Freihandelsabkommen

Solothurn hilft chinesischen Firmen, Märkte für Pralinés und Baby-Nahrung zu finden

Rolf Meyer, Leiter des KMU-Centers, offeriert Suteria-Schokolade in der Einkaufsmeile von Harbin.

Rolf Meyer, Leiter des KMU-Centers, offeriert Suteria-Schokolade in der Einkaufsmeile von Harbin.

Die Oltner Fachhochschule feiert das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China und organisiert mit ihrem Büro in der Metropole Harbin einen «Swiss Day» für KMU. Die Solothurner Suteria und die Bimbosan AG werden sich dort präsentieren.

Heute tritt das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China in Kraft. Grund genug für die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), das «historische Ereignis» entsprechend zu feiern, wie die FHNW mitteilt.

Sie organisiert an der China Harbin International Economic and Trade Fair in der Metropole Harbin im Nordosten Chinas einen «Swiss Day». Die Hochschule für Wirtschaft an der FHNW pflegt seit über 20 Jahren Beziehungen zu China und betreibt in Harbin ein Zentrum für Schweizer KMU (siehe Box).

Elf KMU an der Harbin-Messe

Am «Swiss Day» werden neben der Hochschule insgesamt elf Schweizer KMU teilnehmen, wie Richard Pöllinger, Leiter Kommunikation an der Hochschule für Wirtschaft, erläutert. Gar mit einem eigenen Stand präsent ist die Solothurner Confiserie Suteria Chocolata AG. Wie bereits berichtet, will das Solothurner Geschäft in einem Einkaufszentrum in Harbin einen eigenen Verkaufsshop eröffnen.

Dank der bewährten Zusammenarbeit mit der Fachhochschule wolle er diesen Schritt wagen, erklärte Suteria-Chef Michael Brüderli vor Jahresfrist gegenüber dieser Zeitung. Schon wiederholt hätten chinesische Kaderleute die Produktion in Solothurn besichtigt, und Gespräche hätten gezeigt, dass Schweizer Schokolade auch in China einen guten Ruf geniesse. Brüderli ist aus Anlass des «Swiss Day» mit einer Delegation der Hochschule nach China gereist und wird am Stand an der Messe direkt präsent sein. Nach Angaben von Pöllinger will die Suteria den Shop im kommenden September eröffnen.

Im Gegensatz dazu ist das für die Solothurner Kaffeerösterei Oetterli kein Thema, wie Geschäftsführer Bernhard Mollet erklärt. Die Rösterei sei zwar an der Messe mit Produkten und Verkaufsunterlagen ebenfalls präsent. «Für uns ist das aber ganz klar ein Versuchsballon.» Falls sich nach der Messe ein chinesischer Importeur melden würde, wäre man nicht abgeneigt, zu liefern. «Aber in China selbst ein Standbein aufzubauen, steht nicht zur Diskussion.»

Von Welschenrohr nach China

Bereits einen Schritt weiter ist ein anderer Solothurner Betrieb, der zwar nicht direkt an der Messe mit einem eigenen Stand vertreten ist, aber deren Produkte vom Team der FHNW in Harbin vorgestellt werden. «Vor anderthalb Jahren haben wir erstmals unser Baby-Milchpulver nach China exportiert», erklärt Daniel Bärlocher, Geschäftsführer der auf Baby- und Kindernahrung spezialisierten Bimbosan AG in Welschenrohr.

China sei schon seit längerem – spätestens seit der Übernahme des Familienbetriebes durch die Zuger Beteiligungsgesellschaft Pezula Holding AG vor zwei Jahren – ein Zielmarkt. Inzwischen habe man nun rund eine halbe Million Packungen Babymilchpulver nach China ausgeführt. Damit entfalle bereits ein Drittel des Gesamtumsatzes für Milchpulver auf den chinesischen Markt.

Ein riesiger Markt

Die mit dem Verkaufsschritt nach China verbundenen Risiken seien nicht klein. Aber um zu wachsen, müsse der Kleinbetrieb neue Absatzmärkte erobern. Bärlocher gibt sich optimistisch für das China-Geschäft, basierend auf drei Gründen. Der chinesische Markt sei mit 1,4 Milliarden Menschen riesig, der Wohlstand steige, und damit verbreitere sich auch die Mittelschicht rasant.

Die Chinesen misstrauten nach mehreren Lebensmittelskandalen den eigenen Milchprodukten. Zudem ist das Image für Schweizer Produkte sehr gut, in den Augen vieler Chinesen handle es sich jeweils um das Beste. «Und die Chinesen sind bereit, dafür zu bezahlen», sagt Bärlocher. So koste eine Bimbosan-Dose mit rund 50 Franken fast doppelt so viel wie in der Schweiz. Das sei unter anderem bedingt durch Transportkosten, Importzölle sowie die Distributionskosten innerhalb des Riesenlandes.

Auch Vietnam im Visier

Gleichzeitig hält Bärlocher fest, dass man sich in China mit dem Baby-Milchpulver in einem absoluten Nischenmarkt bewege. Aber angesichts der Bevölkerungsgrösse sei das Potenzial für ein Schweizer Kleinunternehmen gross. Im laufenden Jahr seien bereits wieder Bestellungen eingetroffen. Im Visier hat Bärlocher weitere Absatzmärkte. «Im Herbst haben wir eine erste Lieferung von Milchpulver nach Vietnam abgewickelt.» Trotz der geografischen Expansion bleibe die Schweiz aber der Hauptmarkt, der sich nach der Reorganisation sehr positiv entwickle. «Eine starke Präsenz im Heimmarkt ist Bedingung, um erfolgreich exportieren zu können.»

Zurück zur Zusammenarbeit mit dem Ableger der Hochschule in Harbin. Bärlocher: «Das KMU-Center in Harbin unterstützt uns stark bei der weiteren Bearbeitung des chinesischen Marktes.»

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