Freilichtopern

Solothurn Classics und Oper Schenkenberg spannen zusammen

Arbeiten künftig zusammen: Solothurn Classics und Oper Schenkenberg.

Arbeiten künftig zusammen: Solothurn Classics und Oper Schenkenberg.

Der Oper-Event Solothurn Classics fusioniert auf 2017 mit der Aargauer Oper Schenkenberg. Die Veranstalter wollen an verschiedenen Orten Freilichtopern aufführen und sich damit in einer Nische positionieren.

Vor den Unkenrufen die Fakten: Die Oper Schenkenberg aus dem Aargau und das Solothurn Classics wollen ab 2017 zusammen arbeiten, werden Synergien nutzen und wahrscheinlich unter einem neuen, gemeinsamen Namen in Solothurn mit Giacomo Puccinis Opernhit «Tosca» in eine Zukunft starten – alljährlich und openair. Nach «Tosca» wird 2018 im Raum Windisch/Brugg gespielt, 2019 in Solothurn. Von einer Opernproduktion im Jahr 2021 war an der Pressekonferenz in neutralen Olten am Dienstagmorgen die Rede. In Windisch/Brugg werden 15 000 bis 20 000 Leute erwartet, in Solothurn etwa Hälfte: Gespielt werden neun Aufführungen. Mutig für die diese Tage als «die Lahmen und die Blinden» verspotteten Opernfestivals.

Das Konzept der Oper Schenkenberg, die unter der Leitung des Aargauer Tenors Peter Bernhard steht, wird in Solothurn wie im Aargau angewendet: Es gilt, Orte zu finden oder zu bauen, die dann zur Handlungen der gezeigten Opern passen. So verfuhr man 2010 mit «Carmen» und 2013 mit «Il trovatore». Die Stadt Solothurn bietet durchaus spannende Plätze. «Aber es gibt auch schöne Schlösser in der Umgebung», wie der Solothurn-Classics-Chef Peter Kofmel sagte. «Und auch die Schanz kann wieder mal ins Gespräch kommen.»

Solothurn Classics fusionieren mit Schenkenberg-Oper

Solothurn Classics fusionieren mit Schenkenberg-Oper

Drei Solothurner, vier Aargauer

Auf der Schanz, der St. Ursen-Bastion, wurde ab 1991 20 Jahre lang erfolgreich openair halbszenische Opern gespielt – jedes Jahr verschiedene. In Zukunft wird eine einzige Oper «voll»-szenisch gespielt – 2017 «Tosca».

Von der Handlung her passen würde «Tosca» vor die Kathedrale, doch der Ort ist heikel betreffend Bewilligung und des Hohlraums unter der Treppe. Classic-Openair-Gründer Dino Arici wagte nur 2010 für das Jubiläumskonzert «20 Jahre Classic Openair» dort hin. Und 1981 bei den «500-Jahre Solothurn»-Feiern sah man vor der Kirche ein Theateraufführung.

Der neue Vereinsvorstand wird ab Herbst 2016 aus drei Solothurnern (einer ist Peter Kofmel) und vier Aargauern bestehen. Peter Bernhard ist der designierte Intendant des neuen Festivals: Er soll vom Verwaltungsrat gewählt werden und wäre dann für das Künstlerische verantwortlich.

Bei allem Aufbruchgeist: Noch ist vieles unklar, allerdings bleiben auch noch zwei Jahre bis zur «Tosca». Der Weg aus der Krise – und darin stecken diese zwei Opernfestivals – wird trotz Kooperation schwierig. Die Macher loben gerne die Vergangenheit, verweisen bei ihren finanziellen Debakeln aber auf das mangelnde Interesse der Bevölkerung und die grosse Opern-Konkurrenz rundum.

Gute Gründe für die Fusion

Und doch gibt es gute Gründe, die für diese Zusammenarbeit sprechen. Schenkenberg erhält quasi eine wichtige Tradition geschenkt und kann nun jedes Jahr spielen: Material kann zu besseren Konditionen geliehen, ja gekauft werden. Noch wichtiger: Der (neue) Name ist viel präsenter, kann endlich eine Marke werden.

Solothurn erhält im Gegenzug einen attraktiven Partner. Peter Bernhard hat zweimal bewiesen, dass er künstlerische Visionen umsetzen kann. Dass er dafür mehr Geld brauchte als man einspielte, ist die unschöne Seite: Statt der erhofften 20 000 Zuschauer kamen 2013 nun mal «nur» 14 400 zu «Trovatore». Gläubiger mussten enttäuscht werden. Auch Kofmel fehlen noch 90 000 Franken, um seine Solothurner zu beruhigen. Immerhin: Für den Start in die Produktion 2016 kann man bei der Opern Schenkenbeg bei einer schwarzen Null anfangen.

Die «Rigoletto»-Produktion 2016 soll finanziell auf guten Wegen sein. Auch für die «Tosca» 2017 sollen bereits drei nationale Sponsoren gewonnen worden sein, zwei zusätzliche sind noch notwendig. Ob und wie viel die Subventionsgeber bezahlen, ist noch offen. Das Misstrauen da wie dort ist gross, viel Goodwill wurde verspielt. Ihn zurückzugewinnen, ist eine Aufgabe des neuen Vereins.

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