Es gibt Leute, die haben grundsätzlich kein besonderes Vertrauen in die Volksschule. Oder sie glauben zumindest nicht, dass die öffentliche Schule den Bedürfnissen ihres Kindes nach individueller Förderung ausreichend gerecht werden kann. Das sogenannte Homeschooling kann für solche Leute eine Alternative sein.

Denkbar ist, dass gut betuchte Eltern für ihren Nachwuchs einen Privatlehrer engagieren. In der Regel ist mit Homeschooling aber gemeint, dass Eltern ihre Kinder zu Hause selbst unterrichten. Es gibt Kantone, wo dies recht unkompliziert möglich ist. Im Nachbarkanton Aargau mit einer besonders liberalen Praxis kann im Prinzip jedermann seine Kinder selber unterrichten.

Eine abgeschlossene Berufslehre ist die einzige Voraussetzung. Eine pädagogische Ausbildung braucht es nicht, das Homeschooling ist auch nicht bewilligungspflichtig, sondern muss der kommunalen Schulbehörde lediglich angemeldet werden. In der Regel schaut dann einmal pro Jahr jemand vom Inspektorat vorbei, um sich davon zu überzeugen, dass die Kinder im Homeschooling einen adäquaten Unterricht erhalten.

Ganz anders in Solothurn. Hier braucht es zum Homeschooling eine Bewilligung des Volksschulamts. Mit der Begründung, weshalb man sein Kind aus der öffentlichen Schule nehmen will, ist auch ein Schulungskonzept einzureichen, und es wird eine Stellungnahme der zuständigen Schulleitung vor Ort eingeholt. Vor allem aber: Es haben überhaupt nur Eltern Aussicht auf eine Bewilligung, die selber Lehrerin oder Lehrer sind.

Ein anerkanntes Lehrdiplom für die entsprechende Schulart und Schulstufe ist unabdingbare Voraussetzung dafür, dass im Kanton Solothurn ein Homeschooling möglich ist. Mit den strengen Auflagen soll sichergestellt werden, dass privat beschulte Kinder einen gleichwertigen Unterricht erhalten wie ihrer Altersgenossen in der öffentlichen Volksschule.

«Im öffentlichen Interesse»

Und dass es auch bei dieser strengen Praxis bleibt, dafür hat nun – ein Weiterzug ans Bundesgericht vorbehalten – das Verwaltungsgericht mit einem Urteil gesorgt. Ihr Sohn habe sich nicht mehr weiterentwickelt, er sitze im Kindergarten demotiviert herum, hatte ein Elternpaar sein Gesuch begründet, den Jungen im August nicht in die erste Klasse der Schule im Wohnort schicken zu müssen, sondern ihn selber zu unterrichten. Das Volksschulamt lehnte das Homeschooling-Gesuch mit Verfügung vom 20. Juni eben schon deshalb ab, weil die Eltern kein anerkanntes Lehrdiplom besitzen.

Nun ist die unabdingbare Voraussetzung eines Lehrdiploms zwar tatsächlich nur zur «Ausübung des Lehrberufs» so explizit gesetzlich verankert. Analog auch für das Homeschooling ist sie in Richtlinien des Volksschulamts festgelegt. Aber dass dies verfassungswidrig sein soll, wie die Eltern in ihrer Beschwerde gegen die Verfügung des Volksschulamts geltend machten, davon könne keine Rede sein, befand das Verwaltungsgericht.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts sei es nicht willkürlich, pädagogische und fachliche Voraussetzungen zu fordern. Die Verantwortung für einen ausreichenden, qualitativ hochstehenden Unterricht sowie für die rechtsgleiche Behandlung der Eltern und Kinder liege beim Bildungsdepartement. Man belasse dabei «der Vorinstanz einen weiten Beurteilungsspielraum», schreibt das Gericht. Allerdings nicht ohne eine eigene Beurteilung: Es liege im öffentlichen Interesse, dass schulpflichtige Kinder durch Fachpersonen unterrichtet werden. Dass dafür eine entsprechende Ausbildung verlangt wird, sei eine «im Interesse der Qualität geeignete und erforderliche Massnahme».

Zudem sei im konkreten Fall auch «durch nichts belegt», dass die klagenden Eltern die Aufgaben einer Primarlehrperson bewältigen könnten. Verwaltungsgerichtspräsidentin Karin Scherrer Reber sowie die Oberrichter Beat Stöckli und Frank-Urs Müller befürchten vielmehr, dass das betreffende Kind «sozial isoliert und in seiner Entwicklung beeinträchtigt würde, würde es ausschliesslich zu Hause unterrichtet».

Derzeit werden im Kanton Solothurn 15 Kinder im Homeschooling unterrichtet. Die Zahl sei in den letzten Jahren in etwa konstant gewesen, sagt Andreas Walter, Vorsteher des Volksschulamts. Die Gesuche hätten meistens einen grundsätzlichen weltanschaulichen, manchmal auch religiösen Hintergrund.

Dass eine liberale Bewilligungspraxis einen Trend zum Homeschooling begünstigt, lässt die Erfahrung im Nachbarkanton Aargau zumindest vermuten. Dort werden immerhin um die 100 Kinder zu Hause unterrichtet, und es sind auch Fälle von Familien bekannt, die eigens wegen der lockeren Bestimmungen in den Aargau zogen.

Ein Vorstoss im Kantonsparlament, zumindest von der blossen Melde- auf eine Bewilligungspflicht umzustellen und gewisse pädagogische Mindestanforderungen für das Homeschooling zu definieren, scheiterte im Aargau vor drei Jahren deutlich.