Amtsgericht
Sohn erpresst Mutter, um an Geld zu kommen

Der Sohn drohte damit, sich umzubringen, wenn seine Mutter ihm kein Geld auftreibt. Diese veruntreute Tausende Franken und flog auf. Jetzt wurde der Sohn wegen Erpressung zu 14 Monaten verurteilt.

Daniel Rohrbach
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Poker-Spielschulden – mit verhängnisvollen Folgen. Themenbild: NIZ/AZ

Poker-Spielschulden – mit verhängnisvollen Folgen. Themenbild: NIZ/AZ

Zwischen Frühjahr 2009 und Frühjahr 2010 hatte er seine Mutter dazu gebracht, insgesamt rund 80000 Franken für ihn aufzutreiben. Er habe unter Spielsucht gelitten und das Geld zur Begleichung von Spielschulden gebraucht, sagte der 32-jährige Roger B.* am Montag vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt. So will er in einem Kellerlokal in der Zürcher Langstrasse im April 2009 beim Pokern 60000 Franken verspielt haben. Von den Gläubigern, angeblich Angehörige der Russenmafia, sei er massiv – auch mit vorgehaltener Waffe – unter Druck gesetzt worden.

Wenn sie ihm kein Geld gebe, bringe er sich um, drohte er darauf seiner Mutter. Deren Erspartes reichte aber nicht: Für 30000 Franken nahm sie beim Arbeitgeber ein Darlehen auf. Doch der Junior bestürmte die Mutter immer weiter. Meistens handelte es sich um Beträge von 5000 Franken, die er angeblich der Russenmafia monatlich zurückbezahlen müsse.Den wiederholten Drohungen, sich umzubringen oder ins Ausland abzusetzen, verlieh B. mit Tobsuchtsanfällen und Sachbeschädigungen Nachdruck; einmal stach sich B. mit einem Messer ins Bein.

Mutter auf schiefe Bahn gebracht

Schliesslich griff die Mutter in die Kasse ihres Arbeitgebers und unterschlug total 42000 Franken. Dies flog auf und trug ihr eine Anklage wegen Veruntreuung ein. Gleichzeitig erhob die Staatsanwaltschaft aber auch gegen Roger B. Anklage: wegen mehrfacher Erpressung der Mutter. Ob er denn gewusst habe, woher das Geld gekommen sei, wurde B. von Gerichtspräsident Ueli Kölliker gefragt. «Ja, aber nicht von Anfang an. Deshalb habe ich auch ein schlechtes Gewissen.» Allerdings habe er seine Mutter nicht erpresst. Er habe ihr ja nie in irgendeiner Form körperlich gedroht.

«Die Mafia war nur erfunden»

Die Mutter, die als Auskunftsperson aufgeboten war, machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Sie sagte nur, sie empfinde es als störend, dass ihr Sohn wegen Erpressung angeklagt sei.

«Eine Mutter tut mehr für ihren Sohn, als sie für ihr eigenes Leben tun würde.» Mit diesem Zitat von Gotthold Ephraim Lessing begann Staatsanwältin Mélanie Wasem ihr Plädoyer. Die Mutter hätte die Veruntreuungen nie gemacht, wenn der Sohn nicht gedroht hätte, sich umzubringen, folgerte die Staatsanwältin. B. sei keinesfalls von der Mafia bedroht worden. Auch spielsüchtig sei er nie gewesen. «Dies hat er alles erfunden, um seine Mutter zu erpressen. Es sei darum gegangen, ohne grossen Aufwand ein regelmässiges Auskommen zu haben. Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt auf drei Jahre.

«Etwas abenteuerliche Geschichte»

Einen Freispruch forderte B.s amtlicher Verteidiger. Sein Mandant habe die Spielschulden nicht erfunden. Er habe ihretwegen um sein Leben bangen müssen. Darum habe er seine Mutter um Hilfe angefleht. Dies sei keineswegs eine Erpressung.

Dies sah Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker anders. Er verurteilte B. wegen mehrfacher Erpressung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten bedingt auf zwei Jahre. Er habe psychischen Druck auf seine Mutter ausgeübt. «Mit etwas Schlimmerem, als mit der Drohung sich das Leben zu nehmen, kann man einer Mutter nicht kommen.» Die Geschichte mit der Russenmafia stufte Kölliker als «etwas abenteuerlich» ein. Zur Strafe hinzu kommt eine Verurteilung wegen Hehlerei: B. hatte 2006 in Solothurn einen – nachweislich gestohlenen – neuen Laptop für 100 Franken gekauft.