Gemäss einer Schätzung des Bundesamtes für Statistik wird das Kollektiv der über 80-Jährigen von 380 000 im Jahre 2010 auf über eine Million im Jahre 2060 ansteigen. Palliative Care umfasst die Betreuung und Behandlung von Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung. Palliativ Care ist nicht, wie oft angenommen wird, Sterbehilfe oder Sterbebegleitung, sondern will die Lebensqualität von Menschen in ihren letzten Lebensphase verbessern. Diese Phase kann nur Tage dauern, wenige Woche oder sogar mehrere Jahre.

Eine solche Betreuung erfordert ein Netzwerk von Ärzten und Pflegefachpersonen in- und ausserhalb des Spitals sowie dem gesamten Umfeld des Patienten. Dazu braucht es eine hohe Koordination und einen regelmässigen Austausch aller Institutionen. Dieser Koordinationsaufwand lohne sich für den Patienten, meinte Philipp Bläsi, Hausarzt in Olten, am gutbesuchten Podium in der Fachhochschule Olten: «Ich erlebe immer wieder, wenn etwa Alters- und Pflegeheime bereits Palliativ-Konzepte eingeführt haben, dies für Patienten einen grossen Mehrwert bedeutet. Er wird dadurch nicht mehr automatisch durch alle medizinischen Mühlen geschleust, wenn sein Ende absehbar ist.»

Palliative Pflege via App

Der Podiumsanlass richtete sich an Fachleute aus dem Gesundheitswesen, der Pflege oder auch Gemeindevertreter. Die Grundbotschaft war: Eine gute palliative Versorgung klappt nur, wenn der Informationsfluss zwischen Hausärzten, Spital, Pflegeheim oder Spitex sichergestellt werden kann.

Dazu präsentierte das palliative-so-Netzwerk eine eigens entwickelte Mobile-App. Dank dieser App kann etwa der Betreuungs- oder Medikamentenplan laufend aktualisiert werden. Das App funktioniert als datengeschützte elektronische Krankengeschichte mit einem integrierten Kommunikationstool. Das sei gerade für die Spitex-Organisationen, die einen grossen Teil der Betreuung zu Hause übernehmen, sehr wichtig, meinte etwa Mili Marti, Geschäftsführerin der Spitex Aare-Nord.

Christoph Cina, Hausarzt in Messen und Initiator des Netzwerks palliative so betonte in seinem Referat, dass die palliative Betreuung zwar sehr wohl eine anspruchsvolle Medizin sei aber für den Patienten am Lebensende nichts anderes als eine menschenwürdige Behandlung bedeute. Oder wie es Heidi Aeschlimann, ehemalige Pflegeleiterin des Alters- und Pflegeheim Haus im Park in Schönenwerd, formulierte: «Die Angehörigen sprachen am Ende nicht von Palliative Care, sondern meinten nur, das sei jetzt einfach eine sehr gute Betreuung und Pflege gewesen.» (mgt)