Busangebot
Solothurn Tourismus fährt den Verkehrsplanern an den Karren

Das Busangebot im Grossraum Solothurn wird überprüft und soll optimiert werden. Von Verbesserung keine Spur sieht dabei aber Region Solothurn Tourismus. Die Bedürfnisse des Freizeitverkehrs seien nicht berücksichtigt.

Urs Moser
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Keine Postauto-Direktverbindung von Solothurn auf den Balmberg mehr? Für Region Solothurn Tourismus eine inakzeptable Verschlechterung des ÖV-Angebots für Ausflügler.

Keine Postauto-Direktverbindung von Solothurn auf den Balmberg mehr? Für Region Solothurn Tourismus eine inakzeptable Verschlechterung des ÖV-Angebots für Ausflügler.

hanspeter baertschi

Vor zwei Jahren wurde die Übung für die Region Olten-Gösgen-Gäu durchgezogen, jetzt ist die Region Solothurn an der Reihe: Überprüfung des Busangebots. Bei der letzten Gesamtoptimierung vor rund zehn Jahren wurden hier vor allem Verbesserungen im nordwestlichen Sektor (Leberberg) vorgenommen und das Angebot im Gesamtnetz harmonisiert. Nun sieht man Handlungsbedarf vor allem im südöstlichen Sektor (Wasseramt), im Korridor Unterleberberg–Wasseramt–Gerlafingen sowie in der Kernagglomeration Solothurn-Zuchwil.

Im Gegensatz zum Gesamtkanton und zur Region Olten habe der Modal-Split des ÖV zwischen 2010 und 2015 in der Agglomeration Solothurn nicht zugenommen, heisst es im Überprüfungsbericht, zu dem die Vernehmlassungsfrist in diesen Tagen abgelaufen ist. Will heissen: Das Ziel des Agglomerationsprogramms Solothurn, das Verkehrwachstum auf den Strassen zu einem möglichst grossen Teil auf den ÖV und den Langsamverkehr zu verlagern, kann mit dem aktuellen Busangebot nicht im gewünschten Mass erreicht werden.

Deshalb sind verschiedene Verbesserungen vorgesehen. Zum Beispiel neue Linien, die Teile des Wasseramts an die Entwicklungsschwerpunkte Attisholz Süd und Attisholz Nord, an die BLS-Zugsverbindung Gerlafingen–Bern und die SBB-Regionalzüge Deitingen–Olten anbinden.

Gratis ist das zwar nicht zu haben, die Gemeinden dürften bis 2025 rund 0,7 Millionen mehr zur Abgeltung nicht gedeckter Betriebskosten aufwenden müssen, der Kanton etwa 1,3 Millionen. Aber so weit, so gut. Doch jetzt tritt Region Solothurn Tourismus auf den Plan. Statt sich über Verbesserungen zu freuen, wird sogar von einer Angebotsverschlechterung im Freizeitverkehr gewarnt.

«Nichts davon eingeflossen»

Eine Ausdünnung des Busangebots trotz Verkehrsproblemen an wichtigen «Attraktionspunkten» sei «unverständlich und nicht akzeptabel», heisst es in der Eingabe von Solothurn Tourismus an das Amt für Verkehr und Tiefbau beziehungsweise die Berner Beratungsfirma 3B AG, an die der Auftrag für den Überprüfungsbericht vergeben wurde. Es würden Stillstand und Verschlechterungen beim Busangebot zu beliebten Naherholungsgebieten wie Weissenstein, Balmberg, Schwimmbad Solothurn und Burgäschisee drohen.

Die Reaktion fällt scharf aus, nachdem Solothurn Tourismus nicht für die Begleitgruppe zur Überprüfung des Busangebots berücksichtigt wurde. Ein Versäumnis, meint Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus. Man habe doch einiges erreicht in der Tourismusförderung, da wäre es «wünschenswert und sinnvoll gewesen», wenn man in das Projekt einbezogen worden wäre, so Hofer. Man habe bereits im September 2017 und dann nochmals im Frühjahr 2018 auf die Bedürfnisse des Freizeitverkehrs aufmerksam gemacht und nun aber feststellen müssen, dass nichts davon in den Bericht eingeflossen sei. Hofer spricht von einer verpassten Chance.

Chaos an Sommer-Sonntagen

Konkret werden drei wesentliche Punkte kritisiert:

  1. Auf der Linie 1 Solothurn–Oberdorf bestehe im Widerspruch zum Überprüfungsbericht sehr wohl Handlungsbedarf. Und zwar in der Form einer Verlängerung bis zum Bahnhof Oberdorf für die Leute, die mit der Seilbahn auf den Weissenstein wollen. Die heutige Situation mit einem 20-minütigen Fussmarsch zur Talstation der schmalen Bergstrasse entlang und ohne Trottoir sei «gefährlich und für Menschen mit Einschränkungen unzumutbar», schreibt Region Solothurn Tourismus.
  2. Beim Schwimmbad und im Bereich des Campingplatzes in Solothurn habe diesen Sommer an jedem schönen Sonntag «ein totales Verkehrschaos» geherrscht. Region Solothurn Tourismus fordert regelmässige Buskurse auch sonntags. Eine stündliche Verbindung brauche es bereits im Sommer 2019, sagt Jürgen Hofer. Darauf könne man nicht bis zur Inbetriebnahme einer neuen Stadtlinie warten, für die heute noch gar nicht absehbar sei, ob und wann sie realisiert wird.
  3. Schliesslich geht es um die Postautoverbindung auf den Balmberg. Neu soll es nur noch eine Linie mit Umsteigen in Riedholz geben. Der dort vorgesehene Verknüpfungspunkt zwischen Bus und «Bipperlisi» mit verdichtetem Takt wird im Überprüfungsbericht als Verbesserung des Angebots verkauft. Für Solothurn Tourismus wird damit die «Attraktivität massiv vermindert». Gegenüber dem heutigen Stundentakt mit einem Unterbruch am Nachmittag sei eine «faktische Betriebseinstellung während der Woche» der Postautoverbindung bis auf den Balmberg und eine Ausdünnung des Fahrplans am Samstag vorgesehen, was man als schlicht «inakzeptabel» taxiert.

Gesamtschau nötig

Aus der Sicht des Touristikers geht es hier um eine wichtige Linie, die ein Skigebiet, einen Seilpark und eine vielbegangene nationale Wanderroute erschliesst. Auf dem benachbarten Weissenstein sei mit der Seilbahn und dem Sonntagsfahrverbot endlich eine Verkehrsberuhigung gelungen. Da könne es doch nicht sein, dass der Balmberg nur noch mit dem privaten Verkehrsmittel erreichbar ist, wundert man sich bei Region Solothurn Tourismus.

Generell sei für den Solothurner Jura zwischen Grenchenberg, Weissenstein und Balmberg eine ÖV-Gesamtschau notwendig, um für diese Attraktionspunkte einen spürbaren Umsteigeeffekt vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr zu erzielen. Zumindest erwartet man aber, dass nun der Freizeitverkehr in die aktuelle Überprüfung des regionalen Busangebots integriert und «echte Angebotsverbesserungen an die Hand genommen werden».