Der gute Akt
So kommen Kinderskis aus Lostorf nach Rumänien

Rund 40 Paar Ski und Snowboards für bedürftige rumänische Kinder kamen zusammen. Die Sammelaktion wird im kommenden Frühling wiederholt. Initiiert hat sie der Pfarrer Michael Schoger aus Obergösgen.

Beat Wyttenbach
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Vollgestopft bis unters Dach – Pfarrer Michael Schoger (links) und Tiberiu Emil Tioc haben logistisch ganze Arbeit geleistet. Bruno Kissling

Vollgestopft bis unters Dach – Pfarrer Michael Schoger (links) und Tiberiu Emil Tioc haben logistisch ganze Arbeit geleistet. Bruno Kissling

Angefangen hat alles diesen Sommer, als eine Gruppe aus Lostorf und Umgebung an einer ökumenischen Gemeindereise nach Rumänien teilnahm. Damals wurde auch das Donaudelta bereist; die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten sich vom Ökologen und Biologen Tiberiu Emil Tioc, dem Vorsitzenden der rumänischen Naturfreunde, über das ökologische System informieren lassen. Auch Obergösgens Pfarrer Michael Schoger kam mit dem 37-Jährigen, der wie er selber in der Nähe des heutigen Sibiu, dem früheren Hermannstadt, aufgewachsen ist, ins Gespräch, und erfuhr von ihm, dass er in Hermannstadt im Winter ehrenamtlich Kindern Vorträge zum Thema Umweltschutz hält und täglich 18 bis 20 Kindern mit Kollegen zusammen das Skifahren beibringt. Auch Schulferienlager dienen dem Skiunterricht.

«Jedoch ist es so, dass sich viele Leute Skiausrüstungen für ihre Kinder nicht leisten können», erzählt Tioc. Schoger, der rasch eine freundschaftliche Beziehung zum rumänischen Biologen aufbaute, fragte ihn, wie er helfen könne, und so war die Idee, nicht mehr benötigte Kinderski- und Kindersnowboard-Ausrüstungen zu sammeln, schnell geboren. Ein reger Mailverkehr zwischen Schoger und Tioc führte im Herbst dann zu einem entsprechenden Spendenaufruf via Mail und Medien, der, so Schoger «von Erfolg gekrönt war». 36 Paar Ski und fünf Snowboards samt Stöcken, Anzügen und Zubehör sind beim evangelisch-reformierten Pfarramt in Obergösgen abgegeben worden, und am vergangenen Sonntag traf Tioc mit seinem VW Passat Kombi im Niederamt ein, um alles abzuholen.

In den Karpaten ein zweites Leben

Ein Blick in den «Passat» machte klar: Hier hat keine Büroklammer mehr Platz; der PW ist bis unters Dach vollgestopft. «Diese Sammelaktion hat mir Spass gemacht, weil es um etwas Konkretes ging», verrät Schoger. So gelangen also Wintersport-Ausrüstungen, die sonst entsorgt worden wären, in den rumänischen Karpaten zu einem zweiten Leben. Sogar über Ebay habe man nach Ski nachgefragt und viele gratis erhalten; von Hägendorf bis nach Dulliken über den Pfarrkreis Obergösgen-Lostorf hinaus hätten die Leute gespendet, weiss ein überglücklicher Pfarrer Schoger zu berichten.

«Ich bin dankbar für diese Ausrüstungen und weiss das zu schätzen, auch im Namen der Kinder», ergänzt Tioc. Die Kleinen werden nun bald Gelegenheit erhalten, ihre ersten Gehversuche auf den jeweils rund 600 Metern langen Skipisten zu tätigen.

Der Tourismus-Führer und Skilehrer hat den Transport aus der eigenen Tasche bezahlt; kurz vor Weihnachten geht die ganze Sammlung nach Rumänien, wo die Ausrüstungen von Heiligabend an bereits eingesetzt werden. Die Kinder können die Ski und Snowboards gratis verwenden, müssen sie aber wieder zurückgeben, damit möglichst viele davon profitieren können. Und das Skifahren ist in Rumänien ganz offensichtlich beliebt. «Einige Kinder schlafen sogar mit den angezogenen Ski im Bett», erzählt Tioc lachend.

Und das soll es aber noch nicht gewesen sein. Schoger und Tioc möchten die Sammelaktion im Frühling, Ende der Saison, wiederholen. Wer dannzumal also Kinderski und Snowboards sowie weitere Ausrüstungsgegenstände zu Hause rumstehen hat und sie loswerden möchte: Bitte nicht entsorgen, sondern sich bei Pfarrer Michael Schoger melden (Tel. 062 295 40 06); er wird die Wintersport-Utensilien gerne entgegennehmen und sie an Tiberiu Emil Tioc weiterreichen, auf dass noch möglichstviele rumänische Kinder in den Genuss von ausrangierten Schweizer Wintersportausrüstungen kommen können.