Skulptur
Die blaue Berta steht noch immer – heute altert sie in Würde im Garten ihrer Erschafferin

Wohl im ganzen Kanton bekannt ist sie: Die grosse, dicke, blaue Frauenskulptur von Marianne Flück-Derendinger. Wo steht die Blaue Berta heute? Im Garten eben dieser Künstlerin. Dort holt sich die Natur die imposante Frauenskulptur langsam zurück.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Das Kunstwerk «Berta staunt» entstand 1996. Hier ist es 2010 zu sehen.

Das Kunstwerk «Berta staunt» entstand 1996. Hier ist es 2010 zu sehen.

Lara Eggimann

1996 war’s, als die Geburtsstunde der «blauen Berta», der riesenhaften Frauenskulptur aus Holz schlug. Ihre Schöpferin, die Künstlerin Marianne Flück-Derendinger schuf die «staunende Berta», wie sie sie nannte, als Wettbewerbsbeitrag zu einer Plastikausstellung, die 1997 in Biel hätte stattfinden sollen.

«Meine Vorstellung war, dass die staunende Berta, ein Urweib, aus den Jurabergen in die Stadt kommt und dort auf einem öffentlichen Platz staunend die kleinen Menschen unter ihr beobachtet; wie sie leben und arbeiten»,

so erzählt die Künstlerin. Sie habe von Beginn weg gewusst, dass es eine grosse, sehr grosse Holzskulptur geben soll. Daher liess sie «Berta», bestehend zunächst aus groben Holzklötzen aus Weymouthföhre, in einer Zimmerei in Brienz zusammenstellen. Dort schnitzte sie mit Hilfe von Schnitzereilehrlingen die Figur.

Beschwerden wegen «gruusiger Figur»

Doch aus dem geplanten Auftritt in Biel wurde für Berta nichts. Die Skulpturenausstellung wurde abgesagt und nun stellte sich die Frage: Wohin mit der blau bemalten Riesenfrau. Der Riedholzplatz in Solothurn war die erste Station ihrer Reise. Marianne Flück-Derendinger erinnert sich: «Berta war noch nicht auf dem Boden, als schon die ersten Bewohner des nahe gelegenen Altersheimes sich beschwerten. Diese ‹gruusige Figur› wolle man nicht in der schönen Altstadt sehen.»

Unterschriften wurden gesammelt. Berta staunte dann doch rund ein ganzes Jahr lang an diesem Standort. Danach wurde sie auf den Kornhausplatz nach Balsthal transportiert und blieb ein halbes Jahr lang dort. Die nahe gelegene Galerie Rössli feierte Jubiläum. Danach meldete sich die damalige Direktorin der Zentralbibliothek Solothurn: Berta soll den Vorplatz des alt-ehrwürdigen Zetter-Hauses schmücken.

Unterbrochen wurde dieser Aufenthalt dann von einem zweijährigen Ausflug im Rahmen eines Kunstweges auf eine Wiese. Sie verweilte dann nicht mehr all zulange am Zentralbibliothek-Standort und bekam bis Ende 2010 noch einen weiteren Platz beim damaligen «Ramada»-Hotel.

Im Verlauf dieses Jahres meldete sich der damalige Grenchner Stadtpräsident Boris Bang bei Marianne Flück-Derendinger und bot an, der staunenden Berta in der Uhren-Stadt ein neues Zuhause zu verschaffen. Und was die Künstlerin besonders freute, war, dass sich Grenchen anerbot – im Gegensatz zu Solothurn – sich an Transport und Montage der Figur zu beteiligen und sogar notwendige Renovationen zu übernehmen.

2011 wurde sie gar zum Sujet an der Grenchner Fasnacht.

2011 wurde sie gar zum Sujet an der Grenchner Fasnacht.

Hansjörg Sahli

In einem Interview sagte die Künstlerin damals: «Ich fühlte mich nirgends so respektiert und ernst genommen, wie in Grenchen». Doch drei Jahre später schlug für Berta auch das letzte Stündlein in Grenchen. Die Figur litt enorm, einmal fiel ihr sogar eine Brust ab. Die 6,5 Tonnen schwere Skulptur musste seit ihrer Erschaffung immer wieder Renovationen und Sanierungen über sich ergehen lassen.

Schon früh gab es Spannungen im Holz, was zu Rissen führte und den Eintritt von Wasser möglich machte. Behandlungen mit Silikon oder wasserfesten Farben führten auch nicht zum gewünschten Erfolg.

2012: Berta wird restauriert.

2012: Berta wird restauriert.

Oliver Menge
2013: Die Skulptur ist in schlechtem Zustand, sie wird abmontiert und geht zurück in den Garten ihrer Erbauerin.

2013: Die Skulptur ist in schlechtem Zustand, sie wird abmontiert und geht zurück in den Garten ihrer Erbauerin.

Oliver Menge

So wurde die Figur im Jahr 2013 nach Hause, in den Garten der Künstlerin nach Wangen a. Aare geholt. Seither steht sie dort und altert in Würde. «Es kann sein, dass sie einfach eines Tages umfällt», sagt Marianne Flück-Derendinger. Doch bis es so weit ist, soll ihr noch eine schöne, mit Blumen und Sträuchern bewachsene Zeit bleiben.

So hat die Künstlerin begonnen, dort, wo das vermoderte Holz schon zu Erde geworden ist, kleine Pflänzchen einzusetzen. Primeln, Salbei, Gräser, Moos wachsen zwischen ihren Fingern und Hautspalten. So haucht sie der staunenden Berta noch einmal einen schönen allerletzten Lebensabschnitt ein. «Staub zu Staub – heisst es in der Bibel. Wie es nun Berta geht, geht es am Ende doch uns allen.»

"Berta staunt", die Holzskulptur von Marianne Flück-Derendinger altert in Würde in ihrem Garten.
4 Bilder
Kleine Pflänzchen schmücken heute die blaue Berta.
"Berta staunt", die Holzskulptur von Marianne Flück-Derendinger altert in Würde in ihrem Garten

"Berta staunt", die Holzskulptur von Marianne Flück-Derendinger altert in Würde in ihrem Garten.

Michel Lüthi