Badesaison
Solothurner Badis verzichten auf den Schwimmtest

Kinder, die den Wassersicherheitscheck absolviert haben, dürfen ohne Eltern ins Freibad. Das die Idee des Bundesamtes für Unfallverhütung. Im Kanton Solothurn wird der Test mit dem Lehrplan 21 erstmals zum Thema. Die Badis setzen jedoch nicht darauf.

Noëlle Karpf
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Ob Kinder den Wassersicherheitscheck gemacht haben, wird oft nicht kontrolliert.

Ob Kinder den Wassersicherheitscheck gemacht haben, wird oft nicht kontrolliert.

Hanspeter Bärtschi

Eine Rolle vom Beckenrand ins tiefe Wasser. 50 Meter schwimmen. Und eine Minute lang über Wasser bleiben. Diese drei Übungen bilden den Wassersicherheitscheck (WSC). Kinder sollen sich dadurch bei einem Sturz aus dem Wasser retten können. Berner Primarschüler müssen den Test bis zur vierten Klasse machen. Der Kanton Baselland empfiehlt ihn bis zur sechsten Klasse.

Im Aargau empfiehlt ihn das Bildungsdepartement für den Schwimmunterricht an Schulen. Auch Freibäder arbeiten mit dem Test und lassen Kinder nur noch mit dem WSC-Ausweis alleine in die Badi. Das soll Unfälle verhindern und Badmeister nicht zusätzlich Kinder beaufsichtigen lassen. Im Kanton Solothurn wird der WSC erstmals mit dem Lehrplan 21 zum Thema. Dort ist er unter «Bewegung und Sport» aufgelistet. Hiesige Badis setzen aber noch kaum darauf.

Test ja – aber mit Skepsis

Die Badi Grenchen bietet den Test für Kinder seit dieser Saison an. «Ich würde gerne in zwei oder drei Jahren die Badeordnung anpassen», erklärt Chefbadmeister Paul Markus Joss. «Und zwar so, dass Kinder nur alleine in die Badi dürfen, wenn sie den Test gemacht haben.» Der Lehrplan 21 sei kein Grund für die Einführung gewesen. Eher das Gegenteil ist der Fall: «Ich dachte mir, wenn Schulen den Test nicht durchführen, hat man zumindest bei uns die Möglichkeit den WSC zu machen», sagt der Grenchner Badmeister.

In Zuchwil gehört der WSC zu den Schwimmkursen für Kinder. «Im letzten Schwimmabzeichen ist dieser Test enthalten», sagt Urs Jäggi, der Direktor des Sportzentrums. Man betrachte den Test aber auch mit einer gewissen Skepsis: Ein Kind sollte nicht nur schwimmen können, um alleine in die Badi zu dürfen. Dazu gehöre auch «regelmässiges Trinken» oder «eincremen», so Jäggi.

Ähnlich die Situation in Messen: Chefbadmeister Thomas Siegenthaler würde ein Kind «auch mit WSC nicht alleine in die Badi schicken». In Messen gehört der Test ebenfalls zu den regulären Schwimmkursen für Kinder. «Zu uns kommen viele Schulen aus dem Kanton Bern, um den Test zu machen», erklärt Siegenthaler. Dort ist der WSC bis zur vierten Klasse obligatorisch. Mit dem Lehrplan 21 steht der Test auch im Kanton Solothurn theoretisch auf dem Schulprogramm. Die Mehrheit der Freibäder verzichtet aber darauf.

Keine Kontrollen

Der Wassersicherheitscheck (WSC) steht zwar im Lehrplan 21 – ob ihn die Schulen auch durchführen, kontrolliert aber niemand. «Wir haben geführte, teilautonome Schulen im Kanton Solothurn», heisst es auf Anfrage bei Philipp Heri von der kantonalen Sportfachstelle. «Somit liegt die Erfüllung des Bildungsauftrags auch dort.» Natürlich sei es nicht egal, ob die Schulen die Schwimmkurse durchführen, so der stellvertretende Leiter der Sportfachstelle. Kontrolliert werde dies aber nicht. Vorgesehen ist, dass alle Kinder bis Ende Primarstufe den WSC absolvieren sollten – sofern sie in eine Schule «mit festem Schwimmpensum gehen». Laut Heri bedeutet das: All die Schulen, die in der Nähe ein Bad haben, sollten den Test mit ihren Schülern machen. Für alle anderen Schulen ist das Schulschwimmen eine Empfehlung. Vor dem Lehrplan 21 war der WSC im Kanton gar kein Thema. (NKA)

Keine Zeit für den Test

«Wir haben nicht die Zeit, diesen Test abzunehmen», sagt Chefbademeister Pascal Prétôt aus Solothurn auf Anfrage. Man appelliere an die Vernunft der Eltern, die ihre Kinder in der Badi beaufsichtigen sollten. Der Test sei «Schmarren», sagt gar Thomas Müller, Chefbadmeister in Olten und fragt: «Wie wollen sie das organisieren, wenn sie eine Badi mit 4000 bis 6000 Gästen pro Tag führen?»

Da könne man nicht noch an der Kasse jedes Kind wegen des WSC-Ausweises kontrollieren. «Hinter dem Test steckt ein netter Gedanke. In der Praxis ist er aber nicht umsetzbar», so Müller.

Check ist gar nicht nötig

Der WSC würde zusätzlichen Personalaufwand bedeuten, sagt auch Ursula Nufer, Chefin im Freibad Balsthal. «Bei uns führt die Schule zudem regelmässigen Schwimmunterricht durch, deshalb ist der Test in der Badi auch nicht zwingend nötig.» Für Kinder ab zehn Jahren wäre ein Ausweis zwar schon nicht schlecht, meint derweil Chefbadmeister Roland Wälchli vom Schwimmbad Eichholz Gerlafingen.

Er habe sich aber noch keine grossen Gedanken zur Einführung des Tests gemacht, da der WSC schweizweit kein Muss ist. Er betont auch die Verantwortung der einzelnen Badegäste: «Kleine Kinder müssen sowieso immer von Eltern begleitet werden.»

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