Es ist ein Schritt in Richtung Chancengleichheit: 2014 haben erstmals mehr Frauen als Männer beim Kanton Solothurn gearbeitet. Das zeigt das aktuelle Gleichstellungscontrolling des Kantons. Die Frauenmehrheit ist allerdings sehr knapp: Sie beträgt 51 Prozent und bildet damit ziemlich exakt den Frauenanteil in der Kantonsbevölkerung (50,24 Prozent) ab. In Zahlen heisst das: 1954 Frauen stehen beim Kanton 1915 Männern gegenüber. 

Die positive Nachricht wird gleich an mehreren Fronten wieder relativiert: Denn einerseits fehlen die Frauen im Kader. Je höher hinauf die Karriereleiter führt, umso dünner wird die Luft: In den höchsten Lohnstufen (24 bis 32) ist nur gerade jede fünfte Stelle mit einer Frau besetzt. Und so gibt es auch vergleichsweise wenig Frauen, die öffentlich wahrnehmbare Führungsfunktionen, etwa auf Stufe Amtschef oder Departementssekretariat, ausüben. 

Zweiter Wermutstropfen: Im Vergleich zu 2012 haben die Frauen zwar die Mehrheit übernommen. Doch das geht nicht allein auf gezielte Förderung zurück, sondern auch auf einen statistischen Zufall: Seit Anfang 2014 gehören die Heilpädagogischen Schulen zur Kantonsverwaltung. Damit stiessen Anfang 2014 149 Frauen und 30 Männer zur Statistik hinzu. Sonst wäre der Frauenanteil weiterhin knapp unter 50 Prozent.

Dritter Wermutstropfen: Es gibt zwar mehr Frauen als Männer, sie arbeiten aber weniger. Beim Kanton arbeiten 74 Prozent der angestellten Männer in einem Vollpensum. Aber nur 28 Prozent der Frauen arbeiten auch 100 Prozent.

Gerichte: Nur noch wenig Männer

Männerdomäne Nummer 1 ist die Kantonspolizei: Nur gerade 29 Prozent der Mitarbeitenden sind dort Frauen. Im obersten Kader der Kapo findet sich keine einzige Frau (siehe Kasten rechts). Spitzenreiter sind beim Frauenanteil die Gerichte: 67 Prozent der Angestellten sind Frauen. Allerdings gilt auch dort: Je höher die Positionen, umso weniger Frauen lassen sich finden.

So sind unter den zehn Oberrichtern nur drei Frauen. Nicht besser ist der Frauenanteil übrigens dort, wo das Volk über die Anstellung entscheidet: Nur zwei der neun vom Volk gewählten Amtsgerichtspräsidenten sind Frauen. Und in ihre Regierung haben die Solothurnerinnen und die Solothurner gerade einmal eine Frau gewählt: Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler.

Erledigt die Zeit das Problem?

Grundsätzlich zeigt sich: Teilzeitstellen – und damit die Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren – fördern die Frauenquote. Darauf hat der Kanton reagiert; auch mit Blick aufs Kader: «Wir schreiben Kaderstellen bewusst mit Teilpensen aus», nennt Urs Hammel, Chef des Personalamtes, eine der Fördermassnahmen. Allerdings ist für Amtschef Hammel – er arbeitet selbst 80 Prozent – auch klar: «Je höher oben eine Funktion angesiedelt ist, umso mehr Pensum braucht es in der Regel. Je kleiner ein Pensum ist, desto schwieriger wird es, gewisse Führungsfunktionen wahrzunehmen. »

Hoffnung auf mehr Frauen im Kader gibt es: Die Zeit wird wohl einen Teil des Problems von selbst erledigen – indem Pensionierungen anstehen. Heute sind 57 Prozent der Führungskräfte beim Kanton über 50. Und es zeigt sich: Je jünger die Altersklasse, umso höher ist der Frauenanteil im Kader.

Rund ein Drittel beträgt er bei den 20- bis 29-Jährigen. «Wir gehen davon aus, dass es in naher Zukunft auch im Kader Änderungen gibt», sagt Hammel. «Halt in dem Tempo, in dem es möglich ist.» Klar ist aber ebenso: Auch unter jungen Führungskräften ist der Frauenanteil weit entfernt von der 50-Prozent-Marke. «Die Entwicklung geht immerhin in die gewünschte Richtung», sagt Hammel. Deshalb werde derzeit beim Kanton auch keine Frauenquote diskutiert.

«Es gibt gewisse Männerberufe»

So männerlastig die Polizei auf der einen Seite ist, so frauenlastig sind Schulen auf der anderen Seite: Dort ist der Männeranteil gering, wie das Beispiel der Heilpädagogischen Schulen (149 Frauen zu 30 Männer) zeigt. Zwar kann der Kanton laut Urs Hammel gute Rahmenbedingungen schaffen, um die gewünschte Durchmischung zu erreichen. «Gesellschaftliche Strömungen können wir aber nicht ändern. Es ist Realität, dass es gewisse typische Männer- und Frauenberufe gibt.»

Das nächste Gleichstellungscontrolling wird es 2016 geben. Für Personalchef Hammel ist klar: «Allein schon aufgrund der Datenerhebung geschieht etwas. In den Ämtern, in denen die Verteilung einseitig ist, haben wir Diskussionen ausgelöst.» Trotz alledem: Im Kanton Solothurn wird es noch über Jahre Meldungen geben, in denen es heisst: «Erstmals steht eine Frau an der Spitze des Amtes für ...»