Interview
Sky du Mont: «Ich hätte sogar ein Anrecht auf den Schweizer Pass gehabt»

Der deutsche Schauspieler Sky du Mont erzählt exklusiv von Interviews, die er (nach der Trennung von seiner Frau) gar nie gegeben hat.

Alois Winiger
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Sky du Mont vor der weihnächtlichen Skyline von Luzern. Er nahm sich vor einem Auftritt kurz Zeit für ein Gespräch.

Sky du Mont vor der weihnächtlichen Skyline von Luzern. Er nahm sich vor einem Auftritt kurz Zeit für ein Gespräch.

Alois Winiger

Im April 2018 wird der prominente deutsche Schauspieler Sky du Mont während der Internationalen Musikfestwoche in Grenchen auf bisher noch nie gehörte Art zu erleben sein. Angesagt ist ein komödiantisch-musikalisches Programm. Schonungslos werde die «ganze Wahrheit über Männlichkeitsrituale, Mutterkomplexe und die ganz grosse Liebe» offengelegt. Sky du Mont erzählte exklusiv für diese Zeitung aus seinem Leben, bevor er vor wenigen Tagen einen Auftritt im Kultur- und Kongresszentrum im Luzern hatte.

Sky Dumont, in Ihrem neuen Programm «LebensWeisen» wird angekündigt, dass «alternative Fakten» über Sie zu erfahren sind. Wie kommt man an die echten Fakten?

Sky du Mont: Indem Sie nun mit mir sprechen und das, was ich sage, den Lesern Ihrer Zeitung unverfälscht weitergeben. «LebensWeisen» dagegen ist ein kabarettistisches Programm, das ist etwas ganz anderes.

Zur Person

Sky du Mont wurde am 20. Mai 1947 in Buenos Aires geboren und auf den Namen Cayetano Neven getauft. Nach Schulen in der Schweiz zog er nach München, wo er die Schauspielschule absolvierte und vorwiegend Theater spielte. Es folgten Engagements im deutschen Fernsehen sowie in den Filmen «Das Boot», «Otto, der Film» und «Schuh des Manitu». Neben weiteren Auszeichnungen erhielt Sky du Mont zweimal den deutschen Comedypreis und einen Bambi. Im Verlauf seiner Karriere spielte er unter anderem an der Seite von Tom Cruise, Nicole Kidman, William Holden, Gregory Peck und Antony Quinn. Seit 2002 betätigt sich Sky du Mont als Schriftsteller. Erschienen sind Krimis sowie Bücher, die sich in humoristischer Weise der Themen Familie, Beziehung und Älterwerden annehmen. Im ersten Quartal 2018 erscheint «Jung sterben ist auch keine Lösung». Sky du Mont ist Vater von drei Kindern und war viermal verheiratet. (mgt/wak)

Was für Fakten sind es denn, die in Medien und im Internet in rauen Mengen verbreitet werden. Vor allem auch nachdem 2016 die Trennung von Mirja du Mont bekannt geworden war?

Da gibt’s Interviews, die ich gar nie gegeben habe. Auch Interviews meiner Ex-Frau, in denen Aussagen von mir aufgeführt werden, die ich niemals gemacht habe. Es nützt gar nichts, wenn ich sage: «Kein Kommentar.» Die Medien berichten trotzdem.

Was unternehmen Sie dagegen?

Ich habe schon so viel geklagt und immer wieder Monate oder gar Jahre lang auf einen Entscheid warten müssen, weil die Medien in Berufung gegangen sind. Einmal hat mich mein Anwalt gefragt, ob ich angesichts der zu erwartenden Kosten weiterziehen wolle. Und ich sagte Nein, das wird mir zu teuer.

Aber ist es nicht auch ein Geben und Nehmen zwischen Prominenz und Medien?

Bei ganz grossen Stars mag das zutreffen. Ich dagegen arbeite auf so vielen verschiedenen Ebenen. Da ist Medienrummel keine Hilfe.

Wie viele Fakten treffen denn auf Sie persönlich zu, die aus Ihren Büchern zu erfahren sind? Da ist von Chaos in der Familie die Rede, von Beziehungswahnsinn oder von älteren Herren, die sich dafür schämen, wenn sie mal einer Frau unter fünfzig nachschauen.

Die Leute glauben zwar, ich würde mein Leben beschreiben. Aber da ist nichts davon mein Leben. Um zum Beispiel den «Hamlet» gut zu spielen, muss ich ja zuvor auch niemanden ermordet haben. Ich schreibe in meinen Büchern nicht über mich, sondern über Situationen, wie sie wohl die meisten Leute in irgendeiner Form schon erlebt haben. Mein Leben beschreiben, das würde ich nie machen.

Heisst das, dass von Ihnen keine Memoiren zu lesen sein werden?

Darauf wurde ich schon mehrfach angesprochen. Nein, das wird nicht der Fall sein. Dazu ist mein Leben zu wenig spannend.

Aber Sie hätten doch sicher Erlebnisse oder Episoden auf Lager.

Schon, ja. Aber viele davon spielten sich im Umfeld von Kolleginnen und Kollegen ab und die würde man erkennen, ohne Namen zu nennen. Das geht nicht. Und alles andere ist privat.

Wann finden Sie denn überhaupt Zeit zum Schreiben?

Bei Dreharbeiten gibt es Pausen und ich bin oft in Hotels, da bietet sich das Schreiben geradezu an. Oder kürzlich war ich zwei Wochen auf einem Schiff, da können Sie ausser Essen und aufs Meer glotzen nicht viel anderes tun.

Sie stammen aus der deutschen Verlegerfamilie du Mont. Warum werden Ihre Bücher nicht dort verlegt?

Das hat schon gute Gründe. Die Leute würden sagen: «Ach so ja, Deine Bücher werden verlegt, weil es der Verlag Deines Onkels ist.» Mein 2015 verstorbener Onkel Alfred Neven du Mont, der für mich wie ein Vater war, hat ebenfalls Bücher geschrieben, sie aber nicht im eigenen Verlag herausgegeben. Ich wollte unabhängig sein, was ich übrigens auch vom heutigen Medienunternehmen du Mont bin.

Können Sie gut mit Kritik umgehen?

Ich bin alt genug, dass ich weiss, dass Kritik nicht immer den Tatsachen entspricht. Genau so wenig wie Lob. Natürlich tut eine schlechte Kritik mehr weh.

Kritik ist Ihnen also nicht egal?

Nein, obwohl wir Schauspieler das oft und gerne behaupten. Bei den Büchern gabs wenig schlechte Kritiken. Beim Schauspiel kam es vor allem in der Anfangszeit vor, dass ich verletzt war. Ich hab mich dann auch immer gewehrt und den Kritikern Briefe geschrieben.

Wie gut kennen Sie die Schweiz?

Recht gut sogar. Ich bin oft auf Bühnen unterwegs und auch zum Skilaufen. Zudem habe ich das Gymnasium in Schweizer Internaten gemacht, in St. Gallen und im Montana auf dem Zugerberg. Und ich hätte sogar aufgrund der Aufenthaltsdauer Anrecht auf einen Schweizer Pass gehabt. Ich habe darauf nur verzichtet, weil ich Militärdienst hätte leisten müssen.

Nicht alle, die in einem Internat waren, haben gute Erinnerungen daran. Wie ist es bei Ihnen?

Mein Bruder war in einem deutschen Internat und hatte Pech, weil er schlechtes Essen bekam. Ich dagegen bekam Gutes. Immerhin bekamen wir beide eine gute Ausbildung. Auf dem Zugerberg habe ich das Skilaufen gelernt. Am Hang des Zugerbergs war ein Slalom ausgesteckt, und wer den in einer gewissen Zeit fahren konnte, der durfte hinunter ins Dorf.

Wollten Sie damals schon Schauspieler werden?

Schauspieler wollte ich nie werden, nein, eher Musiker. Nach dem Abitur zog ich zu meiner Mutter, nach England. Neben dem Studium wollte ich arbeiten, bekam aber keine Genehmigung und ging nach München und suchte da Arbeit, hatte aber noch immer keine konkreten Pläne.

Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

Neben Jobs als Gärtner und in Restaurants habe ich auch Komparserie gemacht, kleine Rollen ohne Text. Das gefiel mir, und so ging ich auf die Schauspielschule, betrieb aber die Komparserie weiter. Dabei fiel ich mal einem Regisseur auf und er sagte, dass er eine Rolle für mich hätte. Er warnte mich jedoch, ich solle mir das gut überlegen, «denn Du spielst einen Mörder. Das bedeutet, wenn Du in Deutschland mal einen Bösen spielst, dann spielst Du auch während den nächsten zehn Jahren einen Bösen.»

Wie haben Sie sich entschieden?

Ich sagte ohne zu zögern zu, denn ich bekam 5000 Mark Gage. Das war damals ein Vermögen. Ich habe dann tatsächlich zehn Jahre den Bösen gespielt, in den Filmen.

Und beim Theater?

Da habe ich eher Komikerrollen gespielt. Hier hatte ich grosses Glück, denn im Anschluss an die Schauspielschule bekam ich ein Engagement am Staatstheater Berlin. Beim Film kamen die Komikerrollen erst später dazu.

Waren Sie vielleicht bereits in Schulzeiten ein Pausenclown?

Nein, absolut nicht. Der Humor war für mich nicht das Ziel in der Schauspielerei, sondern es gilt, meinen Beruf gut auszuüben. Mit der Zeit erkannte man dann aber schon, dass ich komisch sein kann, wenn ich das will.

Ein bisschen mit Komik hat auch Ihr Name Sky zu tun. Getauft wurden Sie ja auf Cayetano.

Wenn Sie so wollen, ja. Meine Eltern wollten mich Kay nennen, aber in Argentinien, wo ich geboren worden bin, ging das nicht, man musste lateinische Namen nehmen. Abgekürzt und in der Familie blieb es aber bei Kay. Als meine Mutter nach der Geburt mit mir nach Hause kam, fragte mein um vier Jahre älterer Bruder: «Who’s that?» Und meine Mutter antwortete: «This is Kay.» Für meinen Bruder tönte das wie «Sky» und dabei blieb es.

Komik und Kabarett liegen nahe beieinander. Nun bringen Sie zusammen mit Christine Schütze das Programm «BeziehungsWeisen» auf die Bühne.

Ja das ist eine neue Erfahrung für mich und ich freue mich riesig auf die Tournee.

Sind neben Grenchen im April 2018 weitere Aufführungen in der Schweiz vorgesehen?

Bis jetzt leider nicht. Aber wer weiss, vielleicht eröffnet dieser eine Auftritt in Grenchen ganz neue Perspektiven.

«LebensWeisen»: Aufführung am Sonntag, 15. April, 2018, 17 Uhr im Parktheater Grenchen innerhalb der Internationalen Musikfestwoche Grenchen vom 14. bis 22. April 2018. Mehr Infos finden Sie hier.

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