«Mini Schwiiz, dini Schwiiz»

So präsentieren fünf Solothurner ihre Herzensgemeinde im TV

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» war nach einem sommerlichen Besuch im Juni wieder zu Besuch im Kanton mit «wenig Speck und vielen Schwarten». Die fünf Solothurner Kandidaten bewiesen, dass zwischen der Schwarte doch noch viel Interessantes steckt und holten das Beste aus ihren Herzensgemeinden.

Die Woche ist schon wieder vorbei und der Sieger steht fest: Alle fünf Solothurner Teilnehmer der SRF-Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» gaben sich Mühe, die Vorzüge ihres Herzensortes den konkurrierenden Kandidaten zu zeigen und die meisten Punkte für den geplanten Tagesausflug in ihrer Gemeinde zu erhalten. Besonders ein Ausflug stach dabei, wenn auch nur knapp, als Favorit hervor.

Tag 1: Beinwil

Den Anfang machte am Montag Urs Saner aus dem Schwarzbubenland. Er ist Landwirt und lebt seit jeher in der Streusiedlung ohne Dorfkern. Einzig für ein Lehrjahr habe er das Dorf bisher verlassen und kennt sich daher bestens aus in Beinwil, oder wie es von Einheimischen genannt wird in «Beibl». Für seine vier Gäste hat sich der 49-Jährige ein ganz originelles Programm ausgedacht: Nach einer knappen Vorstellungsrunde nimmt er die neugierigen Solothurner mit auf eine kulinarische Reise auf den Bio-Hof von Sandra Pfaffinger, wo eine Ziegenherde auf sie wartet. Bevor sie allerdings den feinen Käse und die Rauchwurst der Tiere gustieren dürfen, müssen sie der Landwirtin helfen, die Ziegen auf die Weide zu treiben. Zur Freude von Urs machen die Teilnehmer begeistert mit. Im Anschluss gibt's dann die versprochene kulinarische Verwöhnung. «Das kam gerade zum richtigen Zeitpunkt», bemerkt Louis Bischofberger aus Egerkingen. Auch die weiteren drei Teilnehmer zeigten sich beeindruckt.

Auch in Sachen Tradition zog Urs Saner ein glattes Ass aus dem Ärmel: Er führte seine Gäste in die alte Hammerschmiede im Dorf: Sie stehe unter Heimatschutz und sei eine der wenigen Schmieden schweizweit, wo noch auf traditionelle Weise Metall verarbeitet wird. Die Gäste staunten nicht schlecht über den Blasebalg an der Decke, der dem Feuer aus Schwefelkohle frischen Sauerstoff liefert und über den typischen Amboss in der Mitte der Schmiede. Als sie dann noch selber ans Werk durften, hätten die Männer in der Gruppe am liebsten gleich Freudensprünge gemacht.

Auch wenn dies kaum zu toppen schien, legte Urs dann an der dritten Station, der Freizeit, doch noch einen drauf: Zurück auf seinem Hof überrascht er die vier Solothurner mit einem prächtigen Zuchtmuni, den sie sogar streicheln durften. Der anschliessende Rundgang in seinem Melkstall liess allerdings die Frage offen, inwiefern das noch mit Freizeit zu tun hat. 

Nichtsdestotrotz erhält der Beinwiler 32 von 40 möglichen Punkten für seinen mehr als gelungenen Tag. Auch wenn er aus Zuschauersicht vielleicht etwas kurz und hastig geraten ist.

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» Kanton Solothurn – Tag 1 – Beinwil

Tag 2: Erschwil

Im Nachbardorf von Beinwil ist Peter Anklin beheimatet. Der 61-jährige pensionierte Marketingplaner ist heute hauptsächlich als Imker tätig und schätzt an seiner Gemeinde vor allem den Zusammenhalt der Bewohner und Vereine. Er begrüsst seine Gäste im Zentrum seines Herzensortes «Erschbl», wie es im örtlichen Dialekt heisst, und bietet zum Empfang gleich hausgemachten Süssmost sowie einen Speckzopf an. 

Anschliessend, bei der Station Freizeit, bittet der Gastgeber seine Gäste alle ihre Sinne zu schärfen, um bei der folgenden Wanderung so richtig auf den Genuss der Natur zu kommen. Im gemütlichen Schritt führt der leidenschaftliche Wanderer und ehemaliger Jungwacht-Leiter Andrea, Evi, Urs und Louis auf einen hochgelegenen Platz mit wunderbarer Aussicht auf seine Gemeinde. Es sei das «Fasnachtshübeli», erklärt Gastgeber Peter. Hier werde jede Fasnacht ein Höhenfeuer entfacht. Das sei ein Spektakel für die ganze Gemeinde. Spektakulär war für die Gäste auch der anschliessende überraschende Auftritt der lokalen «Gugge» auf der Hubel. 

Auf dieses Highlight folgte ein zweites, ebenso unerwartetes: Die historische Perle von Erschwil. Sie versteckt sich im Zentrum der Gemeinde, in der katholischen Kirche. Auch hier, an der zweiten Station, macht der Gastgeber seine Gäste darauf aufmerksam, dass man in der Kirche wieder mit allen Sinnen wahrnehmen soll. Gemeint hat er besonders den Gehörsinn: Denn in der Kirche ist die Perle, also die Orgel, zu hören. Sie sei der Schatz von Erschwil und stamme aus dem  Jahr 1788, gibt die Organistin später zu wissen, bevor sie sich wieder daran setzt und sie zum erklingen bringt. Die vier Gäste sind begeistert. Louis meint sogar: «Solch schöne Momente habe ich schon lange nicht mehr in der Kirche erlebt. Absolut genial.»

Etwas enttäuscht zeigen sich die vier jedoch von der letzten Station, der Kulinarik. Peter wollte es simpel halten und seine Gäste mit einem «Buurezvieri», wie ihn seine Grossmutter vorzubereiten pflegte, verwöhnen. Das geht jedoch zwischen den Highlights des Tages etwas unter. 

Für den unkomplizierten Tag erhält Peter Anklin ebenfalls wie sein Nachbar 32 von 40 möglichen Punkten.

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» Kanton Solothurn – Tag 2 – Erschwil

Tag 3: Egerkingen

Louis Bischofberger ist eigentlich gebürtiger St. Galler. Doch der (noch) Küchenchef und Geschäftsführer des Gasthofs Kreuz in Egerkingen lebt seit 30 Jahren in der Gäuer Gemeinde. Er sehe daher Egerkingen sehr wohl als seine Heimat, die er sich durch Beziehungen zu seinen Mitarbeitern und Gästen geschaffen hat. Besonders schätze er allerdings den Wald im Dorf: Die Gemeinde besitzt nämlich nicht nur eine bekannte Autobahnausfahrt, sondern besteht zur Hälfte aus bewaldeter Fläche. 

Die Begrüssung am dritten Tag findet allerdings nicht im Wald, sondern im Zentrum des Dorfes bei der «Alten Mühle» statt. Mit warmem Tee und kleinen Würstchen vom Grill empfängt der Gastgeber seine vier Gäste an jenem offensichtlich kalten Morgen und lädt sie auf eine Besichtigungstour durch die Mühle ein. Sie erfahren, dass die Räumlichkeiten oft für Trauungen und Zeremonien genutzt würden und teilen die besondere Faszination des Gastgebers für die alte Bauweise des Jahrhunderte alten Gebäudes. Auf weniger Begeisterung stösst allerdings die anschliessende Präsentation über die Geschichte Egerkingens, die Louis vorbereitet hatte. 

Umso erleichterter waren die vier Gäste, als sie auf eine Wanderung auf die «Höchi Flue» mitgenommen wurden – laut Louis nehmen diese Route viele Egerkinger am Wochenende. Oben, auf der Höhe gab er seinen Gäste eine Lektion im Sektflaschen-Öffnen. Natürlich nicht auf die konventionelle Weise: Nach einer einleuchtenden Erklärung der sogenannten Sollbruchstelle von Sektflaschen köpft er gemeinsam mit den Damen der Gruppe die Flaschen, welche bereits auf einem Bänkli auf sie warteten. Und dann wird angestossen. Gleich zweimal, denn beim anschliessenden Besuch in der Jagdhütte gibt's auch noch Schnaps. 

Zu guter Letzt gibt der gelernte Koch Louis seinen Gästen eine Kochlektion, wo die vier Solothurner erstmals einer «Kartoffelspirale» begegnen, und serviert der nun hungrigen Gruppe Fischnknusperli und frittierte Kartoffelspiralen. 

Am Ende des Tages wird bei den Gästen die Kritik laut, es sei etwas langfädig gewesen. Und das wiederspiegelt sich stückweit auch in der Punktzahl des Gastgebers: 31 von 40, also 1 weniger als seine bisherigen Konkurrenten. Damit steht bereits am Mittwoch fest, dass Louis nicht gewinnen kann. 

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» Kanton Solothurn – Tag 3 – Egerkingen

Tag 4: Feldbrunnen - St. Niklaus

Andrea Brotschi lebt heute in Stallikon bei Zürich. Doch das Herz der 31-Jährigen und somit der jüngsten der Gruppe schlägt noch immer für Feldbrunnen, wo sie aufgewachsen ist. Die gelernte Kauffrau habe ihren Herzensort verlassen müssen, um ihrer Karriere als Model und Moderatorin nachzugehen. Sie kehre allerdings oft und gerne an den ruhigen Ort zurück, um beispielsweise ihre Grosseltern oder das Dorftheater zu besuchen. 

Ihre «herzige, sympathische, bodenständige und naturverbundene» Heimat, will sie am vierten Tag ihren Kontrahenten näher bringen und begrüsst sie gleich in etwas weniger bescheidener Manier als erwartet: Mit einem Apéro vor dem Schloss Waldegg. Der Empfang macht grossen Eindruck auf die Gäste, ebenso wie die nachfolgende Führung durch das Barockschloss, welches Ende des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. Dann wurde das Schloss zum Laufsteg umfunktioniert: In zeitgenössichen Kleidern des 17. Jahrhunderts dürfen die Solothurner für ein Andenken-Foto posieren. Manche mit mehr und andere mit weniger Erfolg. Nicht alle fühlten sich wohl in den Einheitsgrössen des Barockzeitalters.

Wieder in Freizeitkleidern des 21. Jahrhunderts führt die Feldbrunnerin ihre Gäste zum Megalithweg und damit zur nächsten Station: Die Freizeit. Sie habe als Kind viele Stunden spielend auf dem Weg verbracht, teilt sie ihren Mitstreitern mit und fährt mit Einzelheiten zu den Gletschersteinen fort. Zurück im Dorf und schon bei der Station Kulinarik angelangt, stellt Andrea ihren Gästen das Restaurant Pintli vor. Auch hier habe sie viele Kindheitserinnerungen. Das gemeinsame Abendessen wird anschliessend mit frischem Bärlauch aus dem Garten des Restaurant zusammen vorbereitet. Es gibt: Schweinsfilemedaillons mit Bärlauchspätzli.

Für den gelungenen Tag erhält Andrea 32 von 40 Punkten und ist damit auf gleichem Rang wie Urs und Peter. Evis Tag wird entscheidend sein. 

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» Kanton Solothurn – Tag 4 – Feldbrunnen-St. Niklaus

Tag 5: Burgäschi

Evi Schweizer lebt seit sieben Jahren an ihrem Herzensort. Die 60-jährige Walliserin aus Naters hat am Burgäschisee ihre Heimat gefunden, wo sie das Rerstaurant «Seeblick» betreibt. Der gelernte Kosmetikerin hat es vor allem die Vielfalt von Burgäschi angetan und das möchte sie nun als letzte Kandidatin der Woche ihren vier Gästen näher bringen. 

Sie empfängt die Gäste direkt am Burgäschisee gemeinsam mit dem Bürgergemeindepräsidenten Thomas Jäggi. Dieser weiss Vieles über die Vergangenheit der Gemeinde zu erzählen, beispielsweise dass die historischen Funde rund um den See zum Unesco Weltkulturerbe gehören. Mit im Gepäck hat der Bürgergemeindepräsident zwei Fischerruten: Fischen sei nämlich eine Tradition in Burgäschi. Und so dürfen sich Andrea, Louis, Urs und Peter mehr oder weniger erfolgreich am Auswurf der Rute üben. Einen Fisch können sie nicht an Land ziehen. 

Bei der Station Freizeit begegnen die vier dem Kobold «Pumpelpitz» und seinem Schöpfer aus dem Solothurner Thal Simon Fankhauser. Singend kommt er daher - «Jetzt chunnt de Pumpelpitz, de chliini loschtigi Waldkobold mit em goldige Nasespitz» - und bald singen auch alle fünf Kandidaten mit. Der Musiker plane am Burgäschisee Pumpelpitz-Attraktionen, um Kinder wieder mehr in die Natur zu locken. Als Blickfang steht bereits ein hölzerner kleiner Kobold am Ufer. Die Gäste haben Freude daran, besonders Andrea, die sich glatt in das Kerlchen verliebt hat. 

Evi präsentiert ihre Herzensgemeinde mit inniger Ruhe, ohne Hektik und mit einem schlichten und einfachen Plan. An den hält sie sich auch an der letzten Station: In ihrem Restaurant «Seeblick» dürfen die Gäste mit der Unterstützung eines Mitarbeitenden ihr Menü selber vorbereiten. 

Spektakulärer wird es nicht. Dennoch erhält die Walliserin Evi zwei Punkte mehr als ihre zweitplatzierten Mitstreiter und geht mit 34 Punkten als Siegerin der Woche hervor.

«Mini Schwiiz, dini Schiiz» Kanton Solothurn – Tag 5 – Burgäschi

Fazit

Alle fünf haben sich ins Zeug gelegt und versucht, das Beste aus ihrer Herzensgemeinde zu holen. Der Wochensieg überrascht dennoch: Hatten doch Andrea und Urs viel Aussergewöhnliches und Spannendes zu bieten. Das sahen die Kandidaten wohl anders. Und so gewinnt die Walliserin Evi die Solothurner Woche bei «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» mit ihrer schlichten «Tour de Burgäschi».

Beinwil, Urs Saner: 32 Punkte

Erschwil, Peter Anklin: 32 Punkte

Egerkingen, Louis Bischofberger: 31 Punkte

Feldbrunnen-St. Niklaus, Andrea Brotschi: 32 Punkte

Burgäschi, Evi Schweizer: 34 Punkte

(gue) 

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