Umwelt
So viel Ozon wie noch nie

Sowohl schweizweit als auch zeitlich gesehen wurden im Kanton Solothurn am letzten Donnerstag Rekordwerte gemessen. Mit einer Belastung von 234 Mikrogramm pro Kubikmeter in Egerkingen waren die Ozonwerte höher als in der ganzen restlichen Schweiz, ausgenommen dem Tessin.

Lara Frey
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Die Belastung spreng schier die Ozon-Anzeigetafel von Zuchwil.

Die Belastung spreng schier die Ozon-Anzeigetafel von Zuchwil.

Hanspeter Bärtschi

Wieso dies der Fall war, sei noch nicht ganz geklärt, ausschlaggebend sei aber vor allem die aktuelle Wetterlage mit der Saharaluft aus dem Süden und die starke Sonneneinstrahlung, informiert Markus Chastonay vom Amt für Umwelt.

Falls im Kanton Solothurn grossflächig Werte von mehr als 240 Mikrogramm pro Kubikmeter, dem europäischen Alarmwert, gemessen würden, wäre die Kantonsregierung verpflichtet, Notfallmassnahmen zu ergreifen, ähnlich wie beispielsweise im Tessin, wo zeitlich limitierte Tempobegrenzungen auf den Autobahnen vorgesehen sind.

Höher als im Hitzesommer 2003

Auch im Vergleich zu den Messwerten der letzten Jahre wurde am Donnerstag der allzeitige Höchstwert gebrochen; die Ozonbelastung war sogar höher als im Hitzesommer 2003. Grund dafür ist, dass die Sonnenscheindauer im Juni am längsten ist; die aktuellen Tageshöchstwerte werden so erst um etwa 18 Uhr erreicht. Im Sommer 2003 waren die Hitzetage vor allem im Juli und August verteilt, in jenen Monaten ist die Sonnenscheindauer bereits wieder etwas verkürzt.

Am Wochenende überschritten die Ozonwerte im Kanton weiterhin die Immissionsgrenzwerte, waren aber deutlich niedriger als noch am Donnerstag.

Umweltämter informieren

Am Donnerstag ist gleich an mehreren Standorten in der Schweiz der europäische Schwellenwert der Ozonbelastung überschritten worden, informiert die Konferenz der Vorsteher der Umweltschutzämter der Schweiz (KVU). Konkret heisst das, dass die Ozonkonzentration mehr als 180 Mikrogramm pro Kubikmeter betrug und somit anderthalb Mal so gross war wie der Immissionsgrenzwert der Schweizer Luftreinhalte-Verordnung, der nur einmal pro Jahr überschritten werden darf.

Bei mehrmaligem Überschreiten müssen die jeweiligen Kantonsregierungen Massnahmen zur Luftreinhaltung ergreifen und ab Werten von mehr als 180 Mikrogramm pro Kubikmeter muss die Bevölkerung verstärkt informiert werden.

Beitrag: weniger Autofahren

In der Medienmitteilung der KVU wird die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht, ihren Teil zur Verbesserung der Luftqualität beizutragen. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, die Emissionen der Vorläuferschadstoffe, aus denen das Ozon entsteht, also Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen, zu limitieren. Dazu sollen Autofahrten auf ein Minimum reduziert werden und bei jenen Autofahrten, die nicht vermieden werden können, Fahrgemeinschaften gebildet werden. Ausserdem soll man in allen möglichen Lebensbereiche elektrische Geräte statt Benzinmotoren benutzen und lösungsmittelfreie Produkte verwenden.

Ozon, ein Treibhausgas – und die Folgen der Belastung

Ozon entsteht unter Einwirkung von Sonnenlicht aus Stickoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen. Diese Substanzen werden grösstenteils in der Industrie, Gewerbe und im Verkehr produziert.

In der Stratosphäre ist Ozon überlebenswichtig für den Menschen, da es uns vor zu starker UV-Strahlung schützt. In Bodennähe führt eine zu hohe Ozonbelastung jedoch zu gesundheitlichen Problemen wie Schleimhautreizungen und reduzierter Lungenfunktion. Die schweizerische Gesellschaft der Lufthygienefachleute, basierend auf den Weltgesundheitsorganisation Effektschätzern, geht von jährlichen 150 bis 300 frühzeitigen Todesfällen aufgrund der Ozonbelastung aus.

Nicht nur auf den Menschen hat die hohe Ozonbelastung einen negativen Einfluss, sondern auch auf die Ökosysteme: Die Blätter und Nadeln nehmen sichtbaren Schaden und es kommt zu Wachstumseinbussen der Pflanzen. Das Bundesamt für Raumentwicklung berechnete für das Jahr 2010 Ernteausfälle im Wert von über hundert Millionen Franken aufgrund der hohen Ozonbelastung. Ausserdem wirkt Ozon in den unteren Schichten der Atmosphäre als Treibhausgas und ist somit mitverantwortlich für die Klimaerwärmung.