Widerspruch
Solothurner Baugewerbe bleibt trotz tieferer Umsätze optimistisch

Schwindende Umsätze und tiefere Margen bereiten der Branche Probleme. Der Auftragseingang ist aber hoch. Ende 2015 lag der Arbeitsvorrat doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor.

Franz Schaible
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Einzig im Wohnungsbau ist im laufenden Jahr mit einer weiteren Abschwächung zu rechnen. Die Solothurner Baumeister sehen eine «gewisse Sättigung». (Archivbild)

Einzig im Wohnungsbau ist im laufenden Jahr mit einer weiteren Abschwächung zu rechnen. Die Solothurner Baumeister sehen eine «gewisse Sättigung». (Archivbild)

KEYSTONE

Was sich bereits 2014 abzeichnete, hat sich im vergangenen Jahr fortgesetzt: Die Bautätigkeit im Kanton Solothurn ist rückläufig. So sind die Umsätze der Solothurner Baufirmen insgesamt um sechs Prozent auf 340 Millionen Franken gesunken, wie Bruno Fuchs, Präsident des Baumeisterverbandes, an der gestrigen Generalversammlung im Landhaus zu Solothurn erklärte.

Insgesamt hielt sich das Solothurner Bauhauptgewerbe aber besser als die Branche landesweit (minus 9 Prozent). Die Bereiche haben sich unterschiedlich entwickelt. Während der Umsatz im Tiefbau lediglich um zwei Prozent auf 204 Millionen Franken sank, war der Rückgang im Hochbau mit elf Prozent auf 136 Millionen Franken ausgeprägter. Die Verkäufe im Untersegment Wohnungsbau nahmen um neun Prozent auf 104 Millionen Franken ab.

Auch wenn der Höhepunkt überschritten sein dürfte, müssen sich die Baufirmen nicht vor mangelnder Arbeit fürchten. Denn im vergangenen Jahr sind die Aufträge en masse auf die Pulte der Baufirmen geflattert. Mit einem gesamten Auftragseingang von über 500 Millionen Franken wurde das Vorjahresergebnis um 41 Prozent übertroffen.

Die Entwicklung wurde vorab getrieben von Tiefbauprojekten (plus 69 Prozent) und dort sorgten Grossbauprojekte wie Eppenberg- und Belchentunnel, der Neubau des Bürgerspitals in Solothurn und auch die Produktionsanlage von Biogen in Luterbach-Süd für volle Auftragsbücher. «Nur» 8 Prozent legte der Hochbau zu. Als wichtiger Auftraggeber für die Baubranche wirkt die öffentliche Hand, wie Landammann und Baudirektor Roland Fürst in seiner Kurzansprache betonte. Im Hochbau habe der Kanton 150 Millionen Franken verbaut, «ein absoluter Rekord, der dieses Jahr nicht erreicht wird». Im Tiefbau seien es 40 Millionen gewesen und im laufenden Jahr betrage die Bausumme 60 Millionen Franken.

«Sättigung im Wohnungsbau»

Dagegen sank der Auftragseingang für das Bauhauptgewerbe im Wohnungsbau um fast einen Viertel. «Das mag auf eine gewisse Sättigung des Marktes hindeuten», hiess es an der Versammlung. Aber insgesamt habe sich die Auftragssituation so gut wie noch nie in jüngster Zeit entwickelt. «Das verspricht für jene Bauunternehmen, die an diesen Aufträgen teilhaben können, zumindest mittelfristig eine gute Auslastung», sagte Bruno Fuchs.

Zu viel Euphorie wäre aber fehl am Platz, warnte er im Hinblick auf den rückläufigen Wohnungsbau. «Darunter leiden vor allem die kleineren, zumeist lokal tätigen Baufirmen.» In diesem Zusammenhang erwähnte Fuchs die hohe kantonale Leerwohnungsziffer von 2,3 Prozent. «Diese Entwicklung muss im Auge behalten werden. Jedes Bauvorhaben muss vom Investor entsprechend bewertet werden.»

Der hohe Auftragseingang beflügelt logischerweise auch den Arbeitsvorrat. Dieser lag Ende 2015 bei 310 Millionen Franken und damit doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Einzig im Bereich Wohnungsbau wurde ein Rückgang von 5 Prozent registriert. Insgesamt zeigte sich Fuchs optimistisch: «Die schweizweite Abschwächung der Baukonjunktur ist auch bei uns spürbar. Trotzdem blicken wir zuversichtlich in die Zukunft.»

Margenschwund macht Bauchweh

Sorgen bereiten dem Bauhauptgewerbe trotz guter Auslastung die schwindenden Margen. «Die Branche generiert zwar viel Umsatz, mit rund drei Prozent, aber wenig Ertrag», erklärte Verbands-Geschäftsführer Theodor Häner. Dagegen wird die Beschäftigung in der Branche als gut beurteilt. Anfang 2016 zählten die Mitgliedsfirmen 1'700 unbefristet angestellte Bauarbeiter, genau gleich viele wie ein Jahr zuvor. Häner: «Das deutet daraufhin, dass die Mitarbeiterzahl im Bauhauptgewerbe trotz schwächerer Konjunkturlage und geringerer Auslastung zumindest im Kanton Solothurn in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen dürfte.»

An der Versammlung kam es zu einem Wechsel an der Verbandsspitze. Philipp Sterki wurde als Nachfolger von Guido Sterki neu in den Vorstand gewählt. Als Vizepräsident amtet neu Markus Grütter. Alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden bestätigt.