Kanton Solothurn
Solarboom: Immer mehr Bauern setzen auf die Sonnenenergie

Dass im Kanton Solothurn ein Solarboom im Gang ist, bestätigt Urs Stuber, Leiter der kantonalen Energiefachstelle. Kaum irgendwo in der Schweiz werden in so kurzer Zeit so viele Solaranlagen gebaut.

Andreas Toggweiler
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Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Aarhofes in Bellach. Die Anlage mit 48 kW Leistung gehört einer Genossenschaft.Isabelle Mäder

Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Aarhofes in Bellach. Die Anlage mit 48 kW Leistung gehört einer Genossenschaft.Isabelle Mäder

Isabelle Mäder

«Der Boom ist auch eine Folge der grosszügigen Förderpolitik durch den Kanton. Wir haben den parlamentarischen Auftrag, die vorerst ausbleibenden KEV-Fördermittel des Bundes auszugleichen», erklärt Urs Stuber. Auch wenn die Subventionen den sinkenden Solarpanelkosten angepasst werden, dürfte der Solarboom noch einige Zeit anhalten. Erst letzte Woche hat der Kantonsrat beschlossen, dass für kleine Solaranlagen in der Regel keine Baubewilligung mehr nötig ist.

Genaue Statistik fehlt noch

Der Boom der Photovoltaik (PV) in Zahlen: In den Genuss kantonaler Förderung kamen im Jahr 2011 158 Anlagen; im laufenden Jahr sind es bereits deren 289. Über 3,8 Mio. Fr. wurden in dieser Zeit als kantonale Fördermittel gesprochen. Da der Kanton nur für die fehlende kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes einspringt, sind damit Anlagen, die KEV erhalten, nicht gezählt. «Wir sind zurzeit am Erarbeiten einer Gesamtstatistik», so Stuber.

Immer noch grösste Solarstromproduzentin ist die Landwirtschaft. «Die Gebäude sind oft für Solaranlagen gut geeignet», bestätigt Robert Flückiger, Chef des Amtes für Landwirtschaft und Leiter des bäuerlichen Bildungszentrums Wallierhof. «Wer heute eine neue Scheune baut, prüft praktisch immer, ob eine Solarstromproduktion möglich ist.»

Dies umso mehr, als die Bauern Investitionshilfen des Bundes bekommen. Für bis zu 50 Prozent der Kosten oder maximal 200 000 Fr. erhalten Landwirte zinslose Kredite. Die Zahlungen sind laut Bauernsekretär Peter Brügger allerdings an eine Aufnahme ins KEV-Programm des Bundes gekoppelt. Sie werden unter dem Titel Diversifizierung ausgerichtet und müssen zurückgezahlt werden. Brügger schätzt, dass drei Viertel der Landwirte für ihre PV-Anlage diese Beihilfen beantragen.

Anlagen immer grösser

Laut Brügger wurden seit 2008 45 Anlagen mit einer Leistung von 3 Mio. kWh unter diesem Titel unterstützt. Das entspricht dem Stromverbrauch von 686 Haushalten (4500 kWh/Jahr). Waren es 2010 noch 6 Anlagen, wuchs die Zahl 2011 auf 20. Im laufendes Jahr sind es bereits 16. Und die Kraftwerke werden immer grösser. In Zullwill im Schwarzbubenland wird demnächst die grösste so geförderte bäuerliche Anlage gebaut mit 175 kW Leistung. Nicht gezählt sind die Bauern, die ihre Dächer z. B. Solargenossenschaften zur Nutzung vermieten.

Auch auf dem Dach des bäuerlichen Bildungszentrums Wallierhof in Riedholz wird jetzt eine Anlage gebaut. Die Genossenschaft OptimaSolar als Bauherrin und das Bildungszentrum Wallierhof haben vereinbart, dass die Anlage so ausgebaut wird, dass sie auch zu Bildungszwecken genutzt werden kann. «Uns schwebt die Errichtung eines kleinen Solar-Labors vor, das von verschiedenen Zielgruppen benutzt werden kann», erklärt Max Bobst, Präsident von OptimaSolar.

Ausbildung statt Miete

Verschiedenen Interessengruppen wie Gewerbe, Landwirtschaft, Handwerkern oder auch Privatpersonen soll ermöglicht werden, sich über die Stromerzeugung mittels Photovoltaik zu informieren und weiterzubilden. Der Wallierhof stellt die Infrastruktur zur Verfügung, die Kursorganisation obliegt den jeweils durchführenden Organisationen. Wallierhof-Direktor Robert Flückiger bestätigt die Pläne. Statt einer üblichen Dachmiete in Form von Genossenschaftsscheinen soll OptimaSolar Ausbildungsleistungen am Wallierhof erbringen.

Ob auch noch das erwähnte Solarlabor dazukommt, ist noch offen. Denn vorerst werden Geldgeber gesucht, die die Einrichtungen sponsern. «Die Ausstattung hängt davon ab, wen wir alles zum Mitmachen bewegen können», sagt Bobst. Als Partner wolle man Industrie und Gewerbe gewinnen, aber auch die Politik. Ziel sei es, das Labor im Frühjahr 2013 in Betrieb zu nehmen.