Geldstrafen
Solothurner Berufsschul-Schwänzer zahlten Bussen von 171'000 Franken

Schulschwänzer und Störenfriede bleiben an Solothurner Berufsschulen nicht unbestraft. Lernende zahlen je nach Vergehen zwischen 20 und 300 Franken Busse. Insgesamt kamen 171'000 Franken Bussen zusammen.

Noëlle Karpf
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Lernende zahlen jährlich Bussen von mehreren 10'000 Franken

Lernende zahlen jährlich Bussen von mehreren 10'000 Franken

Silvan Wegmann

Lernende machten das Berufsbildungszentrum (BBZ) Olten vergangenes Jahr um 119'000 Franken reicher. Der Grund dafür: Geldbussen für unentschuldigte Absenzen oder Verstösse gegen die Hausordnung.

Wer im Klassenzimmer raucht oder einen Mitschüler mobbt, kann mit einer Geldstrafe gebüsst werden. Solche Strafen sind nicht ohne: Bis zu 300 Franken muss ein Lernender zahlen, wenn er gegen die Hausordnung verstösst.

Auch unentschuldigte Absenzen sind teuer. Fehlt ein Lernender nach einer ersten Verwarnung, ohne eine Entschuldigung zu bringen, kostet ihn das 20 Franken pro Lektion. Wer einen Tag von acht Lektionen fehlt, muss also 160 Franken
zahlen.

«Diese Strafandrohung hat eine präventive Wirkung und fördert einen geordneten Schulbetrieb», sagt Georg Berger, Rektor des BBZ Olten. 3'800 Lernende besuchen derzeit eine Ausbildungsstätte des BBZ.

BBZ Solothurn-Grenchen zahlten 52'000 Franken. Damit kommen im Durchschnitt 17 Franken auf einen Schüler.

BBZ Olten nahm 119'000 Franken ein. Das macht eine «Pro Kopf»-Busse von 31 Franken im Jahr.

Dazu gehören das Oltner GIBS (Gewerblich-Industrielle Berufsfachschule), das Oltner KBS (Kaufmännische Berufsfachschule) und das BZ-GS (Bildungszentrum Gesundheit und Soziales) in Olten. Laut Berger macht das Oltner BBZ gute Erfahrungen mit diesem System.

Die Lehrer würden dadurch entlastet, weil es aufgrund der drohenden Bussen keine «negativen Auswirkungen» auf die Lernprozesse in den Klassen geben würde. Von den Geldstrafen sollen am Schluss die Lernenden profitieren. Mit den Bussgeldern werden unter anderem Exkursionen, Lehrabschlussfeiern oder Schwimmbadbesuche finanziert.

Ach Rudolf Zimmerli, Leiter der kantonalen Abteilung für Berufslehren, ist von der Wirkung der Bussen überzeugt. «Grundsätzlich hat sich das sehr gut bewährt.» Da die Berufsschulen dem Kanton unterstellt sind, hat dieser einen Überblick über die Strafen.

Auch im Vergleich mit Kanton Aargau: BBZ Olten kassiert die meisten Busse

Auch im Kanton Aargau machen die Berufsschulen von Geldstrafen Gebrauch. Wie die «Aargauer Zeitung» berichtete, verdienen auch sie dadurch mehrere zehntausend Franken. Die Einnahmen des BBZ Olten übertreffen diese Beträge deutlich. Die Berufsschule Aarau ist die Ausbildungsstätte mit den meisten Lernenden in unserem Nachbarkanton. Aktuell besuchen dort 3'100 Lernende den Unterricht. Im Jahr nimmt diese Schule 70'000 Franken Bussgelder ein, bei einer Mindestbusse von zehn Franken pro unentschuldigte Lektion. Das BBZ Olten verdiente letztes Jahr 49'000 Franken mehr an Bussgeldern. Ein Oltner Stift zahlt pro Jahr Bussen in der Höhe von 31 Franken. Ein Lernender der Berufsschule Aarau 23 Franken. An den anderen Ausbildungsstätten im Kanton Aargau gibt es teilweise gar keine Bussen oder weniger als an der Aarauer Berufsschule. (nka)

Er entscheidet aber nicht, wann eine Busse erteilt wird. «Die Basis für das Bussensystem ist die kantonale Absenzen und Disziplinarordnung», erklärt Zimmerli. Darin ist die Mindestbusse für unentschuldigte Lektionen festgelegt.

Oder die höchste Strafe, die Rektoren erteilen und die Verstösse, für die Lernende gebüsst werden dürfen. Ob die Geldstrafe dann erteilt wird und wie hoch sie ausfällt, ist Sache der Schulleiter. Diese können laut Zimmerli aufgrund der Regelung auf alle Verstösse «angemessen reagieren.»

Gleiche Regeln, viel weniger Bussen

Das Erteilen von Geldbussen ist in allen Berufsschulen im Kanton erlaubt. Also auch im BBZ Solothurn-Grenchen. Dort macht die Schulleitung ebenfalls von den Geldstrafen Gebrauch. Im Vergleich zu Olten fallen die Einnahmen deutlich tiefer aus.

Wie Rektor Rolf Schütz mitteilt, wurden vergangenes Jahr 52'000 Franken Bussen eingenommen. Bei einer Schülerzahl von 3'000 sind das pro Lernenden und pro Jahr 17 Franken Bussgeld. Oltner Berufsschüler zahlen deutlich mehr: Die Geldstrafen, pro Kopf ausgerechnet, betragen dort jährlich 31 Franken.

Auch in Solothurn und in Grenchen gibt es Bussen für unbegründete Absenzen und Verstösse gegen die Hausordnung. Die Mindestbusse für eine unentschuldigte Lektion beträgt ebenfalls 20 Franken. Wieso aber ein Unterschied von 67'000 Franken in den Einnahmen der Bussgelder? Laut Schütz liegt dies zum einen an der geringeren Schülerzahl in den Berufsschulen von Solothurn und Grenchen.

Dazu gehören das Solothurner GIBS, das Solothurner KBS und die Uhrmacher Schule «Zeitzentrum» in Grenchen. Auch der reduzierte Sportunterricht am BBZ Solothurn-Grenchen sei ein Grund für den Unterschied.

So gibt es in Solothurn und in Grenchen weniger Sportlektionen als in Olten. Diese werden von den Schülern offenbar häufiger geschwänzt. Weil es in Solothurn und Grenchen weniger Sportlektionen gibt, gibt es dafür auch weniger unentschuldigte Absenzen.

Fast keine Bussen an der Kanti

Die kantonale Verordnung erlaubt auch den Kantonsschulen die Anwendung von Geldstrafen. Die Konrektoren können Bussen bis zu 100 Franken erteilen, wenn Schüler gegen die Hausordnung verstossen. Eine Geldstrafe für unbegründete Absenzen gibt es nicht. Dementsprechend werden deutlich weniger Bussen eingenommen als in den Berufsschulen.

Oltner Kantonsschüler würden vor allem für Rauchen oder Essen und Trinken in den Computerräumen gebüsst, berichtet Rektorin Sybille Wyss. Das geschehe jedoch nur zwei- bis dreimal in einem Jahr. Dadurch nehme die Schule jährlich rund 50 Franken ein. «Die Bussgelder fliessen in die Staatskasse», erklärt Wyss.

Der Rektor der Kantonsschule Solothurn war aufgrund von Ferienabwesenheit nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

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