Abkühlung
So schützt sich der Storch vor der Sonne

Nicht nur wir Menschen, sondern auch die Tiere versuchen, sich die heissen Tage so erträglich wie möglich zu machen. Der Storch verfügt über eine ganz spezielle Technik, um sich vor der Hitze zu schützen.

Noelle Karpf
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Dank einer besonderen Schutztechnik kann die Sonne dem Storch nichts anhaben.

Dank einer besonderen Schutztechnik kann die Sonne dem Storch nichts anhaben.

Hanspeter Bärtschi

Dass Hunde zu hecheln beginnen, wenn ihnen zu heiss ist, ist den meisten wohl bekannt. Auch sind wir kaum vom Anblick eines Vogels, der sich ein Bad gönnt, überrascht. Aber wie schützen sich eigentlich die Störche, die gerade im Kanton Solothurn in grosser Zahl vorkommen, vor der Sonne und den hohen Temperaturen? Denn auch bei grösster Hitze halten sich die Vögel auf Dächern in der prallen Sonne auf.

Wie unsere tierischen Freunde mit der Hitze umgehen

Viele Tiere suchen sich bei heissen Temperaturen schattige Plätzchen, oder erfrischen sich im Wasser - ähnlich wie wir Menschen. In der Natur gibt es aber auch andere Tricks zur Abkühlung. Während einige von uns im Rahmen einer Schönheitskur ein Schlammbad nehmen, baden Schweine bei grosser Hitze in Tümpeln und wälzen sich im Schlamm. Hunde und Vögel kühlen sich im Wasser ab und hecheln bei hohen Temperaturen. Der Hase hingegen kann mithilfe seiner grossen Ohren Körperwärme abgeben. Deutlich einfacher in der Sommerzeit ist es für die Bewohner des Waldes. Eichhörnchen verschanzen sich während heissen Tagen einfach in ihren Nestern, Füchse und Dachse bleiben in ihren Höhlen unter der Erde. Im Gegensatz dazu leiden Kühe deutlich mehr unter der Hitze und können sich aufgrund ihrer Grösse auch nicht so einfach vor der Sonne zurückziehen. In einem Stall sind sie zwar nicht der Sonne ausgesetzt, aber auch dort macht ihnen das heisse Klima schnell zu schaffen; schon ab 24 Grad wird es stressig für die Kühe. Sie fressen weniger und leiden häufig unter Stoffwechselstörungen, wodurch sie auch nicht so viel Milch produzieren können. Dafür ist die Wasseraufnahme höher während heissen Tagen - so wie bei uns Menschen auch. Der grosse Unterschied: beim Menschen erhöht sich die Trinkmenge ( idealerweise ) von 1,5 auf circa 3 Liter Wasser pro Tag. Eine Kuh schafft an einem Hitzetag hingegen auch schonmal um die 150 Liter.

Um sich vor der Sonne zu schützen benutzt der Storch seinen eigenen Kot. «Die Harnsäure, die er ausscheidet gleicht einem weissen Pulver», beschreibt Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach. Die Substanz gelangt beim Storch «voll auf die Beine», sagt er, weshalb die roten Beine des Storchs ganz weiss werden. «Das Weiss strahlt Hitze und Wärme ab, somit sind die verkleckerten Beine des Storches ein guter Reflektor», erklärt der Biologe. Herr Adebar ist also nicht wie wir auf Sonnencrème angewiesen, sondern produziert selber den idealen Sonnenschutz.

Diese «Spezialität des Storchs» - wie Kestenholz dieses Vorgehen nennt - bringt noch einen weiteren Nutzen: «Das im Kot erhaltene Wasser verdunstet, dadurch entsteht die sogenannte Verdunstungskälte. Das Blut in den Beinen des Storchs wird abgekühlt und gelangt dann in den restlichen Körper».

Unter den einheimischen Vögeln findet sich laut Kestenholz keine andere Art, die diese Technik benutzt. Jedoch verhalten sich die Jungtiere in den Storchnestern bei hohen Temperaturen ähnlich wie viele andere Artgenossen: «Vögel können ihren Kehlsack als eine Art Fächer benutzen. Sie erzeugen mit der dünnen Haut an ihrem Hals ein Flattern, um die Luftzirkulation verbessern», erörtert der Experte.

Die Harnsäure der Störche färbt im Sommer nicht nur die Dächer weiss.
10 Bilder
Hunde gönnen sich an heissen Tagen gerne ein Bad zur Abkühlung.
Auch für diese Spatzen ist das Wasser eine willkommene Erfrischung.
Statt im Wasser baden Schweine lieber im Schlamm.
Waldtiere wie dieses Eichhörnchen können sich bei Hitze einfach in ihre Höhlen zurückziehen.
Durch seine grossen Ohren gibt der Hase Körpertemperatur ab.
Für die Kühe ist die Hitze besonders anstrengend.
Auch Schimpansen freuen sich über eine Glace im Sommer.
Diese Hitze ist anstrengend und macht müde...
... sooo müde!

Die Harnsäure der Störche färbt im Sommer nicht nur die Dächer weiss.

Keystone

Nun kennen wir also den Grund dafür, dass sich die Störche an heissen Tagen wohl fühlen, und nicht in den Schatten flüchten. Wir müssen auch keine Angst haben, dass die Störche im Kanton Solothurn einen Hitzschlag erleiden. Jedoch werden wir von der Kot-Methode des Adebars wahrscheinlich nicht allzu sehr inspiriert sein und gehen zur Abkühlung lieber baden. Wer Lust hat, kann das Prozedere der Vögel ja selber beobachten und einfach in Altreu in die Aare hüpfen.

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