Gemeinwohl

So grosszügig sind die Solothurner mit Spenden

Spenden an als gemeinnützig anerkannte Hilfswerke sind steuerlich absetzbar.

Spenden an als gemeinnützig anerkannte Hilfswerke sind steuerlich absetzbar.

Zahlen des kantonalen Steueramts zeigen erstmals, wie freigiebig sich die Bevölkerung für gemeinnützige Zwecke einsetzt. Manche spenden sogar Hunderttausende Franken. Wichtige Fragen und Antworten zur Spendensaison.

Winterzeit ist Spendenzeit. Wenn es draussen kälter wird und die Tage kürzer werden, öffnen viele ihr Portemonnaie für gute Zwecke. Die Schweizer lassen den Hilfswerken gerne Geld zukommen, und zwar immer mehr: In den vergangenen Jahren wuchs das Spendenvolumen stetig. Über 1,8 Milliarden Franken flossen allein 2016 an gemeinnützige Institutionen, wie Zahlen der Zertifizierungsstelle Zewo zeigen.

Ob auch 2017 zu einem Rekordjahr wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Je näher Weihnachten rückt, desto stärker werben Organisationen um Unterstützung. Doch egal, ob es um Hilfe für arme Kinder, um Umweltschutz oder um Entwicklungszusammenarbeit geht: Der Staat fördert die guten Gaben mit einem Steuerbonus. Allein im Solothurnischen belaufen sich die Spenden-Abzüge bei der Einkommenssteuer auf über 32 Millionen Franken pro Jahr, wie Zahlen der Behörden nun erstmals zeigen.

Wen die Kantonsbevölkerung unterstützt, wie man in den Genuss eines Steuerabzugs kommt und warum die Spende an einen Dorfverein nicht gemeinnützig ist – die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Wann dürfen Spenden von den Steuern abgezogen werden?

Wer als Privatperson spendet, tut damit nicht nur Gutes, sondern spart auch Steuern. Je nach Einkommen, Vermögen und gespendetem Betrag reduziert sich die Steuerrechnung beträchtlich. Vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden dürfen jene Beiträge, die zu Lebzeiten an eine gemeinnützige Organisation weitergegeben werden. Spenden können sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den Steuern in Kanton und Gemeinde abgezogen werden. Im Kanton Solothurn ist dafür ein Mindestbetrag von 100 Franken festgeschrieben. Gleichzeitig darf der Abzug höchstens 20 Prozent des Nettoeinkommens gemäss Steuererklärung betragen – also einen Fünftel der um die Aufwendungen verminderten Einkünfte.

Grundsätzlich müssen die Zuwendungen gegenüber dem kantonalen Steueramt offengelegt werden. Mit der Steuererklärung sollten Belege oder zumindest eine Aufstellung mit genauer Bezeichnung der begünstigten Institutionen eingereicht werden. Die Behörde darf Belege zu Kontrollzwecken anfordern.

2. Gibt es für Spenden grundsätzlich einen Steuerbonus?

Nein. Nur wer eine als gemeinnützig anerkannte Organisation unterstützt, kann seine Zuwendung von den Steuern abziehen. Gemeinnützig oder nicht – das entscheidet das Steueramt: Die Behörde führt ein online zugängliches Register, in dem Organisationen aufgeführt sind, für die man Spenden abziehen kann. Eine entsprechende Liste kennen die meisten Kantone. Im Solothurnischen umfasst sie derzeit 17 Seiten mit über 600 Einträgen. Nebst den einschlägig bekannten Institutionen finden sich darunter etwa auch die Organisation Pro Indigena zur Unterstützung der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas, domiziliert in Solothurn, oder der Verein zur Erhaltung und Förderung von Arzneipflanzen (Vefa) mit Sitz in Witterswil.

Spenden an Institutionen, die in anderen Kantonen von Steuerbefreiung profitieren, sind in der Regel ebenfalls abziehbar. Und grundsätzlich immer von den Steuern befreit sind Organisationen, die ein Gütesiegel der Zewo besitzen. Die Stiftung überprüft, ob wohltätige Institutionen seriös arbeiten. Wer zertifiziert werden will, muss ein Prüfverfahren durchlaufen und rund hundert Kriterien erfüllen.

3. Wie viel Geld spendet die Solothurner Bevölkerung?

Präzise Anhaltspunkte liefern die eingeforderten Steuerabzüge. Das Solothurner Steueramt hat entsprechende Zahlen auf Anfrage dieser Zeitung erstmals offengelegt. Demnach bewegten sich im Kanton die Spenden an gemeinnützige Institutionen in den Jahren 2013 bis 2015 zwischen 32,3 und 32,7 Millionen Franken. Rund 39'000 Personen – ein Viertel der Steuerpflichtigen – machten jeweils entsprechende Abzüge geltend. Wer Geld spendete, brachte 2015 durchschnittlich 824 Franken in Abzug. 2014 waren es 839 Franken, im Jahr davor 856 Franken. Allerdings sind die Durchschnittswerte mit Vorsicht zu geniessen. Denn im Kanton Solothurn gibt es vermögende Steuerzahler, die mehrere tausend Franken für gemeinnützige Zwecke spenden. In den Jahren 2013 und 2014 lag der höchste gemachte Abzug jeweils bei über 800'000 Franken, 2015 bei über 300'000 Franken.

Genauere Aussagen über die Spendenfreudigkeit der Solothurner lassen sich treffen, wenn man den Median betrachtet. Der Wert betrug zuletzt 350 Franken; er entspricht sozusagen der «Spende in der Mitte». Das heisst: Jenseits des Medians gibt es rechnerisch genauso viele kleinere wie grössere Spenden.

4. An wen fliessen die Spenden? Und wie wird das Geld überwiesen?

Die von der Zewo zertifizierten Hilfswerke haben im vergangenen Jahr insgesamt über eine Milliarde Franken erhalten. Laut ihren Angaben entspricht das rund 60 von 100 gespendeten Franken. Die bedeutendsten Geldgeber sind dabei die privaten Haushalte, wobei der grösste Teil von ihnen weiterhin klassische Kanäle zum Spenden bevorzugt. Überweisungen per Bank oder Post sind mit einem Anteil von über 90 Prozent am wichtigsten.

Doch wer spendet wofür? Erhellend ist die 2016 veröffentlichte Studie «Spendenmarkt Schweiz»: In einer repräsentativen Umfrage wurden Menschen mit Behinderung (54 Prozent), Kinder und Jugendliche (51 Prozent) sowie Nothilfe (47 Prozent) als häufigste Spendenempfänger genannt.

5. Warum dürfen Spenden an lokale Vereine nicht abgezogen werden?

Mit dieser Frage beschäftigte sich auch die Solothurner Politik schon mehrfach, etwa wegen eines Vorstosses der SVP-Kantonsratsfraktion im Jahr 2010. Die Partei kritisierte: Es sei unverständlich, dass beispielsweise Spenden an ein im Ausland tätiges Hilfswerk steuerlich begünstig werden, während Zulagen an Dorfvereine wie die Musikgesellschaft oder die Turner nicht abzugsfähig seien.

Der Regierungsrat erinnerte daran, dass die Gemeinnützigkeit entscheidend sei für die Steuerbefreiung. «Nach gefestigter Praxis und Rechtsprechung setzt das zweierlei voraus: das Interesse der Allgemeinheit und die Uneigennützigkeit der Tätigkeit.» Demgegenüber verfolgten Dorfvereine primär die Interessen ihrer Mitglieder – was gemäss der Regierung «zwar positiv zu bewerten ist», aber eben nicht gemeinnützigen, sondern ideellen Charakter hat.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1