Krankenkassenprämien
«Solothurner beanspruchen nicht mehr Gesundheitsleistungen als andere auch»

Im Durchschnitt liegen die Solothurner Krankenkassenprämien nur noch knapp unter dem Schweizer Mittelwert. Der Anstieg entspricht den Erwartungen des Kantons.

Elisabeth Seifert
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Ein Vergleich lohnt sich: Die Prämien in der Grundversicherung steigen je nach Kasse unterschiedlich stark an.

Ein Vergleich lohnt sich: Die Prämien in der Grundversicherung steigen je nach Kasse unterschiedlich stark an.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Seit Jahren steigen die Prämien der Grundversicherung im Kanton Solothurn stärker an als im schweizerischen Durchschnitt. Das ist auch im kommenden Jahr nicht anders. Bei den Erwachsenen beträgt der durchschnittliche Anstieg 5,8 Prozent, schweizweit «nur» 4,5 Prozent. Das Prämienwachstum bei den jungen Erwachsenen beläuft sich in Solothurn auf 7,4 Prozent (schweizweit: 5,4 Prozent). Und die Kinderprämien steigen in Solothurn gar um 9,1 Prozent (schweizweit 6,6 Prozent).

Da ist es ein kleiner Trost, dass die monatlichen Durchschnittsprämien im Kanton Solothurn – derzeit noch – unter dem schweizerischen Mittelwert liegen. Im nächsten Jahr bereits könnte sich das ändern. Erwachsene zahlen 2017 im Durchschnitt 441,40 Franken (mit einer Franchise von 300 Franken). Schweizweit ist die Durchschnittsprämie mit 447,28 Franken nur geringfügig höher. Auffallend ist, dass die Durchschnittsprämie in 16 Kantonen tiefer ist als jene im Kanton Solothurn.

Absehbare Entwicklung

«Der Anstieg entspricht unseren Erwartungen», sagt Claudia Hänzi, Chefin im Amt für soziale Sicherheit (ASO) auf Anfrage. Sie erklärt den Anstieg im Kanton Solothurn mit den gleichen Argumenten, die auch auf nationaler Ebene angeführt werden. Zum einen spricht Hänzi die «Verfeinerung des Risikoausgleichs» an. Billigkassen werde es damit schwieriger gemacht, ihr Geschäft mit der Jagd nach guten Risiken zu machen. Zum anderen zwingt der Bund Kassen, die eine Unterdeckung aufweisen, in den nächsten Jahren zu einem Ausgleich. «Je nach dem, bei welchen Kassen die Solothurnerinnen und Solothurner versichert sind, kann dies eine Erklärung für das überdurchschnittliche Prämienwachstum sein.»

Vor allem aber begründet sie den im interkantonalen Vergleich stärkeren Anstieg damit, dass sich die Prämien immer mehr angleichen. Die Unterschiede zwischen den eher günstigen, ländlich geprägten Kantonen und den teuren städtischen Gebieten verschwinden. «Auch im Kanton Solothurn haben wir zunehmend eine gemischte Gesellschaft, die sich ähnlich verhält, wie jene in den Städten und Agglomerationen.»

Die Solothurnerinnen und Solothurner würden aber, unterstreicht die ASO-Chefin, nicht mehr Gesundheitsleistungen beanspruchen als andere auch. Die Prämienhöhe sei weiter von der Zusammensetzung der Gesellschaft abhängig. Neben dem Anteil der Betagten hat Hänzi auch die Familien mit Kindern im Sinn, die vom starken Anstieg der Kinderprämien betroffen sind. Weiter führe gerade die gewünschte Verlagerung von stationären zu ambulanten Behandlungen zu einer Prämienerhöhung, weil Letztere einzig von den Krankenkassenprämien übernommen werden müssen.

«Der Bund ist gefragt»

Was aber ist zu tun, damit die Prämien nicht ständig steigen? «Als Kanton können wir die Höhe der Krankenkassenprämien nicht aktiv beeinflussen», hält sie fest. Gefragt sei vielmehr der Bund. «Will man eine Trendwende, stehen Grundsatzdiskussionen darüber an, wie das Gesundheitswesen zu organisieren ist, was wir für einen Leistungskatalog wollen und wie viel wir dafür auszugeben bereit sind».

Die stetst steigenden Prämien bedeuten zudem, dass die – nicht im gleichen Ausmass steigenden – Mittel der Prämienverbilligung sich künftig immer stärker auf die Schwächsten konzentrieren. Neben Familien und Einzelpersonen mit einem kleinen Einkommen sind dies vor allem auch Bezüger von Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen. Hinzu kommt die Übernahme der Verlustscheine.