Kulturland

Solothurner Bauernverband setzt sich gegen Ökoprojekte zur Wehr

Sie wollen Kulturland statt Oekoflächen: Bauernsekretär Peter Brügger (l.) und Bauernverbandspräsident Andreas Vögtli.

Sie wollen Kulturland statt Oekoflächen: Bauernsekretär Peter Brügger (l.) und Bauernverbandspräsident Andreas Vögtli.

Was für die meisten nur Dreck ist, bildet für die Bauern die Lebensgrundlage. So kämpft der Bauernverband unter anderem gegen Ranaturierungsprojekte, bei denen Ackerland ausgehoben werden soll, um dieses durch Biotope zu ersetzen.

Wenn die Solothurner Bauern rufen, fehlen nur wenige Politiker. Gleich drei National- und zwei Ständeräte kamen gestern mit dem Kantonsratspräsidenten in den Wallierhof, um der Delegiertenversammlung 2014 des Solothurner Bauernverbandes beizuwohnen.

Und Bauernsekretär Peter Brügger verpasste die Gelegenheit nicht, die Anliegen seines Berufsstandes in den Ohren der anwesenden Polit- und Verwaltungsprominenz zu deponieren. Der drohende Kulturlandverlust war das Thema, das Brügger gekonnt auf den Tisch brachte.

«Es geht nicht nur darum, den Bauern die wichtigste Produktionsgrundlage zu erhalten, sondern auch den nachfolgenden Generationen die Wahlfreiheit, was sie mit dem Boden machen wollen», sagte Brügger. Doch im Zentrum der Kritik stand nicht die Baggerschaufel, die Baugruben für Häuser aushebt. Ihr Fett ab erhielten ökologische Massnahmen.

«Tausend Jahre Arbeit zerstört»

Es ist ein Kampf, wie es scheint, um jeden Kubikmeter Erde. Was für die meisten nur Dreck ist, der an den Schuhen kleben bleibt, ist für die Bauern die Lebensgrundlage. Und für Peter Brügger ein Organismus, den die Natur in langen Zeitläufen erarbeitet: Tausend Jahre dauert es, bis ein Meter Humus entstanden ist.

In Sekunden hat die Baggerschaufel die Arbeit der Natur zerstört, wenn sie sich in den Boden gräbt und Löcher aushebt. «Das Abtragen von einem Meter Oberboden ist die Zerstörung von eintausend Jahren Arbeit der Natur. Oder ein bodenmässiger Rückschritt ins Mittelalter», so Brügger.

Des Solothurner Bauern Missfallen weckt vor diesem Hintergrund insbesondere der Bagger, der Biotope zur Renaturierung auf Ackerland aushebt. Für Brügger eine wenig nachhaltige Idee aus Solothurner Amtsstuben, deren Verantwortliche «wenig Bezug zum Boden» hätten.

«Und Leute, die das veranlassen, getrauen sich als Naturschützer darzustellen.» Brüggers Fazit: «Die Gesellschaft muss wieder lernen, den Boden als Organismus zu verstehen.» Als ebenso unsinnig wie gewisse Ausgleichsmassnahmen bezeichnete der Bauernsekretär den Landstreifen, der nun laut dem Bundesamt für Umwelt entlang von Gewässern zwingend ausgeschieden werden muss, sogar in den Fällen, in denen ein Steinweg entlang des Baches verläuft. Hunderte von Hektaren wertvollen Kulturlandes würden so durch das Bundesamt vernichtet, hielt Brügger fest.

Unerwartet kam die Kritik nicht: Der FDP-Kantonsrat hat kürzlich im Kantonsrat einen Auftrag eingereicht, der ökologische Ausgleichsflächen wie etwa Hecken auf Ackerland eindämmen will.

Im Vorschriftendschungel

Wenig Lob erhielt an der Delegiertenversammlung auch die bisher geplante Umsetzung des revidierten Raumplanungsgesetzes, für das sich der Bauernverband vor einem Jahr noch eingesetzt hat.

«Die Umsetzung droht zu einem Verwaltungsmoloch zu werden», hielt Brügger fest. Der Bund versuche, sich zusätzliche Kompetenzen zu Lasten von Gemeinden und Kantonen zu holen, warnte er und wies darauf hin, dass gemäss Entwurf jedes Bauvorhaben in der Landwirtschaftszone dem Bund gemeldet werden soll.

«Wir bewegen uns jetzt in einem Dschungel von Vorschriften, aber der bissige Tiger, der das Kulturland verteidigt, ist nirgends zu sehen.» Immerhin scheinen Solothurner Amtsstellen die Bedenken der Bauern zu teilen: Felix Schibli, neuer Chef des Amtes für Landwirtschaft, zeigte Verständnis für einige vorgebrachte Anliegen.

Nischen bringen mehr Marge

Es wäre aber nicht so, dass Peter Brügger etwas gegen Bio oder Oekologie hätte. Gestern hat er seinen Delegierten eingeschärft, wie wichtig gerade solche Nischenmärkte für Bauern sind, um eine hohe Wertschöpfung aus ihren Produkten zu holen.

Denn der herkömmliche Absatzpfeiler, das traditionelle Lebensmittelgeschäft, biete nur wenig Marge und werde von künftigen Agrarfreihandelsabkommen noch mehr unter Druck gesetzt.

Es seien vor allem der Grenz- und Distanzschutz, die heute noch für höhere Preise für Schweizer Bauern sorgen würden. Als dritten Einkommenspfeiler hob der Bauernsekretär die Direktzahlungen hervor.

Bauern sind nicht nur eine Wählerbasis für die Politik. Sie sind von den Vorschriften der Politiker auch relativ stark abhängig. Ein weiterer Grund, warum so viele Politiker gestern im Wallierhof waren,

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