Was ist denn genau der Sinn davon, die Hälfte der Strassen im Raum Solothurn nur für Radfahrer, Fussgänger, Inlineskater etc. zugänglich zu machen? «Wir versuchen, die Leute von zu Hause raus in die Umgebung zu holen», antwortete OK-Präsident Benno Krämer darauf. «Die Leute sollen sich gemeinsam motivieren, sich zu bewegen. Ein weiterer Punkt ist die Verbindung zwischen Stadt und Land, die wir fördern wollen.»

Und falls man sich nicht zu schade war, das Ganze mitzumachen, musste man feststellen, dass genau dies auch erreicht wurde. Nach Schätzungen des OK-Präsidenten waren rund 34'000 Personen mit dem Velo, zu Fuss oder auf Skates unterwegs. Das ist neuer Teilnahmerekord. Ob sportlich, gemütlich flanierend oder ein Schwätzchen haltend – es gab für jeden etwas.

Einer der vergifteten slowUp-Besucher ist Kantonsrat Beat Käch. Der passionierte Velofahrer war auch gestern auf zwei Rädern anzutreffen und erkundete den Bucheggberg. «Ich möchte vor allem all die Bucheggberger Vereine unterstützen mit ihren Festwirtschaften. Ausserdem fahre ich sehr viel Rad, doch nur selten in dieser Gegend», so Käch.

Der Tourismus profitiert

Nicht nur Solothurner fanden den sportlichen Weg durch den Bucheggberg: «Rund 20 Prozent der Anwesenden sind zugereist aus anderen Kantonen», weiss Tourismusdirektor des Kantons Solothurn Jürgen Hofer zu berichten. Er rechnet dem Event bezüglich Tourismus einen sehr hohen Stellenwert zu. «Der für die Region wichtige Langsamverkehr wird gefördert, und der Anlass ist tolle Werbung für unsere Region. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Solothurnerinnen und Solothurnern eine Chance, ihren eigenen Kanton besser kennenzulernen», so Hofer.

Der Sport und die Region sind aber nicht die einzigen Faktoren, die neben dem fabelhaften Wetter die Massen anzogen. SlowUper Heinz Lorenzi erklärte nämlich, er sei in erster Linie wegen der Leute, des Essens und Trinkens sowie des ganzen Festbetriebs hier. Genau so soll es aber auch sein, sagte OK-Präsident Benno Krämer vor dem Start des Events: «Mit rund 46 Kilometern ist es sozusagen das längste Volksfest der Welt», sagt er und schmunzelt. Während gefeiert, getrunken und gegessen wird, kommt aber der Sport nicht zu kurz. Denn um von dem einen «Beizli» zum nächsten zu gelangen, muss man sich schliesslich sportlich betätigen.

Freizeit mit der Familie

Freizeit, Sport und Familie vereinen: Regierungsrat Roland Heim hat wie viele andere Besucherinnen und Besucher des diesjährigen slowUp das Rezept dafür: «Ich bin zum ersten Mal mit dem Velo hier und fahre ein paar Kilometer gemeinsam mit meiner Frau.»

Auch Kantonsschullehrer gönnen sich manchmal eine Auszeit und nehmen gerade die ganze Familie mit aufs Rad: Christoph Eckert, seine Frau und seine beiden Kinder bahnten sich ebenfalls ihren Weg an Fahrrädern und Menschen vorbei. «Es ist das erste Mal für mich, dass ich an einem slowUp teilnehme. Es gefällt mir sehr. Wir haben uns vorgenommen, die nächsten zehn Jahre sicher wieder zu gehen», erzählte Eckert und grinst.

Darf man nur mit dem Fahrrad an einem slowUp teilnehmen? Natürlich nicht. Heidi und René Fluri traf man gestern auch zu Fuss. «Ich gehe lieber nicht mit dem Velo», so René Fluri, «so habe ich keinen Druck, mich beeilen zu müssen. Zudem dachte ich, es würden mehr Personen den Fussmarsch vorziehen.»

Dem war tatsächlich nicht so. Mehrheitlich Velofahrer lockten das warme Wetter und die vielen Festwirtschaften aus den Häusern. Nebst gutem Essen wurde man auch an jeder Ecke von Musik verwöhnt. Es bot sich mehrfach die Gelegenheit, verschiedenste Dinge zu unternehmen, um sich mal vom unbequemen Sattel auszuruhen: sei es eine Kuh melken, ein kühles Bier geniessen oder ein Rundgang durch den Bauernhof – Entspannung fand jeder auf seine Art.