern Wasser im Rucksack auf die Röti oder die Hasenmatt gelaufen. «Wenn ich oben das Wasser ausleerte, staunten die Leute. Ich habe dann gesagt, dass ich die Blumen giesse.»

Karl Stransky ist vor kurzem Vater geworden. Wie geht man im Wissen, zu Hause ein Baby zu haben, mit der Lebensgefahr in den hohen Bergen um? «Die Sicherheit war mir schon immer sehr wichtig. Ich gehe nur weiter, solange der Aufstieg objektiv betrachtet sicher ist. Im Zweifelsfall kehre ich lieber um, denn wer umkehrt, der kann zurückkommen.»

Von den 48 Viertausendern, die es in der Schweiz gibt, hat er 39 bestiegen. In den nächsten Jahren sollen auch noch die restlichen neun folgen. Stransky gehört zu den wenigen Solothurnern, die einen Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff bezwingen konnten. Gibt es Momente, wo man sich fragt, warum man sich das antut? «Jetzt in Peru nicht. Damals im Himalaja gab es schon solche Momente. Dort ist es viel kälter und die Luft ist noch dünner. Dort habe ich zwischendurch wirklich gelitten.»

«Es muss nicht immer noch höher sein», sagt der 44-jährige Geologe, der sich auch bei der Alpinen Rettung Schweiz (Station Solothurn) engagiert. «Ich möchte gerne noch einen Siebentausender besteigen. Einfach wegen der Zahl. Kein Modeberg, sonder wieder einer etwas abseits von den üblichen Routen.» Und wenn seine Tochter alt genug ist, könnte sich Karl Stransky vorstellen, einmal mit der Familie nach Peru zurückzukehren, um gemeinsam den Machu Picchu zu erleben.