Klimastrategie
So will sich der Kanton an die Folgen der Erderwärmung anpassen

Wie und wo muss sich der Kanton Solothurn auf die Erderwärmung einstellen? Darauf gibt es nun Antworten. Die Regierung hat eine kantonale Klimastrategie verabschiedet.

Sven Altermatt
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Bei Biberist trat die Emme immer wieder über die Ufer. Doch der Kanton Solothurn könnte künftig mit noch grösseren Hochwassern konfrontiert sein. Dafür wollen sich die Kantonsbehörden wappnen. Archiv

Bei Biberist trat die Emme immer wieder über die Ufer. Doch der Kanton Solothurn könnte künftig mit noch grösseren Hochwassern konfrontiert sein. Dafür wollen sich die Kantonsbehörden wappnen. Archiv

Oliver Menge

Jetzt also doch nicht: Donald Trump will kein Klimawandel-Skeptiker sein. Der künftige Präsident der USA sprach diese Woche plötzlich von einer «gewissen Verbindung» zwischen menschlichem Handeln und dem Klimawandel. In der Vergangenheit bezeichnete er die Folgen der globalen Erderwärmung auch schon mal als «Erfindung».

Definitiv keine Erfindung ist der Klimawandel aus Sicht der Solothurner Regierung. Auch sie befasste sich diese Woche mit dem Thema – und verabschiedete eine kantonale Klimastrategie. Was muss der Kanton tun, um sich den Folgen der Erderwärmung anzupassen? Die nun präsentierte Strategie ist vor allem eine Auslegeordnung, wie Martin Heeb vom kantonalen Amt für Umwelt erklärt. «Es geht auch darum, die Arbeit der einzelnen Amtsstellen enger zu koordinieren.»

Der Regierungsrat verweist auf Klimaforscher, die davon ausgehen, dass die Temperatur im Mittelland in den nächsten 40 Jahren um weitere 1,1 bis 3,5 Grad Celsius ansteigen wird. Was heisst das jedoch konkret? Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus sieben Ämtern und dem Verband der Einwohnergemeinden hat recherchiert, wo und wie stark der Klimawandel ins Gewicht fällt.

Konflikte bei der Wassernutzung

Die vorgelegte Strategie enthält insgesamt 36 Massnahmen. Nicht alle sind neu, ein Drittel der Massnahmen wird bereits heute umgesetzt. So etwa die Unterstützung bei der Sanierung von Gebäudehüllen. Oder die Bemühungen im Hochwasserschutz. «Gerade in diesem Bereich müssen wir unsere Arbeit voraussichtlich noch verstärken», sagt Heeb. Denn der Klimawandel verschärfe Risiken wie Starkniederschläge, Trockenperioden oder Hitzewellen.

Es ist laut Heeb gut möglich, dass der Kanton Solothurn künftig mit noch grösseren Hochwassern konfrontiert sein wird. Die Behörden wollen deshalb unter anderem die Elementarschaden-Prävention besser verankern. Dies im Rahmen der nächsten Revision des Gesetzes über die Gebäudeversicherung.

Zu den 24 neuen Massnahmen zählen die Präventionsarbeit bei Hitzewellen und das «Ressourcenprogramm Humuswirtschaft» ebenso wie Beratungsangebote. Diese richten sich an Gruppen, die von den Folgen des Klimawandels stärker betroffen sind – etwa die Landwirte. Während einer Trockenheit führen Bäche und Flüsse weniger Wasser. Doch genau dieses benötigen die Bauern dann umso dringender für die Bewässerung ihrer Kulturen. Das führt unweigerlich zu Konflikten.

Strategie unter der Lupe

In der Klimastrategie des Kantons ist darum ein sogenanntes Wassernutzungskonzept vorgesehen. Die zuständigen Behörden sollen das entsprechende Papier gemeinsam mit dem Bauernverband und weiteren Organisationen erarbeiten.

Die Klimastrategie-Arbeitsgruppe wird sich künftig mehrmals pro Jahr treffen, um den Stand der Dinge zu besprechen. Die finanziellen Folgen der 36 Massnahmen können die Behörden nicht genau beziffern. Klar ist: In den meisten Fällen können die Kosten über bestehende Budgets bewältigt werden. Davon abgesehen spricht das Amt für Umwelt von einem «relativ bescheidenen Zusatzaufwand». Für die begleitende Kommunikationskampagne sind derweil 30 000 Franken vorgesehen. Zu der Kampagne gehört eine Website, auf der Solothurner ihre «persönliche Klimageschichte» erzählen.

Die Umweltverbände waren an der Ausarbeitung der Klimastrategie nicht beteiligt. Man werde diese nun unter die Lupe nehmen und sich dann dazu äussern, hiess es etwa bei Pro Natura auf Anfrage.

Mehr Infos und «Klimageschichten» gibt es unter www.klimageschichten.ch.

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