Produktion
So gehen regionale Joghurt-Hersteller mit dem Thema Zucker um

Der Zuckergehalt in Joghurt und Müsli soll reduziert werden. Zwei Hersteller aus der Region würden eine neue Vorschrift positiv aufnehmen. Inwiefern ist dort der Zucker in der Produktion ein Thema - was würde eine Regelung für die Betriebe bedeuten?

Noëlle Karpf
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Der Zuckergehalt von Joghurts soll in den nächsten vier Jahren reduziert werden. (Symbolbild)

Der Zuckergehalt von Joghurts soll in den nächsten vier Jahren reduziert werden. (Symbolbild)

Keystone

Der Zuckerkonsum pro Kopf liegt in der Schweiz mit 159 Gramm pro Tag sehr hoch im Vergleich zu anderen Ländern. Deshalb wollen Staat und Wirtschaft den Zuckergehalt in Lebensmitteln reduzieren. Bei Joghurts und Müsli soll angefangen werden, da dort relativ viel Zucker enthalten ist und der Konsum dieser Nahrungsmittel in der Schweiz eher hoch ist. Zwei Molkereien im Kanton Solothurn achten schon jetzt auf einen regulierten Zuckergehalt in den von ihnen produzierten Joghurts.

Bei der Molkerei Lanz AG in Obergerlafingen ist der Zucker schon seit langer Zeit ein Thema. Vor ungefähr 15 Jahren habe man sich dazu entschieden, in der Joghurt-Produktion weniger Zucker zu verwenden, sagt Thomas Wyss von der Molkerei Lanz AG.

«Milde Joghurt-Kultur»

«Früher war man der Meinung, dass ein Joghurt einfach sauer sein müsse - deswegen litten viele Konsumenten aber unter Magenbrennen. Wir sind schon vor geraumer Zeit auf die ‹milde Joghurt-Kultur› umgestiegen», erklärt er weiter, «deshalb brauchen wir auch automatisch weniger Zucker bei der Herstellung, weil die Joghurts jetzt weniger sauer sind.»

Sind die Joghurts zu sauer, könne man sie nicht gut verkaufen. Es kämen aber häufig positive Rückmeldungen, weil die Joghurts eben nicht zu süss seien. Ausserdem reduzierte die Lanz AG vor zirka 1,5 Jahren schon den Zuckerzusatz in ihrer Produktion um ein Prozent.

Wie viel Zucker ist denn überhaupt in einem Joghurtbecher drin? «Eine genaue Angabe ist eigentlich nicht möglich», so Wyss. «Ist zum Beispiel der Fettgehalt hoch, braucht es weniger Zucker. Einige Früchte-Joghurts sind auch bekömmlich ohne viel zusätzlichen Zucker, bei anderen wird das Aroma durch eine höhere Zugabe besser zur Geltung gebracht.» Allgemein kann man sagen, dass der Zuckergehalt pro Becher um die zehn Prozent beträgt.

Neue Regulierung des Zuckergehalts

Sollte es zu einer Verordnung bezüglich Zucker in Joghurts kommen, so meint Wyss ganz klar: «Die Reduktion sollte laufend in kleinen Schritten geschehen. Ausserdem ist es wichtig, dass dann der gesamte Markt zurückfährt.» Somit gäbe es keinen zu grossen Unterschied zwischen den einzelnen Hersteller, und der Kunde könnte sich besser an die Veränderung gewöhnen.

Nebst der Verringerung des Zuckergehalts in den Joghurts gibt es laut dem Vorstandsmitglied des Berufsverbands Molkereifachleute der Schweiz (BVM) noch eine andere Möglichkeit um den Konsum zu regulieren: Durch generell kleinere Mengen an Joghurt würde sich der zu sich genommene Zuckeranteil automatisch reduzieren.

Ein weiterer Vorteil: Keine abgelaufenen Reste, die weggeworfen werden müssen, weil die Portion zu gross war. «Früher waren 180 Gramm Joghurt-Becher der Standard - heute gibt es vermehrt auch 125 Gramm Portionen», so Wyss. Kleinere Mengen kämen gerade in Spitälern und Altersheimen gut an. Weil wir uns heute ausgewogener ernähren, sind so grosse Portionen auch gar nicht mehr nötig. Das ist laut Wyss eine «generelle Entwicklung».

Vertreter der Molkerei waren dabei, als die Abmachung zur Senkung des Zuckergehalts vom Bund und Schweizer Lebensmittelfirmen getroffen wurde - Thomas Wyss meint das sei eine «gute Geschichte».

Meinung von kleinerem Betrieb aus der Region

Auch bei einem anderen Hersteller aus der Region würde eine neue Vorschrift gut ankommen. Der Schlatthof in Wolfwil produziert Bio-Joghurt, und verwendet onehin weniger Zucker als konventionelle Betriebe. Bei einer neuen Regelung würde es weniger Zucker in den konventionellen Joghurts geben - dann könnten wir auch bei unserer Produktion nochmals zurückschrauben», erklärt Betriebsleiter Erwin Ackermann. «Wenn die Kunden langsam an weniger süsse Produkte gewöhnt werden, dann nimmt es ihnen bei saureren Joghurts nicht gleich den Hemdstiel rein». Mit der Regulierung von Zucker hätte man sich auch auf dem kleinen Betrieb schon auseinandergesetzt.

«Bei unseren Knospen-Joghurts beträgt der Zuckergehalt zirka sechs Prozent», erzählt er. Die Joghurts vom kleinen Betrieb sind im Vergleich mit den Produkten von Grossherstellern eher sauer. Aber die Kunden des Schlatthof wissen und schätzen das.

«Da wir ein sehr kleiner Betrieb sind, gibt es aber häufiger Schwankungen, die wir dann ausgleichen müssen» - und genau das sei das Schwierigste bei der Herstellung. Grosshersteller produzieren viel grössere Mengen und kennen dieses Problem nicht. «Das ist eine komplett andere Dimension», sagt der Meisterlandwirt vom Schlatthof.

Ausserdem würden bei den Produkten von den industriellen Betrieben diverse Angaben zum Inhalt gar nicht gemacht. So müssen zum Beispiel laut Lebensmittelgesetz Bindemittel und Milchpulver nicht auf der Verpackung aufgeführt werden. Und wenn auf einem Joghurt Fruchtzucker angegeben ist, entsteht für gewöhnlich auch keine korrekte Vorstellung vom Becherinhalt. «Fruchtzucker tönt halt gesünder für den Käufer - für die Gesundheit ist es aber im Prinzip dasselbe wie Kristallzucker», erklärt Ackermann.

Für biologische Produkte gelten da schon andere Bedingungen. So wird die Milch auf dem Schlatthof nicht gestreckt. Und gefärbt wird auf dem kleinen Betrieb auch nicht. Das Erdbeer-Joghurt vom Schlatthof ist nicht rot, so wie es sich die Meisten gewohnt sind. «Viele wissen das gar nicht, aber bei der Erdbeere ist nur die Aussenseite rot - das Fruchtfleisch hingegen weiss. So sind Erdbeer-Joghurt eigentlich nur rot, wenn sie mit Randensaft gefärbt werden», informiert der Bio-Experte.

Tipp für kontrollierten Zuckerkonsum

Betriebsleiter Erwin Ackermann verrät einen Tipp, wie jeder den Zuckergehalt im Joghurt individuell kontrollieren kann: Mit dem Kauf von Nature-Joghurt. Bei vielen «Nature»-Produkten ist schon Zucker drin, bevor der Käufer das Joghurt süsst. Nicht so bei den Produkten aus Wolfwil. «50% unserer Joghurts sind nature - jeder Kunde kann zu Hause dann beliebig Früchte, Ovomaltine oder Zucker reintun, so wie er's gern hat. Dann weiss er gleichzeitig auch genau, was in seinem Joghurt drin ist.» Schmecken tut so eine Kreation gerade im Sommer sicherlich auch.

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