Davos hat ihn schon und auch Grindelwald. Und jetzt soll auch der Weissenstein in die Liga der Winter-Destinationen aufsteigen, die einem eigenen Schlittentyp den Namen geben. Fast genau ein Jahr nachdem die neue Gondelbahn am Solothurner Hausberg ihren Betrieb aufgenommen hat, präsentiert der Solothurner Architekt Guido Kummer jetzt den Weissenstein-Schlitten. Und dieser ist viel mehr als nur ein Marketing-Gag: Kummer hat die ganze Konstruktion eines Schlittens neu durchdacht und seine ganz eigenen Lösungen gefunden.

Zufall ist es nicht, dass Kummer den Schlitten entworfen hat: Er hat schliesslich auch die Mittel-, Berg und Talstation der neuen Gondelbahn gezeichnet. Kummer übernimmt beim Schlitten das charakteristische Element seiner viel gelobten Bauten am Berg: Die Holzbögen. Wie bei den Gondelbahnstationen finden sich diese auch am Schlitten.

Doch die Bögen sind mehr als eine Design-Spielerei: Dank ihnen kommt der Weissenstein-Schlitten nämlich ohne starre Holz- oder Eisenverstrebungen aus: Bei Kummers Schlitten sind die Kufen unten und der Rahmen oben nämlich durch ineinandergreifende Holzbögen verbunden. Er kommt ganz ohne Holzstützen oder Eisenverstrebungen und fast keinen Schrauben aus.

Unten auf den Kufen stehen – je nach Variante - zwei oder drei Bögen, in die oben – seitenverkehrt – ein weiterer Bogen eingelassen ist. Der obere Bogen stützt sich auf dem unteren ab. «Das Holz kann nachgeben», sagt Kummer. Die Federwirkung ist damit grösser. Im Gegensatz zur Konkurrenz soll der «Weissensteiner» kein «harter Bock» sein.

«Komfort im Vordergrund»

Auch für die Sitzfläche hat Kummer seine eigene Lösung gefunden: Die drei Holzleisten, auf denen der Passagier sitzt, sind nicht wie bei Schlitten üblich fest montiert, sondern fast frei schwebend. Nur ein Gurtengeflecht, bzw. je nach Version ein Lederstück hält sie am Rahmen.

Diese Lösung federt den Passagier etwas besser ab. «Der Komfort stand klar im Vordergrund», sagt Kummer. Als Kind sei er oft geschlittelt. «Damals eher wild.» Die Kufen des Weissenstein-Schlittens sind etwas breiter als diejenigen des Grindelwalders; der Schliff des Metalls ist dem nasseren Juraschnee angepasst. Kummer zieht als Vergleich die unterschiedlichen Profile von Autopneus heran.

«Swiss made» durch und durch

Im Sommer hat Kummer mit der Arbeit begonnen. «Eine kleine Freude neben dem Alltag», sagt der Architekt, der sich bei diesem Entwurf an viel weniger Vorschriften und Gesetze halten musste als bei den Gebäuden, die er entwirft. «Weiterdenken und adaptieren» sei Teil der Arbeit als Architekt, sagt Kummer, der auch den Solothurner Kantonsratssaal neu gestaltet hat. Auch dort ist er beim Design weiter gegangen als sich nur um das Gebäude an sich zu kümmern. So hat er etwa die Stühle adaptiert. – Jene der Regierungsräte sind etwas breiter und haben gepolsterte Armlehnen. Die Kantonsräte haben gepolsterte Sitze mit Lehnen; Zuschauer sitzen auf Holz.

Elf Schlitten zählt die Vorserie. Bald soll ein Prototyp im Schaufenster des Solothurner Bergsportladens Bordogna zu sehen sein. Dass der Schlitten dereinst am Solothurner Hausberg vermietet werden könnte, glaubt Kummer nicht. «Die Herstellung ist zu aufwändig. Praktisch alles ist Handarbeit.» Nur schon deshalb sei eine Massenproduktion nicht angedacht.

Hergestellt wurden die Schlitten in der Schweiz, von der Firma 3R, die auch die klassischen Grindelwalder und Davoser Schlitten herstellt. Stolz zeigt der Designer aufs Swiss Made-Logo. Auch das Eschenholz stammt aus der Schweiz. Den Schlitten gibt es in mehreren Varianten: Ein, zwei oder drei Sterne zeichnen die Gefährte aus, die es als Ein- oder Zweisitzer, mit zwei oder drei Bögen sowie wahlweise mit Gurten- oder gar Lederbespannung gibt.

Wer noch ein Last-Minute-Geschenk sucht, hat dieses Jahr jedoch Pech: Den Schlitten gibt es erst in einer Nullserie von genau elf Stück. Guido Kummer wird die Prototypen diesen Winter an Freunde und Bekannte ausleihen, um allfällige Schwachpunkte herauszufinden. Der Architekt hofft, dass der Schlitten nächsten Herbst in Produktion gehen kann. Ob es sich dann um Einzelstücke oder eine Kleinserie handelt, ist noch nicht entschieden. Über Preise spricht Kummer derzeit noch nicht. Wichtig ist eines: Es braucht jetzt bald Schnee. Guido Kummer hat den «Winter fast lieber als den Sommer».