Solothurn ist der achte Kanton, in dem eine Volksinitiative gegen den harmonisierten Deutschschweizer Lehrplan zustande gekommen ist. Das Komitee «Ja zu einer guten Volksschule – ohne Lehrplan 21» hat gestern 3'200 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht. Rund einen Monat vor Ablauf der eineinhalbjährigen Sammelfrist. «Zu Beginn war es schwierig, den Menschen auf der Strasse zu erklären, worum es überhaupt geht», erläuterte Komitee-Mitglied und EVP-Kantonsrat René Steiner (Olten) den etwas harzigen Start der Unterschriftensammlung. In den letzte Monaten aber habe der Widerstand gegen den Lehrplan 21 zugenommen.

Mittlerweile sind in grösseren Teilen der Nordwest- und Ostschweiz entsprechende Volksinitiativen zustande gekommen: so in den Kantonen Baselland, Aargau, Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und St. Gallen. Noch nicht abgeschlossen ist die Unterschriftensammlung in Bern, Luzern und Graubünden.

Teilerfolg in Baselland

Stellung genommen haben die Stimmbürger bislang einzig im Kanton Baselland sowie in Appenzell. Im Nachbarkanton erzielten die Lehrplan-Gegner einen Teilerfolg, indem sich das Stimmvolk gegen die geplanten Sammelfächer auf der Sekundarstufe I ausgesprochen hat. In Appenzell fand das Anliegen keine Mehrheit.

Im Kanton Solothurn wird der Souverän gemäss Auskunft von Staatsschreiber Andreas Eng aller Voraussicht nach im Mai oder Juni 2017 über die Volksinitiative befinden. Zuvor wird noch der Kantonsrat dazu Stellung nehmen. Gemäss den Plänen des Bildungsdepartments soll der Lehrplan 21 ab August 2018 in den Solothurner Volksschulen umgesetzt werden.
«Dieser Lehrplan wird der Schule schaden», ist EVP-Politiker René Steiner überzeugt, der dabei seine ganze Partei hinter sich weiss. Neben der EVP kämpft die SVP sowie die GLP geschlossen gegen die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Solothurn. Dem Komitee angeschlossen haben sich zudem einzelne prominente Vertreter der CVP sowie Bürgerinnen und Bürger ohne Parteibindung.

Inhalt vor Kompetenz

Kritisch beurteilen die Lehrplan-Gegner insbesondere den neu auf den Erwerb von «Kompetenzen» ausgerichteten Unterricht. Dadurch komme die Vermittlung von grundlegenden Inhalten zu kurz, meint Lehrerin und GLP-Kantonsrätin Nicole Hirt (Grenchen). Die von mehreren Kantonen (darunter auch Solothurn) soeben beschlossene Überarbeitung des Französisch-Lehrmittels «Milles Feuilles» mache deutlich, dass gerade jüngere Schüler auf die strukturierte Vermittlung von Wissen angewiesen sind. «Zuerst braucht es Inhalte und Wissen und dann können Kompetenzen erarbeitet werden.» Der kompetenzorientierte Unterricht setze indes stark auf das selbst entdeckende Lernen, was gerade für Schwächere eine Überforderung bedeute. Hirt: «Die Schüler werden alleine gelassen.»

Weiter kritisiert die GLP-Politikerin das Fehlen verbindlicher Jahresziele im Lehrplan 21. Auch das werde dazu beitragen, dass die Niveau-Unterschiede innerhalb der Klassen immer noch grösser werden. Ähnlich wie im Kanton Baselland bekämpft das hiesige Komitee zudem Sammelfächer auf der Sekundarstufe I. Und schliesslich soll im Gesetz verankert werden, dass es auch künftig einen speziell auf den Kindergarten ausgerichteten Rahmenlehrplan gibt.