Abstimmung

So stimmten die Solothurner zur Atom-Ausstiegsinitiative

Eine Mehrheit will das AKW Gösgen 2024 noch nicht abstellen.

Eine Mehrheit will das AKW Gösgen 2024 noch nicht abstellen.

Die Analyse der Abstimmungs-Resultate im Niederamt und im Kanton Solothurn.

Nach 45 Jahren muss nicht Schluss sein: Die Standortregion Niederamt und der Kanton Solothurn haben es abgelehnt, dem seit 1979 laufenden Atomkraftwerk Gösgen das Jahr 2024 als Endtermin in die Bundesverfassung zu schreiben. Ihr Nein zur Atomausstiegsinitiative der Grünen war deutlicher als das gesamtschweizerische.

Die zehn Gemeinden, deren Siedlungsmitte näher als 4 Kilometer vom Reaktor entfernt liegt und die aus diesem Grund in den Steuerverteiler des Kernkraftwerks Gösgen (KKG) einbezogen sind, haben die Initiative allesamt abgelehnt.

Am deutlichsten ist das Nein in der Haupt-Standortgemeinde Däniken, wo sich der einstimmige Gemeinderat mit einem öffentlichen Aufruf für die Ablehnung eingesetzt hatte.

Däniken lieferte erwartungsgemäss das massivste Nein-Votum aller Solothurner Gemeinden. Noch deutlicher votierten die Aargauer AKW-Standortgemeinden Leibstadt mit 89,7 Prozent und Döttingen (KKW Beznau) mit 82,7 Prozent. In Mühleberg BE gab es 72,6 Prozent Nein.

Gery Meier rechnet mit 60 Jahren

Dänikens Gemeindepräsident Gery Meier (FDP) zeigte sich am Sonntag vor allem erleichtert über den Ausgang der Abstimmung. «Damit sind die Arbeitsplätze im Kernkraftwerk weiterhin gesichert», stellte er fest. «Das Volk gibt sich Zeit für die Ausserbetriebnahme und hat eine Schnellabschaltung verworfen.»

Er habe nach wie vor Vertrauen in die gute Arbeit in der Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG, sagte der Präsident der Standortgemeinde. Meier geht nun für Gösgen von einer Laufzeit von 60 Jahren aus, also bis ins Jahr 2039 – unter der Voraussetzung, dass weiterhin in die Sicherheit investiert werde. «Nach den Mitteilungen der Werksleitung sind alle Investitionen auf diese Laufzeit ausgerichtet.»

Olten und Aarau nur knapp

In den Städten Olten und Aarau wurde die Initiative nur knapp abgelehnt: In Olten lag der Nein-Anteil bei 50,92 Prozent, in Aarau bei 50,29 Prozent. In Olten machte der Unterschied 98 Stimmen aus, in Aarau 42 Stimmen.

Die 26 Gemeinden der Amtei Olten-Gösgen haben die Initiative alle abgelehnt. Abgesehen von Däniken war das Nein am deutlichsten in Rickenbach mit 75,67 Prozent, am knappsten in Hauenstein-Ifenthal mit 51,54 Prozent.

Ja aus Solothurn und Dorneck

Im Kanton Solothurn stimmten zwei von zehn Bezirken für die Ausstiegsinitiative und damit für ein Abstellen des AKW Gösgen im Jahr 2024. In Solothurn gab es eine klare Zustimmung zum raschen Ausstieg mit 55,4 Prozent Ja, im Dorneck noch 52,7 Prozent Ja.

Die übrigen acht Bezirke lehnten die Initiative ab. Am deutlichsten fiel die Ablehnung nicht etwa in der Standortregion aus, sondern in der ländlichen Mitte des Kantons: im Thal mit 73,1 Prozent Nein und im Gäu mit 71,6 Prozent, gefolgt vom Bucheggberg mit 64,7 Prozent Nein. Erst an 4. und 5. Stelle unter den Bezirken folgen Olten und Gösgen mit 62,2 und 62,0 Prozent Nein.

Im ganzen Kanton wünschten 8 von 109 Gemeinden den schnellen Ausstieg. Abgesehen von der Hauptstadt und Hüniken (Wasseramt) liegen alle nördlich des Juras. Den höchsten Ja-Anteil gab es in Rodersdorf mit 62,7 Prozent, vor Dornach mit 61,6 Prozent. Die weiteren «Ausstiegs-Gemeinden» sind Gempen, Kleinlützel, Witterswil und Hochwald.

Solothurn im Mittelfeld

Mit 60,5 Prozent Nein-Stimmen lehnte der Kanton Solothurn die Initiative deutlicher ab als die Gesamtschweiz (54,2 Prozent). Unter den 20 ablehnenden Kantonen liegt Solothurn an 9. Stelle. Von den Nachbarn lehnten die AKW-Standortkantone Aargau und Bern den schnellen Ausstieg ab, Jura und Basel-Landschaft sagten Ja.

Die Stimmbeteiligung im Kanton Solothurn betrug 45,1 Prozent, fast exakt soviel wie der Landesdurchschnitt.

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