Pastoralraum: Der Begriff kommt etwas theologisch daher, längst nicht so volksnah wie das alteingesessene Wort «Pfarrei». Die Katholiken im Bistum Basel werden sich daran gewöhnen müssen. Der Bischof in Solothurn treibt seine Pfarreien dazu an, zusammenzurücken, Pfarreigrenzen zu überwinden, mit Konzept und Statut zusammenzuarbeiten. Sie sollen mit den Nachbarpfarreien gemeinsame Seelsorgeteams unter einheitlicher Leitung bilden: in Pastoralräumen eben.

So hat es der vormalige Bischof Kurt Koch seit 2006 in seinem «Pastoralen Entwicklungsplan Bistum Basel» (PEP) vorgespurt; so setzt es nun sein Nachfolger Felix Gmür mit seinen Mitarbeitern in zäher Kleinarbeit um. Ein Kraftakt der Kirchenverwaltung, die versucht, jahrhundertealte Strukturen ein Stück weit der heutigen Zeit anzunähern.

Auf dem Gebiet des Kantons Solothurn gibt es heute 82 römisch-katholische Pfarreien; im Durchschnitt zählen sie nur etwas über 1100 Mitglieder. 77 dieser Pfarreien gruppiert die Bistumsleitung nun zu 16 solothurnischen Pastoralräumen. Fünf Pfarreien nördlich des Juras – es handelt sich um Dornach, Gempen und Hochwald im Dorneck, Kleinlützel im Thierstein und Kienberg im Bezirk Gösgen – werden drei benachbarten Pastoralräumen im Baselbiet angeschlossen. Umgekehrt gehört die kleine Pfarrei Burg im Leimental – politisch im Kanton Baselland, landschaftlich im Elsass gelegen – mit den vier Pfarreien des solothurnischen Leimentals (Hofstetten-Flüh, Metzerlen-Mariastein, Rodersdorf und Witterswil-Bättwil) zum «Solothurner» Pastoralraum SO 5.

Zwischen 2900 und 8800 Gläubige

Grösse und Grenzen der neuen Pastoralräume hat die Bistumsleitung vorgegeben. Die Karte zeigt, dass die 16 Solothurner Pastoralräume aus jeweils vier bis sechs Pfarreien bestehen; einzig der Raum SO 15 ist nur aus den zwei Pfarreien Grenchen und Bettlach gebildet. Im Durchschnitt zählt jeder Pastoralraum etwa 5000 bis 5500 römisch-katholische Gläubige. Der grösste ist der Raum SO 11 rund um Olten mit etwa 8800 Seelen, der kleinste ist SO 5 im Leimental mit knapp 2900.

Von riesigen, anonymen Einheiten wird man also kaum sprechen können. «Ein Pastoralraum ist so gross wie nötig, damit eine umfassende Pastoral verwirklicht werden kann; und so klein wie möglich, damit er führbar ist», heisst es im Dokument «Pastoralräume im Bistum Basel: Warum und wozu?» von 2010.

Ob die «Grenzzieher» des Bischofs in allen Fällen eine glückliche Hand hatten, wird sich im zukünftigen kirchlichen Leben zeigen müssen. Immerhin nahmen sie Rücksicht auf Solothurns Kleinräumigkeit: In andern Bistumskantonen sind die Pastoralräume teilweise deutlich grösser. So sind im Aargau und in Luzern je 26 Pastoralräume vorgesehen, im Kanton Jura und Berner Jura zusammen 15, im Thurgau 13, in Baselland und Bern je 10, in Zug 5, in Basel-Stadt 3 und in Schaffhausen 2.

Die Namen der neuen Pastoralräume, so weit sie schon festgelegt sind, klingen oft etwas sperrig: «Dünnernthal» steht für das Thal westlich von Balsthal, von Laupersdorf bis Gänsbrunnen. «Niederamt Süd» entspricht dem alten Werderamt südlich der Aare, von Dulliken bis Eppenberg-Wöschnau, ohne Starrkirch-Wil. Im oberen Kantonsteil gibts Pastoralräume namens «Wasseramt West» (auch den reformierten Bucheggberg umfassend) und «Mittlerer Leberberg».

Geläufiger wirken die Bezeichnungen der zwei bereits errichteten Pastoralräume Gäu und Gösgen. Aber Achtung: Der Pastoralraum Gäu (SO 3) umfasst nur die vier nordöstlichen Gäuer Pfarreien, dazu Fulenbach. Oensingen, Kestenholz, Niederbuchsiten und Wolfwil bilden einen separaten Raum. Und dem Pastoralraum Gösgen (SO 10) fehlen im Unterschied zum politischen Bezirk die Pfarreien Trimbach, Ifenthal-Hauenstein, Wisen und Kienberg.

Personalmangel stellt Pfarreien vor Probleme

Zum Hintergrund der Bildung von Pastoralräumen gehört der Personalmangel in der Seelsorge. «Zur Zeit sind im Kanton Solothurn etwa 20 Priester als Pfarrer oder Pfarradministratoren tätig, etwa 11 als Kapläne. Dazu kommen einige Priester, die für Gottesdienste zur Verfügung stehen», teilt Odo Camponovo, Pastoralverantwortlicher im Bischofsvikariat Pastoral und Bildung in Solothurn, auf Anfrage mit. Neben den Priestern, so ist von ihm weiter zu erfahren, sind 33 Theologinnen und Theologen ohne Priesterweihe als Seelsorger/-innen für die Solothurner Katholiken tätig: 13 Gemeindeleiter und 5 Gemeindeleiterinnen, 8 Diakone und Pastoralassistenten, 7 Pastoralassistentinnen.

Von den Priestern dürften viele im Pensionsalter stehen, von den Laientheologen etliche teilzeitlich tätig sein. So oder so bleibt eine Differenz zur Zahl von 82 Pfarreien. «Jede Pfarrei hat eine Leitung, aber nicht jede Pfarrei hat eine Leitung allein für sich», beschreibt Camponovo den aktuellen Zustand.

Pastoralräume bringen der Kirche nicht mehr Personal, aber sie tragen der Realität Rechnung. «Sie sind ein notwendiges Übel – anders ginge es gar nicht mehr», sagt ein Diakon aus dem Solothurnischen. Und sie bieten die Chance, dass die Mitglieder des Seelsorgeteams eines Pastoralraums jene Aufgaben übernehmen können, die ihren Fähigkeiten am besten entsprechen.

Und was passiert mit den Pfarreien? «Die Pastoralräume sind als grundlegende Organisationseinheit im Bistum Basel auf Dauer durch den Bischof errichtet», sagt das bereits zitierte Dokument von 2010, und: «Pastoralräume können sich zu Pfarreien weiterentwickeln.»

Die 16 Solothurner Pastoralräume ...

Im «Richtplan Bistum Basel» hat das Bischöfliche Ordinariat in Solothurn die 515 Pfarreien des Bistums in 126 Pastoralräume eingeteilt. Bereits errichtet sind die 15 unités pastorales im französischsprachigen Jura sowie 27 der 111 Pastoralräume im deutschsprachigen Teil des Bistums Basel (Stand 1.8.2014).

Auf dem Gebiet des Kantons Solothurn sind 16 Pastoralräume mit 77 Pfarreien vorgesehen. Drei Pastoralräume im Solothurnischen hat Bischof Felix Gmür bisher formell errichtet:

SO 1Dünnernthal (3. Februar 2013):

Aedermannsdorf, Gänsbrunnen, Herbetswil, Laupersdorf, Matzendorf, Welschenrohr.

SO 3Gäu (28. September 2013):

Egerkingen, Fulenbach, Härkingen, Neuendorf, Oberbuchsiten.

SO 10Gösgen (16. März 2014):

Erlinsbach, Lostorf, Niedergösgen, Obergösgen, Stüsslingen (mit Rohr), Winznau.

Wird am 29. November 2014 errichtet:

SO 2St. Wolfgang im Thal:

Balsthal, Holderbank, Mümliswil, Ramiswil.

In Vorbereitung oder geplant:

SO 4:

Kestenholz, Niederbuchsiten, Oensingen, Wolfwil.

SO 5:

Hofstetten-Flüh, Metzerlen-Mariastein, Rodersdorf, Witterswil-Bättwil; dazu eine Pfarrei im Kanton BL: Burg im Leimental.

SO 6:

Büren, Himmelried, Meltingen, Oberkirch SO (mit Nunningen und Zullwil), Seewen, St. Pantaleon-Nuglar.

SO 7:

Bärschwil, Beinwil, Breitenbach, Büsserach, Erschwil, Grindel.

SO 8Niederamt Süd:

Däniken, Dulliken, Gretzenbach, Schönenwerd (mit Eppenberg-
Wöschnau), Walterswil-Rothacker.

SO 9:

Gunzgen, Hägendorf (mit Rickenbach), Kappel (mit Boningen), Wangen.

SO 11:

Ifenthal-Hauenstein, Olten St. Marien (mit Starrkirch-Wil), Olten St. Martin, Trimbach, Wisen.

SO 12Wasseramt West:

Biberist, Gerlafingen, Kriegstetten (mit Halten, Drei Höfe, Horriwil, Obergerlafingen, Oekingen, Recherswil), Lohn-Ammannsegg-Bucheggberg.

SO 13:

Aeschi (mit Bolken, Etziken, Hüniken, Winistorf), Deitingen, Derendingen, Luterbach, Subingen, Zuchwil.

SO 14Mittlerer Leberberg:

Bellach, Langendorf, Lommiswil, Oberdorf, Selzach.

SO 15:

Bettlach, Grenchen.

SO 16:

Flumenthal (mit Hubersdorf), Günsberg (mit Niederwil, Balm bei Günsberg, Kammersrohr), Solothurn St. Marien, Solothurn St. Urs und Viktor, St. Niklaus (mit Feldbrunnen, Riedholz, Rüttenen).

5 Pfarreien dem Baselbiet zugeteilt

Nördlich des Juras hat die Bistumsleitung fünf Solothurner Pfarreien in drei Pastoralräume des Kantons Basel-Landschaft eingeteilt, die noch nicht errichtet sind:

BL 1:

Dornach, Gempen, Hochwald;

mit den Baselbieter Pfarreien Aesch, Duggingen, Pfeffingen.

BL 4:

Kleinlützel;

mit den Baselbieter Pfarreien Brislach, Laufen, Liesberg, Röschenz, Roggenburg (mit Ederswiler JU), Wahlen.

BL 9:

Kienberg;

mit den Baselbieter Pfarreien Gelterkinden, Sissach.