Austauschschüler

So erfolgt kultureller Austausch in einer Solothurner Gastfamilie

Gastfamilie Jenni-Meyer aus Solothurn mit ihrer Austauschschülerin Sze Yee Tan (18) aus Malaysia.

Gastfamilie Jenni-Meyer aus Solothurn mit ihrer Austauschschülerin Sze Yee Tan (18) aus Malaysia.

Familie Jenni-Meyer aus Solothurn ist eine der Gastfamilien von AFS Schweiz. Anfang 2015 reiste ihre Tochter nach Paraguay. Dies war für die Familie der Grund, selber als Gastfamilie und Brückenbauer zwischen Kulturen aktiv zu werden.

Für einen sechsmonatigen Austausch reiste Lea Jenni Anfang dieses Jahres nach Paraguay. Ihre Familie entschied sich darauf, die 18-jährige Malaysierin Sze Yee Tan bei sich aufzunehmen.

Bevor sie aber im Februar dieses Jahres aufeinandertreffen konnten, mussten Gastfamilie und Austauschschülerin einen Fragebogen ausfüllen. Danach wurden sie aufgrund ähnlicher Interessen und Freizeitaktivitäten einander zugeteilt. «Wir erhielten nachher drei Dossiers von Austauschschülern und konnten aktiv mitentscheiden, wen wir in diesen sechs Monaten bei uns haben werden», erklärt Nicole Jenni-Meyer.

Als Sze Yee dann in der Schweiz ankam, wurde für alle wichtigen Dinge zuerst Englisch gesprochen. «Sie konnte vorher halt noch kein Deutsch. Aber es ist auch keine Voraussetzung, dass man als Gastfamilie Englisch spricht. Dann muss man sich halt zu Beginn mit Händen und Füssen verständigen, wenn es nicht anders geht», sagt Nicole Jenni-Meyer. Wichtig sei es auch, dass man sich gerade zu Beginn viel Zeit für die Austauschschülerin nimmt.

Ein Austausch der Kulturen

Die deutsche Sprache war sich Sze Yee zu Beginn noch nicht gewohnt. «Wenn ich im Zimmer war und sie miteinander gesprochen haben, klang es so abgehackt und so, als ob sie miteinander streiten, das war komisch.» Mittlerweile hat sie sich, auch durch den Besuch der Solothurner Kantonsschule, an den Klang der deutschen Sprache gewöhnt und versteht sogar Solothurner Deutsch. Auf die Frage, was sie in der Schweiz noch überraschte, beginnt sie erst einige wenige, dann immer mehr Dinge aufzuzählen. «Schweizer Leute machen sehr viel Sport, die Schule ist lockerer als in Kuala Lumpur und die Leute gehen hier mit ihren Hunden Gassi, das machen wir zu Hause nicht. Der Bus ist enorm pünktlich und ich erreiche alles alleine, zu Fuss oder mit dem Velo!», zählt Sze Yee auf.

Auch die Gastgeschwister fanden die Situation zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Basil war aber schnell schon sehr direkt und korrigierte nicht nur Sze Yees Sprachfehler. «Ich hab auch gesagt, dass sie ihre Füsse beim Laufen heben soll, damit die Schuhe nicht kaputtgehen,» lacht er. Berit fand die Erfahrung sehr spannend. Trotzdem war es für sie etwas komisch, weil ihre Schwester die ganze Zeit über weg war.

Nicole Jenni-Meyer kann auch über die kulturellen Unterschiede sprechen. «Wir konnten viel miteinander lachen und haben viel über Sze Yees Kultur gelernt. So würde sie uns aufgrund der hierarchischen Form des Chinesischen eigentlich Mama und Papa sagen, was aber für uns in der Schweiz ziemlich befremdend ist.» «Man musste auch oft Dinge erfragen, wenn man mehr über die malaysische Kultur erfahren wollte. Es braucht einen stetigen Austausch zwischen Gastfamilie und Austauschschülerin. Aber die grösste Herausforderung ist, dass man auch mit den eigenen Kindern eine geeignete Balance finden muss», erläutert Rolf Jenni.

Platzprobleme

Die Familie Jenni-Meyer und Sze Yee pflegen einen sehr friedlichen Umgang miteinander. War es denn immer so harmonisch in diesem halben Jahr? «Da hatten wir wirklich viel Glück. Sze Yee ist sehr anständig und korrekt und hat sich stets bemüht, mit uns zu sprechen und ihr Deutsch zu verbessern. Daher hatten wir nie Probleme, auch nicht, was Regeln wie die Ausgangszeit betraf. Einzig war es teilweise etwas frustrierend, wenn Sze Yee alles Neue, was wir ihr gezeigt haben, bereits kannte», sagt Nicole Jenni-Meyer und erzählt lachend, wie klein Sze Yee das grösste Feuerwerk der Schweiz in Oensingen fand.

Sze Yee bleibt noch weitere sechs Monate in der Schweiz und ist vorübergehend bei Nicole Jenni-Meyers Eltern untergekommen, bis sie zur zweiten Gastfamilie wechselt. Dies liegt daran, dass Lea Jenni bald aus ihrem eigenen Austausch aus Paraguay zurückkehrt und dann wieder ihr Zimmer beziehen wird. Ein Austauschjahr würde Sze Yee aus heutiger Sicht gerne wieder machen. «Es ist nur schade, dass man bei AFS nur bis 18 Jahre ein Austauschjahr machen kann und ich jetzt schon 18 bin.»

Wie sieht es bei der Solothurner Gastfamilie aus? Nicole Jenni-Meyer ist überzeugt, dass sie sich wieder bei AFS melden würden. Das Problem sei eher der Platz. «Ich fände es aber auch spannend, einen Austauschschüler bei uns zu haben, wenn die ganze Familie da ist», sagt Rolf Jenni.

Aus der Aussensicht scheint dieser kulturelle Austausch geklappt zu haben. Und auch für Sze Yee ist klar, was für sie das Beste an den sechs Monaten in Solothurn war: «Die Familie!»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1