Coachings
Solothurner Beratungsstelle Iradis zieht eine positive Bilanz

Iradis bietet Coachings an. Das Stichwort lautet dabei betriebliche Gesundheitsförderung. Nach den ersten beiden Jahren wird eine positive Bilanz gezogen.

Manuela von Arx
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Die Coachings sind an Führungskräfte, Personalmanager und Berufsbilder gerichtet. (Symbolbild)

Die Coachings sind an Führungskräfte, Personalmanager und Berufsbilder gerichtet. (Symbolbild)

Keystone

Angstzustände, Depressionen, Burnout. Die Liste psychischer Krankheiten, die bei Schweizer Angestellten immer häufiger werden, ist lang. Ebenso lang sind die Gesichter der Arbeitgeber, wenn Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen. Heute geht man davon aus, dass jeder zweite Schweizer in seinem Leben einmal psychisch erkrankt.

Die Beratungsstelle Iradis will beides verhindern: Ausfälle aufgrund psychischer Krankheiten und lange Gesichter bei den Arbeitgebern. Seit 2014 gibt es die Beratungsstelle als Teil der IV-Stelle Solothurn. Sie bietet Coachings an für Führungskräfte, Personalmanager und Berufsbildner. Betriebliche Gesundheitsförderung lautet das Stichwort.

Ein wichtiges Bedürfnis

Rückblickend auf die ersten zwei Jahre von Iradis Solothurn stellt die Leiterin Sandra Reichen fest, dass das Angebot immer wieder auf offene Ohren stösst: «Wir kommen einem wichtigen Bedürfnis in der heutigen Zeit nach: Der schnellen Beratung zum Umgang mit schwierigen Führungssituationen».

Bei den bisher über 200 Firmen, mit denen Iradis zusammengearbeitet hat, seien die Feedbacks durchweg positiv ausgefallen, führt Reichen weiter aus: «Das gibt uns das Gefühl, dass wir an einem wichtigen Thema dran sind und notwendige Aufklärungsarbeit leisten».

Das Hauptanliegen der Beratungsstelle ist die Verhinderung von Burnout bedingten Ausfällen. «Es ist kein Märchen, dass sich Depressionen und Burnouts häufen«, sagt Reichen.

«Chronischer Stress ist Teil unserer Leistungsgesellschaft geworden», sagt auch Urs Hammel, Leiter des kantonalen Personalamtes. Davon bleiben auch die Mitarbeiter des Kantons Solothurn nicht verschont. Der Staat ist regelmässiger Auftraggeber von Iradis. «Wenn zu alltäglichem Stress im Berufsalltag noch Probleme im privaten Umfeld hinzukommen, kann es rasch zu viel werden», erklärt er. Die Prävention in diesem Bereich werde deshalb für die kantonale Verwaltung immer wichtiger.

«Das Angebot sinnvoll nutzen»

Ein Coaching von Iradis kann auf ganz unterschiedliche Weise stattfinden, beispielsweise mit Workshops, mehreren Beratungsterminen oder einem einmaligen Gespräch. Meistens beginnt es damit, dass sich die hilfesuchende Führungskraft telefonisch bei Iradis meldet. «Oftmals geht es in den Gesprächen erst einmal darum, den Überblick wieder zu finden, hinderliche Ängste loszuwerden und seine Gedanken wieder zu sortieren», beschreibt Sandra Reichen den Ablauf.

Den Kanton Solothurn hat die Beratungsstelle Iradis von sich aus kontaktiert und das Angebot vorgestellt. «Uns war von Beginn weg klar, dass dieses Angebot sinnvoll genutzt werden kann.», so Urs Hammel. Seither seien ihre Führungspersonen geschult worden. Daneben würden Vorträge und Workshops durchgeführt. Ein Fazit will er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ziehen: «Wir gehen aber davon aus, dass die Anzahl an Langzeiterkrankungen reduziert werden kann».

Längere Absenzen sind teurer

Das kostenlose Angebot von Iradis gilt für jedes Unternehmen im Kanton Solothurn. Finanziert wird die Beratungsstelle über die Mitgliederbeiträge der IV. Laut Reichen lohnt sich das: «Die Arbeitgeber sind unsere Mitglieder, auch sie zahlen Beiträge ein». Es sei wichtig, dass sie schnell reagieren und sich Hilfe holen können, bevor es zu längeren Absenzen komme. Das sei schlussendlich teurer als die Beratung.

In ihrer täglichen Arbeit erlebt die Iradis-Leiterin aber oft, dass die Unternehmen zu spät reagieren: «In der Schweiz herrscht diesbezüglich immer noch ein falsches Denken. Wenn man etwas nicht selber bewältigen kann, hat man schon das Gefühl, nicht gut genug zu sein». Das Beiziehen eines Coaches werde daher als Zeichen des Versagens gedeutet. Es sei aber wichtig, dass rasch Hilfe eingeholt werde, wenn Mitarbeitende nicht mehr aus einer Krise herausfänden.