Der Anmeldeschluss für die Teilnahme an den kantonalen Wahlen förderte einen neuen Rekord zutage: 505 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich für einen Sitz im Kantonsparlament – und damit so viele Frauen und Männer wie noch nie. Bei den Wahlen 2009 und 2013 waren es jeweils 447 Kandidierende. Damit drängen diesmal um 58 Personen mehr in die kantonale Legislative, in der 100 Plätze zu vergeben sind. Von den Bisherigen treten 15 nicht mehr zur Wahl an, vor vier Jahren waren es 23.

Prominente Frauen und Männer

Neben 364 Männern bewerben sich über alle Parteien hinweg 141 Frauen um ein Mandat. Das entspricht einem Frauenanteil von 27,9 Prozent. Im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren (29,8 Prozent) ist ein leicht sinkender Frauenanteil zu verzeichnen. Noch immer stellt es die Parteistrategen vor eine grosse Herausforderung, Frauen für eine Teilnahme an den Wahlen zu bewegen.

Unter den neu Kandidierenden fallen allerdings etliche Frauen auf, die in der Öffentlichkeit bereits von sich reden gemacht haben: Darunter etwa Sigrun Kuhn, Präsidentin des Spitexverbands Kantons Solothurn, die für die FDP kandidiert. Ebenfalls auf einer FDP-Liste figurieren Corinne Saner, stv. Präsidentin des Staatspersonalverbandes, und auch Roswitha Eichberger, ehemalige Präsidentin der Solothurner Sektion der Business Professional Women (BPW).

Generell fällt auf, dass im Unterschied zu den Wahlen 2013 sich diesmal eine ganze Reihe bekannter Namen auf den Parteilisten tummeln: Besonders stark ist die Stimme der Wirtschaft vertreten. Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer, will als FDP-Kantonsrat noch aktiver Einfluss nehmen. Für die SVP kandidiert mit David Sassan Müller ein Jurist der Aargauer Industrie- und Handelskammer.

Neben Verbandsfunktionären bewerben sich mit Fraisa-Chef Josef Maushart (CVP) und Ypsomed-CEO Simon Michel (FDP) aber auch aktive Unternehmer für den Kantonsrat. In die gleiche Kategorie gehört Michael Aebi (FDP), Gründer und Geschäftsführer der Firma Creaplant. Zur Wirtschaftsprominenz zählen weiter Stefan Nünlist (FDP), Leiter Kommunikation bei der Swisscom sowie SBB-Mediensprecher Christian Ginsing (GLP).

Den Kreis der Gemeindelobbyisten im Kantonsrat erweitert der Zuchwiler Gemeindepräsident Stefan Hug (SP). Mit Moritz Segna, Geschäftsführer der CVP Schweiz, bewirbt sich ein schweizweit prominenter Christlichdemokrat auf kantonaler Ebene. Medial in Erscheinung getreten ist weiter etwa der umtriebige Jurist Rémy Wyssmann (SVP).

Kleinparteien haben es schwieriger

Wie bei vergangenen Wahlgängen beschwören die Mitteparteien und die linken Parteien mit Listenverbindungen das Proporzglück. In der Mitte haben CVP, GLP, BDP und EVP einen eigentlichen «Pakt» geschlossen. In den vergangenen Wahlen schaffte es die CVP dank ihrer Verbindungen immer wieder, mehr Sitze zu holen als ihr aufgrund ihres schwindenden Wähleranteils zustehen würden. SP und Grüne gehen ebenfalls Verbindungen ein. Konsequent ist der erneute Allgeingang von SVP und FDP. Beide Parteien bekämpfen seit Jahren Listenverbindungen.

Die 505 Kandidierenden verteilen sich auf 37 Listen in fünf Amteien. Kantonsweit nur noch mit einer Liste tritt die Eidgenössisch-Demokratische Union EDU an, und zwar in der Amtei Olten-Gösgen. Auf der Liste finden sich aber auch amteifremde, altbekannte EDU-Kandidaten wie Parteipräsident Eduard Winistörfer aus Winistorf oder Adrian Roth aus Deitingen.

Vor vier Jahren war die EDU noch in zwei Amteien angetreten. Trotz Personalmangels im vergangenen Jahr konnte dagegen die EVP ihre Kandidaturen zusammenstellen. Sie tritt erneut nur in den Amteien Olten-Gösgen und Solothurn-Lebern an. In der Amtei Thal-Gäu treten – abgesehen von der GLP – die Kleinparteien anders als vor vier Jahren gar nicht mehr an: Die BDP hat keine Liste mehr. Und auch die Grünen finden nicht mehr genügend Kandidierende für eine eigene Liste. Ihr einziger Kandidat in der Amtei findet sich auf der SP-Liste.

Auch im Dorneck-Thierstein schafft es die BDP nicht mehr, eine eigene Liste auf die Beine zu stellen. «Auf Biegen und Brechen anzutreten macht keinen Sinn», sagt BDP-Kantonalpräsident Markus Dietschi auf Anfrage dieser Zeitung. Immerhin: Hatte die BDP vor vier Jahren kantonsweit noch 15 Kandidaten auf fünf Listen, sind es nun 25 Kandidaten auf drei Listen. Auffallend ist, dass die BDP mit den wohl jüngsten Kandidierenden antritt.

Wer Jahrgang 1965 hat, ist schon fast alt. Für BDP-Präsident Markus Dietschi zeigt das, dass es der Partei gelungen ist, «frische Kräfte» für die Politik zu motivieren.