Kanton Solothurn

So geht Wahlkampf: Auch sie buhlen um die Gunst der Wählerschaft

Wie aktiv sind Walter Wobmann und Stefan Müller-Altermatt im Wahlkampf?

Wie aktiv sind Walter Wobmann und Stefan Müller-Altermatt im Wahlkampf?

Seit Wochen tobt der Kampf um jede einzelne Stimme. Wir zeigen vier Beispiele aktiver Kandidatinnen und Kandidaten aus unserem Kanton. Für Walter Wobmann ist eine Wahlkampftruppe unterwegs und auch Stefan Müller-Alterrmatt wird fleissig unterstützt.

Kabelbinder, Skistock und zwei Freunde

Walter Wobmann: Sie investieren viel Zeit, um die Plakate von Walter Wobmann aufzuhängen: Ernst Haller und Heinz Scheuber. Es ist auch ein Freundschaftsdienst.

Heinz Scheuber (auf der Leiter) und Ernst Haller im vollen Einsatz für ihren Freund Walter Wobmann, National- und Ständeratskandidat der SVP.

Heinz Scheuber (auf der Leiter) und Ernst Haller im vollen Einsatz für ihren Freund Walter Wobmann, National- und Ständeratskandidat der SVP.

Zuerst will «der Walti» da oben nicht so recht halten. Doch ein Handgriff später ist alles perfekt. Walter Wobmann lächelt. Das Plakat des Gretzenbacher Nationalrats prangt vom Kandelaber in Schönenwerd. Im Hintergrund steigt Dampf aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks Gösgen in den Morgenhimmel.

Es ist Samstag, kurz nach sieben. Noch sind die Strassen leer und die Strassenlaternen frei von Plakaten. Der persönliche Wahlkampftrupp von Walter Wobmann macht sich auf den Weg. Im weissen Nissan-Lieferwagen von Ernst Haller und Heinz Scheuber liegen Dutzende von Wobmann-Plakaten, ein Akku-Schrauber, Hammer, Kabelbinder und Holzpfähle.

Die beiden Männer gehören zu den Ersten im Kampf um die besten Standorte, dort, wo es viel Verkehr hat; am liebsten vor Ampeln, wo die Autos langsamer fahren müssen. Die beiden Männer sind «für den Walti» unterwegs. Im ganzen Kanton hängen sie rund 150 Plakate auf. Sie kennen den Nationalrat, sie feiern gemeinsam Geburtstagsfeste.

Per Skistock geht der Walti hoch

Von Gretzenbach geht es über Schönenwerd, Erlinsbach und Kienberg auf Tour durch den ganzen Kanton. Wobmann setzt auf Präsenz. Auf der Strasse hat er seine Wähler: Bei Töff-Treffpunkten gibt es ein spezielles Sujet, rund 35 Autoheckscheiben sind mit seinem Konterfei beklebt. Ein Transportunternehmer fährt mit Wobmanns Lächeln über die Autobahnen.

«Der Walti wott nid ufe», sagt Heinz Scheuber in Schönenwerd, schiebt nochmals nach und schon hängt der lächelnde SVP-Mann am richtigen Ort. «Die Plakate stören viele. Aber Kandidaten brauchen doch auch Aufmerksamkeit», sagt Ernst Haller.

«Schlimmer ist, wenn von jemandem gar nicht geredet wird.» 15 Seiten Regelwerk hat Haller – graues Haar, braun gebraunt, Bart – ausgedruckt. Er weiss, in welcher Gemeinde wo Werbeschilder stehen dürfen.

Er weiss, dass die Kandelaber gegen oben dünner werden und er hat einen Skistock dabei, um die Plakate etwas höher zu schieben als normalgewachsene Menschen hinzulangen vermögen. Denn SVP-Plakate sind besonders Vandalismus ausgesetzt. Keine fünf Minuten dauert es, ein Plakat zu montieren.

Am Kaffeetisch ist Walter Wobmann der «Walti». «Er ist einer von uns», sagt Heinz Scheuber, gelernter Bierbrauer und heute für die Gemeinde Schönenwerd tätig. «Was er sagt, verstehen die Leute.» Haller, Ingenieur im Unruhestand, ist auch politischer Weggefährte von Walter Wobmann.

Zusammen sind sie durchs Land gefahren, um die Erhöhung der Autobahn-Vignette zu bekämpfen. Der «Blick» hat ihn als «Chauffeur von Wobmann» bezeichnet. «Ziel ist, dass Walter Wobmann wieder das beste Resultat aller Nationalräte im Kanton macht», sagt Haller.

In einigen Wochen werden die beiden Männer nochmals unterwegs sein. «Wer die Plakate aufhängt, holt sie auch wieder runter», sagt Ernst Haller. «Das ist Ehrensache.»

Fleissige Musikantenfinger adressierten im Akkord

Stefan Müller-Altermatt: Eigentlich ist er für Facebook- und Twitter-Aktivitäten bekannt. Doch im Wahlkampf setzt Stefan Müller-Altermatt auf den guten alten Brief –
natürlich von Hand adressiert.

Die Kolleginnen und Kollegen von der Musikgesellschaft beschrifteten für CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (r.) Hunderte von Couverts.

Die Kolleginnen und Kollegen von der Musikgesellschaft beschrifteten für CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (r.) Hunderte von Couverts.

Alleine wäre Stefan Müller-Altermatt nicht weit gekommen. Doch seine Musikgesellschaft hat dem Thaler Nationalrat auch bei der politischen Knochenarbeit weitergeholfen. Hunderte persönlicher Briefe hat der Herbetswiler CVP-Mann an potenzielle Wähler verschickt – die genaue Zahl will er nicht nennen. Doch klar ist: Ohne die Musikgesellschaft Konkordia Wolfwil wären die Couverts des Waldhornisten und Energiepolitikers nie in den Solothurner Briefkästen gelandet.

Der persönliche Brief ist für Müller-Altermatt «eine Wertschätzung gegenüber dem Wähler». Der 39-Jährige hat das Telefonbuch genommen und Adressen gesucht, vorwiegend in Orten, in denen die CVP das letzte Mal gut abgeschnitten hat. «Du musst mobilisieren, wo Du erfolgreich bist», sagt Müller-Altermatt. «An anderen Orten ist es schwieriger.»

Die Adresse auf dem Couvert, das war für Müller-Altermatt klar, muss handgeschrieben sein. Und so musste seine Musikgesellschaft Hand anlegen. Nach dem letzten Konzert an einem Samstagmorgen liess Müller-Altermatt den Catering-Service kommen. Er zahlte seinen Kollegen das Mittagessen, rund 20 Vereinsmitglieder haben ihm dann in der alten Turnhalle in Wolfwil Namen, Strassen und Ortschaften auf die Briefcouverts geschrieben

«Und ich habe im Akkord unterschrieben.» Müller-Altermatt hofft, dass sich der Sondereffort lohnt. «Ein Brief ist etwas Persönliches.» Die Briefe sollen ebenso wie die Energieriegel, die er auf dem Markt verteilt, die Wähler mobilisieren. Für ihn ist dies im Moment entscheidend.

Bei allem authentisch bleiben

Der Thaler Nationalrat ist auf allen Kanälen präsent: Internet, Plakate an Strassenlaternen, er verteilt Riegel. Was wirkt, was wirkt nicht? «Keiner wählt mich wegen des Plakates», sagt Müller-Altermatt. Plakate würden eine Person vor allem bekannt machen.

Obwohl dies bei Müller-Altermatt nach vier Jahren in Bern nicht mehr unbedingt nötig ist, verzichtet er nicht auf dieses Werbemittel. «Macht man dort nicht mit, heisst es schnell: Der hat es nicht nötig», sagt Müller-Altermatt.

Auf dem Markt zu stehen und Riegel zu verteilen, das ist Mobilisieren der eigenen Wähler. Dabei setzt der CVP-Mann auf zwei Schlagworte: Energie und Familie. Ist es nicht problematisch, wenn sich ein Politiker auf zwei Themen beschränkt? «Bis jetzt habe ich keine negativen Rückmeldungen», sagt Müller Altermatt. «Ich bin vor allem Familien- und Energiepolitiker. Ich kann nicht plötzlich als Gesundheitspolitiker auftreten.» Es gehe darum, authentisch zu bleiben.

Rückmeldungen auf die Briefe sind bisher spärlich, für Müller-Altermatt ist das ein gutes Zeichen. Zwei Tage nach der Verteilaktion hat sich allerdings eine deutsche Staatsbürgerin gemeldet, die den Brief auch erhalten hat. Die Stimme kann sie ihm nicht geben

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