Sonja Wollkopf
«Solothurn ist mit der Greater Zurich Area international stark vertreten»

Der Kanton Solothurn ist seit zehn Jahren bei der Marketingorganisation Greater Zurich Area dabei. Über 1 Million Franken hat er dafür bezahlt. Sonja Wollkopf, Geschäftsführerin der Greater Zurich Area, erklärt, was der Kanton Solothurn davon hat.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Sonja Wollkopf, Geschäftsführerin Great Zurich Area

Sonja Wollkopf, Geschäftsführerin Great Zurich Area

Zur Verfügung gestellt

Der Kanton Solothurn ist seit zehn Jahren bei der Marketingorganisation Greater Zurich Area (GZA) dabei und hat in dieser Zeit deutlich über eine Million Franken Beiträge an die Organisation gezahlt. Was hat er dafür zurück erhalten?

Sonja Wollkopf: Der Nutzen und der Ertrag, den unsere Mitglieder haben, ist offensichtlich: Wie wollte ein Kanton oder eine Stadt in den riesigen Märkten wie den USA und China – unseren Schwerpunktmärkten – alleine auftreten? Wie käme ein einzelner Kanton oder eine Stadt zu einem so riesigen Beziehungsnetzwerk in Wirtschaft und Behörden, wie wir es betreuen? Wie sollten sie systematische Marktbearbeitung alleine finanzieren und organisieren – und dabei wahrgenommen und gehört werden? Solothurn ist mit der GZA international stark vertreten. Unsere Netzwerke vor Ort sind auch die Vernetzung Solothurns in China, in den USA und im europäischen Markt. Der Kanton Solothurn erhält also einen reellen Gegenwert. Er trägt die gemeinsamen Bemühungen aktiv mit. Das ist für uns zentral. Es ist das Bekenntnis zu einem grossen Wirtschaftsraum, der durch den vielfältigen Kanton Solothurn eine wichtige Prägung erhält. Je stärker die regionale Unterstützung innerhalb des Grossraums ist, desto kräftiger und nachhaltiger können wir international auftreten.

Die Region Zürich ist ein globaler Standort für Finanzdienstleister, der Kanton Solothurn hat ein vergleichsweise industrielles Portfolio. Wie passt das zusammen?

Hervorragend! Es ist ja gerade Ziel der gemeinsamen Arbeit in der Greater Zurich Area, für Firmen den idealen Standort zu eruieren. Daher zielen wir einerseits auf die Ansiedlung von Headquarters und andererseits auf die Ansiedlung von Unternehmen der Präzisionstechnologie – ein Kernbereich des Kantons Solothurn. Für eine internationale Firma ist es möglicherweise nicht ausschlaggebend, ob sie ihre Geschäftsaktivität nun in Olten, Solothurn oder in Glattbrugg, Zürich startet. Umgekehrt ist es aber für die Entwicklung des gesamten Wirtschaftsraums von grösster Bedeutung, dass die Firmen am optimalen Standort ihre neue Geschäftsheimat finden. Und hier ergänzen sich Solothurn und Zürich ideal.

Zur Person

Sonja Wollkopf Walt (46) ist seit 1. Januar 2010 Geschäftsführerin der Greater Zurich Area AG. Die Juristin startete ihre berufliche Karriere bei PricewaterhouseCoopers, absolvierte Zusatzausbildungen in Marketing und Coaching. Sonja Wollkopf Walt begann im August 1999 als Projektleiterin und war seit Oktober 2002 bereits Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für das gesamte operative Geschäft. (at.)

Von den fünf dank der GZA-Vermittlung in diesem Jahr im Kanton Solothurn angesiedelten Firmen haben sich zwei in Dornach wegen der Nachbarschaft zu Basel niedergelassen. Ist das überhaupt im Sinne der GZA?

Warum sollte das nicht in unserem Sinne sein? Wir denken nicht kleinräumig. Das wäre auch falsch, angesichts der international immer schärfer werdenden Konkurrenz im Standortwettbewerb. Wir denken vernetzt, in Metropolitanregionen, im Interesse sowohl des gesamten Grossraums wie im Interesse unseres Landes.

Die Schweiz ist wegen ihrer Steuerpraxis international in Verruf geraten. Wie stark werben Sie mit dem steuerlichen Umfeld im Ausland?

Es sind nicht primär steuerliche Vorteile, welche Firmen überzeugen. Die Unternehmen suchen im Wesentlichen die Verlässlichkeit unseres Landes, Stabilität, Rechtssicherheit sowie gut ausgebildetes Personal. Dazu kommt das liberale Arbeitsrecht und rasche Erreichbarkeit. Vor allem aber auch eine intakte, schöne Umgebung und qualitativ hochstehende Dienstleistungen für den Berufs- und Privatalltag. Dies in einem Land und einer Region, welche international hervorragend vernetzt sind. All das betonen wir.

Auch im Inland ist das Standortmarketing nicht unumstritten. Eine Diskussionveranstaltung in Zürich am 19. November spricht von «Standortdoping».

Es ist eine Chance, an dieser Podiumsdiskussion Zielsetzungen, Praxis und Erfolge guten Standortmarketings mit einem breiten Publikum diskutieren zu dürfen. Der von Avenir Suisse kreierte Ausdruck «Standortdoping» wird eine gute Diskussion befeuern – und eine der möglichen Frage könnte sein, wie nachhaltig einst geschaffene Jobs sind.»

Macht es Sinn, dass sich die Schweizer Metropolitanräume separat im Ausland präsentieren? Würde ein Einbezug von Basel und Genf nicht zusätzliche Synergien ergeben?

Wichtigste Standortvorteile sind oft nicht national, sondern lokal und regional. Wo ist das grösste Wachstumspotenzial? Es ist nicht an der Greater Zurich Area AG allein, dies zu beantworten. Aber nirgends sonst in der Schweiz arbeitet eine Standortförderungsorganisation so eng mit der Privatwirtschaft zusammen, wie die Greater Zurich Area AG es tut. Wir können unseren Standort effizient und effektiv vermarkten, weil wir international und national zwei wichtige Wettbewerbsvorteile haben: Wir sind regional überdurchschnittlich gut vernetzt, weil wir als Verbund von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft – als «Public Private Partnership» aufgestellt sind. Da wir von der Privatwirtschaft aktiv mitgetragen sind, geniessen wir bei den Unternehmenskunden eine sehr hohe Glaubwürdigkeit.

Aktuelle Nachrichten