«Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung mit dem InnoPrix der Baloise Bank SoBa», sagt Markus Gisler, CEO der Solarpanel-Herstellerin Swiss PV AG in Deitingen. Der Preis – er ist mit 25'000 Franken dotiert – sei auch eine Motivationsspritze für alle Mitarbeitenden, weiterhin engagiert zu arbeiten. Nicht zuletzt werde die Auszeichnung beitragen, unter Architekten und Bauherren den Bekanntheitsgrad und die Aufmerksamkeit für die Produkte zu erhöhen. Die Module werden unter der Marke «Megasol» durch das gleichnamige Systemhaus vermarktet. Gründer und Mehrheitseigentümer der beiden Firmen sind neben dem 37-jährigen Gisler Finanzchef Terence Hänni (37) und Marketing- und Kommunikationsleiter Daniel Sägesser (31).

Eigentlich bewegt sich das Unternehmen in einem zukunftsträchtigen Markt, die Solarenergie wird unbestritten eine immer wichtigere Rolle in der weltweiten Produktion von Strom spielen. Folgerichtig erlebte die Produktion von Solarmodulen vor einigen Jahren einen Boom, das Photovoltaik-Modul mutierte zum Massengut. Europa wird seither mit Standardmodulen aus Asien überschwemmt. Etliche europäische Grosshersteller mussten angesichts des Preiszerfalls kapitulieren.

Eine zweigleisige Strategie

Deshalb verfolgen die «Deitinger» von Beginn weg eine besondere Strategie. In China betreibt Megasol seit 2004 eine eigene Fabrik, welche standardisierte Solarmodule fertigt. «Mit unserem Werk waren wir einer der ersten Hersteller in China gewesen», erläutert Gisler. Zum Glück habe man die Kapazitäten – auch in den höchsten Boomphasen – nicht uferlos ausgebaut, um dann auf Lagerbeständen sitzen zu bleiben. So gelinge es bis heute, die Standardmodule kostendeckend weltweit zu verkaufen.

«In Deitingen dagegen fertigen wir nur individuell auf die Gebäude angepasste Spezialmodule», erläutert Daniel Sägesser auf dem Betriebsrundgang. Die Module gebe es in über 100 unterschiedlichen Farben, Formen und Leistungsklassen. «Dazu ist eine hohe Markt- und Kundennähe nötig. Die Fertigung in China wäre dazu ungeeignet.»

In den sogenannten Glas-Glas-Modulen werden die Solarzellen einlaminiert – mit hohen Temperaturen «eingebacken». Das sichtbare Frontglas ist stark lichtdurchlässig und beliebig gestaltbar, die Solarzellen bleiben unsichtbar. Diese Module kommen nicht nur auf dem Dach zum Einsatz, sondern immer häufiger als Fassadenelemente. «Die Module mutieren so zum Baustoff für die Gebäudehülle und sie können direkt in Gebäuden verbaut werden. Das ist eine Weltneuheit, die wir in Deitingen industriell fertigen», ergänzt CEO Gisler. Die Fertigung sei hochautomatisiert, um die Kosten auch mit Standort Schweiz im Griff halten zu können. Deshalb sei die Swiss PV AG nicht nur Modulhersteller, sondern auch Maschinenbauer. «Die meisten Produktionsanlagen wurden hausintern entwickelt, konstruiert und gebaut.»

Fassade als Energiekraftwerk

Wegen der zusätzlichen Farbschicht sei die Leistung zwar etwas kleiner. Aber das spiele keine Rolle, weil die Solarfassade in Konkurrenz zu herkömmlichen Gebäudehüllen stehe, die keine Energie produzieren. Auch der höhere Preis rechne sich für den Bauherrn. Dank der langen Lebensdauer – bis zu 50 Jahre – und dem regelmässigen Ertrag in Form von Strom amortisiere sich eine Solarfassade relativ rasch. Deshalb würden sich vermehrt institutionelle Investoren wie Pensionskassen für die Technologie interessieren. Spektakuläres Beispiel ist die neue Klein-Matterhorn-Bahn in Zermatt. Dort wurden Tal- und Bergstation mit Megasol-Solarfassaden ausgerüstet.

Die Strategie mit den beiden Standorten habe sich bewährt. «Die zwei Produktegruppen ergänzen sich bestens», meint Finanzchef Hänni. Die Module aus China und der Schweiz würden weltweit verkauft, der Anteil auf dem Heimmarkt liege bei rund 15 Prozent – Tendenz steigend. Auch habe man bislang immer schwarze Zahlen schreiben können. Zahlen zu Umsatz und Gewinn werden nicht bekannt gegeben.

Alles hat ganz klein angefangen

Dabei hat alles vor 25 Jahren ganz klein begonnen, als Markus Gisler als erst Zwölfjähriger in der Garage seiner Eltern mit Photovoltaik experimentierte und 1993 die Megasol gründete. Erstes Produkt waren Gartenleuchten, die mit Sonnenenergie funktionierten. Heute beschäftigt die Swiss PV AG insgesamt 200 Angestellte. Davon sind rund 80 in Deitingen tätig in den Hallen, in welchen früher die ABB Turbolader baute. Swiss PV ist heute nach eigenen Angaben der grösste Solarmodulhersteller in der Schweiz. Und am «Swiss Made» soll sich nichts ändern. «Wir erhalten zwar immer wieder Übernahmeangebote, aber wir wollen unsere Unabhängigkeit behalten», sagt Daniel Sägesser. Allerdings, wenn es strategisch sinnvoll wäre, müsste man über die Bücher gehen. «Aber derzeit ist das kein Thema.»