Arbeitsmarkt

Solothurn intensiviert Bemühungen für Arbeitslose ü50

Über 50-Jährige werden nicht öfter arbeitslos als Jüngere, aber sie haben erheblich mehr Mühe, einen neuen Job zu finden.

Über 50-Jährige werden nicht öfter arbeitslos als Jüngere, aber sie haben erheblich mehr Mühe, einen neuen Job zu finden.

Im Kanton Solothurn werden verschiedene Projekte lanciert, mit denen die Chancen von älteren Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden sollen. In den Arbeitsvermittlungszentren in Solothurn und Olten werden Berater speziell für über 50-Jährige eingesetzt.

Die Erfahrungsberichte von Betroffenen über ihre Frustration nach hunderten erfolglosen Bewerbungen und die Statistik sprechen nicht immer die gleiche Sprache. Es ist zwar richtig, dass ältere Arbeitslose über 50 mehr Mühe bei der Suche nach einer neuen Stelle haben als Jüngere. Es stimmt aber entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht, dass das Risiko, seine Stelle zu verlieren, ab einem Alter von 50 grösser ist als in jüngeren Jahren.

Richtig ist: Für die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen weist die Statistik die tiefste Arbeitslosenquote, die tiefste Sozialhilfequote und die am stärksten ansteigende Erwerbsquote aus. Wohl deshalb tat man sich im Kanton Solothurn lange eher etwas schwer damit, bei den Bemühungen um die (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt ein ganz besonderes Augenmerk auf die älteren Arbeitslosen zu richten. Man beurteile die Chancen für Arbeitslose über 50 auf dem Arbeitsmarkt als intakt, hiess es von der Regierung etwa noch vor fünf Jahren zu einem Vorstoss im Parlament. Die Beratungsstrategie der regionalen Arbeitsvermittlungszentren sei stufen- und qualifikationsgerecht, aber nicht altersspezifisch ausgerichtet.

Spezielle ü50-Berater in Arbeitsvermittlungszentren

Aber eben: Richtig ist auch, dass es für Personen über 50 deutlich schwieriger wird, wieder eine Stelle zu finden, wenn sie einmal arbeitslos geworden sind. Deshalb hat der Regierungsrat letzten Sommer den vom Kantonsrat ohne Gegenstimme verabschiedeten Auftrag gefasst, «greifende Massnahmen» zur Arbeitsmarktintegration älterer Arbeitsuchender zu erarbeiten. Der Regierungsrat hat darauf die tripartite Kommission der kantonalen Arbeitsmarktpolitik KAP mit der Aufarbeitung der Thematik beauftragt.
Was ist seither geschehen?

Das Fazit zum Stand der Dinge könnte in etwa lauten: Es bleibt noch einiges zu tun, aber es ist nicht beim Lippenbekenntnis geblieben, wie SP-Präsidentin Franziska Roth bei der Behandlung des erwähnten Auftrags im Kantonsrat wegen dessen offener Formulierung noch befürchtet hatte. Letzte Woche wurde dem Regierungsrat der Bericht zum Stand verschiedener Projektideen unterbreitet, welche die KAP vergangenen Oktober an einer Fachtagung mit Vertretern von Wirtschaft, Gewerkschaften und Verwaltung erarbeitet hatte. Die wohl konkreteste und handfesteste: Für die regionalen Arbeitsvermittlungszentren in Solothurn und Olten soll je ein Personalberater eingestellt werden, der sich spezifisch um arbeitsmarktliche Massnahmen für über 50-Jährige kümmert.

Zu Beginn des dritten Bezugsmonats von Taggeldern wird mit allen Arbeitslosen über 50 ein individuelles Beratungsgespräch zur Möglichkeit von Praktika und Einarbeitungszuschüssen geführt. Die Klienten erhalten auch die Chance, im Rahmen einer Einzelberatung, ihre «Auftrittskompetenz und das Selbstmarketing» zu verbessern. Letzte Woche gab das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco in Bern grünes Licht für das Projekt. Im Juni sollten die speziellen ü50-Berater die Arbeit aufnehmen können, sagt Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit.

Eine besondere Rolle dürfte ihnen bei der Vermittlung von Einstiegspraktiken für über 50-Jährige zukommen. Dieses Pilotprojekt wurde im Kanton Solothurn 2018 lanciert: Arbeitslose über 50 können sich auf offene Stellen vorerst für ein dreimonatiges Praktikum bewerben, während dem sie weiterhin Taggelder der Arbeitslosenversicherung erhalten und dem Arbeitgeber keine Kosten entstehen. Wie dem Bericht zur Umsetzung des Auftrags zur besseren Arbeitsmarktintegration älterer Stellensuchender zu entnehmen ist, wurden im ersten Projektjahr 27 Einstiegspraktika bewilligt, von denen rund 70 Prozent zu einer Festanstellung führten.

Sieben dieser Praktika wurden von der gleichen RAV-Personalberaterin initiiert. «Wenn von den 55 Personalberatern jeder nur vier bis fünf Einstiegspraktika initiiert hätte, wären nicht 27 Gesuche, sondern 200 bis 250 eingereicht worden», schreibt die Kommission der kantonalen Arbeitsmarktpolitik in ihrem Bericht. Das vorerst bis Ende 2020 befristete Projekt hat also Potenzial, es wird jetzt bis 2022 verlängert.

Das Projekt Buschauffeur soll Schule machen

Noch offen ist, wie weit ein Umschulungsprojekt Schule machen kann, das schon seit ein paar Jahren im unteren Kantonsteil läuft: Der Kanton übernimmt hier die Kosten für die Umschulung älterer Arbeitsloser zum Buschauffeur, für die die Busbetriebe Olten-Gösgen-Gäu bei bestandener Prüfung eine «Abnahmegarantie» geben. Die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, sagt Jonas Motschi vom Amt für Wirtschaft und Arbeit, so hätten inzwischen bereits 15 Personen eine neue Aufgabe als Buschauffeur gefunden.

Zu einer ähnlichen Vereinbarung ist es nun bereits mit der Post im Bereich der Briefzustellung gekommen, wo die Solothurner Arbeitsvermittlungszentren Stellensuchende über 50 für ein unkompliziertes Praktikum melden können. Offen und laut Abschlussbericht der tripartiten Kommission der kantonalen Arbeitsmarktpolitik sogar «sehr interessiert» an einer Zusammenarbeit ist man auch bei der SBB. Die hat aber bekanntlich gerade noch einige andere Baustellen, konkrete Gespräche, um eine Kooperation aufzugleisen, sollen erst im dritten Quartal 2020 aufgenommen werden.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

Meistgesehen

Artboard 1