Die Gerichtsberichterstattung stösst bei unserer Leserschaft regelmässig auf grosses Interesse. Dementsprechend halten wir Augen und Ohren stets offen und pflegen dieses redaktionelle Gefäss. Derzeit stapeln sich die Unterlagen eines kriminologisch höchst aussergewöhnlichen Falles auf dem Redaktionstisch.

Anfang Januar 2016 lag eine gut 65-jährige Frau tot im Bett eines Genfer Schlafzimmers. Auf den ersten Blick sah es nach einem völlig natürlichen Todesfall aus. In der Folge stiessen die Gerichtsmediziner jedoch in den Bronchien der Verstorbenen auf eine Feder aus einem Kopfkissen. Zudem wurden Merkmale festgestellt, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten. Das hatte unangenehme Folgen für den etwa gleichaltrigen Ehemann: So verbrachte er satte zwei Monate in Untersuchungshaft und kam lediglich nach Leistung einer Kaution von sage und schreibe vier Millionen Franken auf freien Fuss. Den Pass musste der Mann ebenfalls abgeben. Gemäss Genfer Staatsanwaltschaft ist das Verfahren nach wie vor hängig.

Diese Geschichte wäre wohl nie publik geworden, hätte der in Verdacht stehende Ehemann – nennen wir ihn Fridolin – die Gerichte nicht mit einem Nebenschauplatz des Falles bemüht. Fridolin wollte nämlich im vergangenen Sommer an die Hochzeit eines seiner Kinder ins Ausland reisen und bat um entsprechendes Verständnis. Trotz geleisteter Kaution gingen die zuständigen Behörden jedoch von erhöhter Fluchtgefahr aus und klemmten das Begehren ab.

Dagegen opponierte Fridolin bis vor Bundesgericht. In dessen letztinstanzlichem, öffentlich zugänglichen Entscheid sind denn nun sämtliche Details dieses brisanten Falles nachzulesen. Dies hat inzwischen auch die «Tribune de Genève» getan und im Herbst 2017 in einem Bericht zusammengefasst.

Da Deutschschweizer jedoch nur unregelmässig welsche Zeitungen konsultieren, hatte am Jurasüdfuss bisher niemand Kenntnis vom Geschehen in der Rhonestadt. Weshalb sollte auch. So interessant sich der Fall auch präsentiert, verzwickte Strafverfahren gibt es auch bei uns zur Genüge. Dass man nun doch noch im Kanton Solothurn hellhörig geworden ist, geht auf ein viel beachtetes Zürcher Finanzportal zurück, das Fridolin in einem süffigen Text zielgerichtet einkreist: Die Rede ist tatsächlich von einem Solothurner Wirtschaftsanwalt. (te)