Von Traumstrassen der Welt war gestern Abend die Rede im Alten Spital. Vorgestellt wurde die Grand Tour of Switzerland, eine über 1600 Kilometer lange Erlebnisstrasse rund um die Schweiz mit unzähligen Erlebnispunkten.

Die meisten der zirka 150 Besucherinen und Besucher erhofften sich am Tourismusforum aber auch noch eine Antwort auf die lokal im Trend liegende Traumdestination Weissenstein. Mit welchem touristischen Konzept man die Wirtschaftlichkeit der Gondelbahn sichern könnte, wäre beispielsweise eine Frage, die brennt. Antworten dazu gab es unterschiedliche, auch aus dem Publikum.

René Hohl, Präsident vom Organisator des Tourismusforums Region Solothurn Tourismus, wies darauf hin, dass die Gondelbahn auf den Weissenstein am letzten Tourismusforum die Diskussion bestimmte. «Ich denke, das war der richtige Zeitpunkt.»

Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, wiederum bemerkte, es sei schon viel über den Weissenstein gesprochen worden. «Ich habe gesagt, was es zu sagen gibt. Ich melde mich wieder, wenn es etwas Neues gibt.» Dann fügte er hinzu, dass die Rückeroberung des Berges erst begonnen habe. «Und schon weiss jeder besser, was zu tun ist. Aber wir müssen in erster Linie Geduld für die Leistungsträger aufbringen.» Eine Bündelung der touristischen Interessen auf dem Berg sei für den langfristigen Erfolg zwingend, ebenso die Solothurn-Moutier-Bahn.

Erfrischend war die Stellungnahme zum Berg von Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri. «Was nun? Viel wird angepriesen, noch mehr wird abgelehnt. Ich bin nicht klüger als zuvor.» Seine Meinung sei möglicherweise einfach gestrickt. Der Weissenstein-Gast wolle auf den Berg wegen der Aussicht, um etwas frische Luft zu schnappen, und eine gute Verpflegung sei auch wichtig. «Viel mehr wollen die meisten Leute dort oben nicht.» Man soll sich deshalb nicht allzu komplizierte Überlegungen machen, was das anwesende Publikum zu einer spontanen Stellungnahme animierte. Es gab einen kurzen und heftigen Applaus.

Solothurn nicht im Mittelpunkt

Dass das vorgestellte Tourismusprojekt, die Grand Tour of Switzerland, den Kanton Solothurn nur streift (Kleinlützel, Metzerlen) wurde von den lokalen Rednerinnen und Rednern wohl bedauert, aber mit einem Schuss Humor verziehen. Die grossen touristischen Anziehungspunkte finden sich in der Schweiz anderswo, wie Gaudenz Thoma, Präsident des Vereins Grand Tour of Switzerland, die Linienführung begründete.

Mit dem Auto oder dem Motorrad zu reisen, ja gar das Auto- und Motorradfahren selber zum Ereignis zu gestalten, liege im Trend. Touring nennt sich das und die Schweiz sei prädestiniert dafür, wegen der grossen Erlebnisdichte und weil 64 Prozent der Touristen den motorisierten individuellen Verkehr nutzen. «11 Prozent der Sommergäste sind Touring-Gäste.» Es sei die Reiseform mit dem zweitgrössten Wachstum. Es liege auf der Hand, analog der Route 66 in den USA, der Garden Route in Südafrika oder dem Pacific Coast Highway in Kalifornien auch in der Schweiz ein solches Tourismusprojekt zu lancieren. «Der touristische Verkehr besteht bereits. Es gilt diesen zu bündeln.»

Das ist Thoma mit der Grand Tour gelungen. Immerhin spannen 13 Tourismusorganisationen zusammen. Mit starken Partner (Audi, Harley Davidson, UBS und Schweiz Tourismus) soll das Produkt ab April 2015 lanciert werden.

Die Grand Tour führt in alle Sprachregionen, vorbei an 22 Seen und 44 Highlights sowie 150 weiteren touristischen Zielen in der Schweiz. «Zu sehen ist die Vielfalt der Schweiz. Die Tour dient als Inspiration für weitere Entdeckungen.»

Regionale Routen als Ergänzung

Darauf hofft Mike Weyeneth (Direktor der Tourismusorganisation Jura und Drei-Seen-Land). «Wir haben nicht lange gebraucht, um Feuer für dieses Projekt zu fangen. Mit Solothurn haben wir rasch entschieden, mitzumachen, denn bei uns reisen rund 80 Prozent der Kunden mit dem eigenen Auto an.» Gemeinsam wurden vier regionale Routen geschaffen.

Die Zeitroute, die die Uhrenindustrie thematisiert, die Jura-Route, die Drei-Seen-Route und die Naturroute. Die beiden letzten regionalen Routen führen auch durch Solothurn. Alle Routen sind an die Grand Tour angebunden. Bereits wurde eine Karte, auf der die regionalen Routen sowie ein Teil der Grand Tour eingezeichnet sind, in einer Auflage von 200 000 Exemplaren gedruckt.