Konjunktur
Solothurn wird auch in fünf Jahren noch ein Industriekanton sein

Am Anlass «Wirtschaftsausblick für den Kanton Solothurn» im Landhaus diskutierten Wirtschaftsvertreter über den Standort Solothurn. Dabei waren sich alle Podiumsteilnehmer einig: Auch in fünf Jahren wird Solothurn noch ein Industriekanton sein.

Franz Schaible
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Diskutierten engagiert über Standort Solothurn (v.l.): Arne Faisst, CEO Mathys AG Bettlach, RegierungsrätinEsther Gassler, Moderator Werner De Schepper, Hans Kuhn, Präsident Handelskammer und Chef Migros-Verteilbetrieb Neuendorf, sowie Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn. Hanspeter Bärtschi

Diskutierten engagiert über Standort Solothurn (v.l.): Arne Faisst, CEO Mathys AG Bettlach, RegierungsrätinEsther Gassler, Moderator Werner De Schepper, Hans Kuhn, Präsident Handelskammer und Chef Migros-Verteilbetrieb Neuendorf, sowie Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Was geht die Solothurner Wirtschaft die Entwicklung auf den globalen Finanz- und Wirtschaftsmärkten an? Sehr viel, meint Daniel Kalt. Am zum zweiten Mal von UBS und Solothurner Handelskammer durchgeführten Anlass «Wirtschaftsausblick für den Kanton Solothurn» zeigte der Chefökonom Schweiz der UBS die Zusammenhänge auf. Insbesondere führte er dem Publikum im vollbesetzten Landhaus in Solothurn die «unheimliche Wirtschaftsentwicklung» in den Schwellenländern vor Augen. So sei das globale Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren zu 80 Prozent von diesen Staaten wie China und Indien getragen gewesen. Dass dies keine Luftblasen sind, illustrierte Kalt anhand der Staatsfinanzen. Während die klassischen Industrieländer hoch verschuldet seien, verfügten viele Schwellenländer über gesunde Staatsfinanzen.

Mit dem Wirtschaftswachstum holten die Schwellenländer auch beim Pro-Kopf-Einkommen rasant auf. Dazu präsentierte der Chefökonom Grafiken, welche die mögliche Entwicklung abbildeten. «Während die Mittelklasse in den Industriestaaten stagniert, explodiert diese in den Schwellenländern», sagte er. Jedes Jahr würden dort 100 Millionen Menschen in die Mittelklasse (definiert mit einem Jahreseinkommen zwischen 30 000 und 120 000 Dollar) aufsteigen.

Nicht wenige Menschen sehen in dieser rasanten Entwicklung eine Bedrohung für die traditionellen Industrieländer.

Kalt sieht das anders. «Dahinter steckt vielmehr eine grosse Chance für Unternehmen.» Mit der steigenden Kaufkraft und höheren Konsumkraft öffneten sich nämlich erfolgversprechende Wachstumsmärkte. Chancen sieht Daniel Kalt auch für Solothurner Unternehmen, ihre Produkte in diese Boom-Märkte zu bringen, und leitete so über zur Solothurner Konjunktur. Dazu präsentierte Kalt den zum zweiten Mal von der UBS erarbeiteten kantonalen Wettbewerbsindikator. Darin wird dem Kanton noch knapp eine solide Wettbewerbsfähigkeit attestiert. Defizite orten die Studienverfasser etwa im Bereich «Innovation», «Kostenumfeld» und «Arbeitsmarkt» (wir berichteten).

An der Podiumsdiskussion wurden die Befunde teilweise relativiert, insbesondere der drittletzte Platz Solothurns im Bereich Innovation. «Wenn wir wirklich so schlecht wären, dann wären wir nicht mehr im Markt», sagte etwa Arne Faisst, CEO der Medtechfirma Mathys AG in Bettlach, die im globalen Wettbewerb steht. Für ihn ist die wirtschaftliche Erneuerungskraft gerade eine Stärke des Kantons; nicht zuletzt wegen der sehr guten Fachkräfte.» Deshalb lobte Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler das im Solothurnischen stark verankerte duale Bildungssystem. «Dazu müssen wir Sorge tragen. Die Facharbeitskräfte sind Teil von Forschung und Entwicklung.»

Faisst sieht aber auch ein Strukturproblem. Angesichts des starken Frankens sei es für ein exportorientiertes Unternehmen schwierig, die Wertschöpfung unverändert in der Region zu halten. Wenn Exportfirmen aus Kostengründen vermehrt bei ausländischen Zulieferern einkauften, dann könnte der Kanton Solothurn mit den vielen kleinen Firmen in der Zulieferkette Probleme erhalten. Das im Vergleich zu den Schwellenländern hohe Lohnniveau in der Schweiz erachtete Hans Kuhn, Chef der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG, nicht zwingend als Wettbewerbsnachteil. «Wir zahlen hierzulande hohe Löhne, aber die Arbeitsproduktivität ist auch sehr hoch.» Das sei im Konkurrenzkampf mit anderen Ländern ein grosser Vorteil.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmenden darin, dass Solothurn auch in fünf Jahren noch ein Industriekanton sein wird. Zwar beobachtet Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor UBS Aargau/Solothurn, bei den Firmen eine zurückhaltende Investitionstätigkeit. Offenbar glaubten noch nicht alle Unternehmer an einen Aufschwung in Europa. «Aber der Leidensdruck macht erfinderisch. Wenn die Lichter nachts in den Firmen brennen, dann wird getüftelt. Und das macht mich zuversichtlich.»