Wer den Führerausweis gemacht hat, tritt seit der Neuregelung im Jahr 2005 in eine dreijährige Probezeit ein. Während dieser drei Jahre müssen zwei obligatorische Ausbildungstage, die sogenannte Zweiphasenausbildung, absolviert werden. Zweck und Wirkung der kostspieligen Kurse geben aber nicht nur unter den Neulenkern zu reden: Auch die Mehrheit des Nationalrats hat sich inzwischen für eine Aufhebung der Kurse ausgesprochen. Was sagen Kursanbieter und Fahrlehrer zu einer möglichen Abschaffung?

Wenig Anklang bei TCS

Einer der grössten Anbieter der Zweiphasenausbildung im Kanton Solothurn ist das TCS-Verkehrssicherheitszentrum in Derendingen. Dort findet die Idee wenig Anklang: «Aus unserer Sicht wäre das ein Fehler.

In den Zweiphasenkursen werden auch praktische Ausbildungselemente geübt, die in der Grundausbildung fehlen und für die Verkehrssicherheit wichtig sind», teilt TCS-Mediensprecher Stephan Müller mit.

Dazu gehörten beispielsweise Themen wie Notbremsung, Kurvenfahren oder Abstand. Insbesondere im Hinblick darauf, dass Neulenker mehr schwere Unfälle verursachten als erfahrene Lenker, übernehme die Politik im Falle einer Abschaffung eine grosse Verantwortung. Im Gegenteil: Die Fahrausbildung für Neulenker müsse daher auch weiter verbessert werden, bekräftigt man beim TCS.

Auch Maurizio Calarese, Präsident des Solothurner Fahrlehrerverbandes und Experte beim Schweizerischen Verkehrssicherheitsrat, kann eine mögliche Abschaffung nicht befürworten. «Viele Neulenker sind auch nach bestandener Prüfung noch nicht auf dem Level, den es auf der Strasse braucht. Für solche ist der Kurs eine gute Ergänzung. Auch, da sie ein Feedback über ihr Fahrverhalten bekommen.»

Freiwillige Kurse als Lösung?

Anders dagegen tönt es bei Peter Koch, Präsident des Driving Centers Schweiz, bei dem die Zweiphasenausbildung an verschiedenen Kursorten absolviert werden kann. In Härkingen unterhält das Center einen Trainingsplatz für freiwillige Weiterbildungskurse. Koch gibt offen zu: «Ich wäre nicht unglücklich, wenn die obligatorischen Kurse abgeschafft würden».

«Aber», betont er, «man müsste mit dem Schweizerischen Verkehrssicherheitsrat und den Versicherungen dafür sorgen, dass die Jugendlichen für die freiwilligen Kurse animiert werden.»

Er habe selbst feststellen müssen, dass die Neulenker bei freiwilligen Weiterbildungen mehr Motivation zeigten als im obligatorischen Zweiphasenkurs. Darum würde die Verkehrssicherheit mit den fakultativen Kursen mittel- bis langfristig erhöht, glaubt Koch.

Grundsätzlich würden die obligatorischen Kurse auch nicht den Erwartungen der Neulenker entsprechen. Insbesondere am ersten Kurstag gehe man «auf nichts Effizientes» ein. Positiv bewertet er den zweiten Teil der Ausbildung. Dort wird das sogenannte «Eco-Drive»-Prinzip vermittelt, bei dem die Neulenker das umweltbewusste Fahren lernen sollen. «Das hat sich bewährt. Aber eigentlich gehörte dieses Wissen bereits in die erste Phase, sprich in die Fahrstunden», findet Koch.

Kritik an Theorieprüfung

Der zweite Kurstag kann auch beim «Schori Institut für neuzeitliche Fahrtechnik» in Solothurn absolviert werden, wo Inhaber Willy Schori dem Driving Center seine Infrastruktur anbietet. Auch er findet positive Worte für den zweiten Ausbildungsteil: «Die Neulenker begeben sich auf eine Fahrt, die gefilmt und anschliessend analysiert wird.

Dabei erreicht man klare Resultate und kann deutlich sagen, wo noch Probleme bestehen.» Grundsätzlich ist Schori mit dem Konzept der Zweiphasenausbildung einverstanden. Es hapere jedoch an der Umsetzung: «Man will damit auf eine erste Phase aufbauen, die es eigentlich nicht gibt.» Damit meint Schori die Theorieausbildung vor den praktischen Fahrstunden.

Die theoretische Prüfung verlange kein Wissen und biete keine Nachhaltigkeit: «Man böglet einfach, bis man einen Zufallstreffer landet», bemängelt er.

Beim Driving Center machen die Weiterbildungskurse 35 Prozent des gesamten Kursangebots aus. «Natürlich würde eine Abschaffung eine Umsatzeinbusse bedeuten», räumt Peter Koch ein. «Aber mit den freiwilligen Kursen kann man das wieder einholen, wenn nicht gar verbessern», glaubt er.

Beim Verkehrssicherheitszentrum Derendingen beläuft sich der Anteil der obligatorischen Kurse auf 15 Prozent. Welche finanziellen Auswirkungen die Aufhebung bedeuten würde, darüber macht der TCS noch keine Aussage: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine verbindliche Aussage absolut verfrüht.»