Von den weltweit knapp 60 Millionen Menschen, die derzeit vor kriegerischen Auseinandersetzungen oder den wirtschaftlichen Bedingungen in ihrer Heimat fliehen, ist rund die Hälfte minderjährig. Und etliche davon sind ohne Begleitung durch Erwachsene unterwegs. Auch im Kanton Solothurn hat die Zahl dieser «unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden» (UMA) in den letzten Jahren sukzessive zugenommen.

Gehörten im Jahr 2009 lediglich 11 Kinder und Jugendliche in diese Kategorie, waren es letztes Jahr bereits 40 und jetzt, im November 2015 sind es 96. Diese Zahlen publiziert die Regierung in ihren ausführlichen Antworten auf zwei praktisch identische «Kleine Anfragen», gestellt von SP-Kantonsrätin Franziska Roth (Solothurn) sowie ihrer Ratskollegin aus den Reihen der CVP, Karen Grossman (Schönenwerd).

Beide Vorstösse zielen bei dieser besonders verletzlichen Gruppe von Asylsuchenden auf die Art der Unterkunft und Betreuung, die schulische Grundbildung sowie die Ausbildungs- und Beschäftigungsmassnahmen.

Bereits 30 Anfragen erhalten

Wie aus den Antworten der Regierung hervorgeht, hat der Kanton unter Federführung des Amtes für soziale Sicherheit (ASO) in den letzten Monaten ein Konzept erarbeitet, um unbegleitete Kinder und Jugendliche angemessen unterbringen und begleiten zu können.

Alle jene, die 15 Jahre oder jünger sind, sollen entweder bei Verwandten oder in Pflegefamilien untergebracht werden. Nur in ganz wenigen Fällen komme der Eintritt in ein Kinderheim infrage. Während eine Unterbringung bei Verwandten «vergleichsweise oft» realisiert werden könne, müssen Pflegefamilien durch die zuständigen Behörden aktiv rekrutiert werden.

Im Oktober hat das ASO eine Suchaktion durchgeführt – und daraufhin 30 Anfragen von «potenziellen Pflegefamilien» erhalten. Diese würden nun abgeklärt, schreibt die Regierung. Und: «Es bestehen gute Chancen, in den kommenden Wochen weitere Platzierungen vornehmen zu können.»

Unbegleitete Jugendliche, die 16 Jahre und älter sind, werden demgegenüber in einer ersten Phase gleich wie die Erwachsenen in einem kantonalen Durchgangszentrum untergebracht. Es würden hier aber Massnahmen zu deren Schutz getroffen. Sie erhalten in den Kollektivunterkünften eine «intensive und auf ihre Bedürfnisse angepasste Betreuung», schreibt die Regierung.

Dazu gehören besondere «Animations- und Freizeitangebote». Zudem werden sie «kurz nach ihrer Aufnahme in der Kollektivunterkunft» in einer besonderen Klasse für «unbegleitete minderjährige Asylsuchende» in Solothurn eingeschult.

Die Zeit im Zentrum sei eine Art Vorbereitungsphase, damit die Jugendlichen dann für ein Leben in der Wohngemeinde gerüstet sind und «gute Voraussetzungen bestehen für eine (Berufs-)Ausbildung». Angesichts der Anzahl unbegleiteter junger Asylsuchender bedeute es allerdings eine Herausforderung, das gewünschte «förderliche und stabile Umfeld» in den verfügbaren Strukturen sicherzustellen.

Es braucht Ausbildungsplätze

Eine gewisse Zeit benötige etwa die Rekrutierung von geeignetem Personal in den Durchgangszentren. Vor allem aber fehlt es noch an «guten Strukturen» in den Wohngemeinden. Für Jugendliche eignen sich betreute Wohngemeinschaften oder das Zusammenleben mit Erwachsenen, die bereit sind, eine elternähnliche Rolle zu übernehmen. Weiter müssen aber auch, hält die Regierung fest, Angebote betreffend Freizeit und für die Berufsausbildung in der Region vorhanden sein. Ein besonderes Problem bedeute es, «genügend geeignete Ausbildungsplätze innert nützlicher Zeit zu finden».

Allen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden wird eine Vertrauensperson zugeteilt. Diese kümmert sich auch um die rechtlichen Interessen. Die im Kanton Solothurn wohnenden jungen Asylsuchenden verursachen im Übrigen «vergleichsweise wenige Probleme», hält die Regierung fest. Dies treffe zum einen auf den Schulbesuch zu. Zudem würden diese auch kaum straffällig.