Bildung

Sind Lehrkräfte selber zu oft auf der Schulbank? Ein FDP-Kantonsrat findet «Ja»

Fallen zu viele Unterrichtsstunden wegen der Weiterbildung der Lehrkräfte aus?

Fallen zu viele Unterrichtsstunden wegen der Weiterbildung der Lehrkräfte aus?

Ein Vorstoss von Kantonsparlamentarier Markus Dietschi verlangt ein strengeres Regime: Weiterbildung nur noch in der unterrichtsfreien Zeit.

In Kriegstetten und Deitingen, in allen Gemeinden des Schulkreises Wasseramt Ost, geht es für die Fünft- und Sechstklässler nach den zweiwöchigen Weihnachtsferien im neuen Jahr am 6. Januar erst mal gleich mit schulfrei wieder los. Ihre Lehrkräfte sind in Weiterbildung, sie setzen sich mit den Lehrplänen für Deutsch und Mathematik auf der Sekundarstufe und den Schnittstellen zur Primarstufe auseinander.

Die Eltern wurden in einem Schreiben gebeten, den Ausfall des Unterrichts «zur Kenntnis zu nehmen». Selbst beim Lehrerverband findet man den Ausfall gleich am ersten Schultag im neuen Jahr etwas unglücklich, für FDP-Kantonsrat Markus Dietschi aus Selzach ist er schlicht inakzeptabel.

Er bekam schon öfters von solchen Unterrichtsausfällen zu hören und hat deshalb nun einen Vorstoss eingereicht, in dem er verlangt, dass die Weiterbildung für Lehrkräfte künftig nur noch in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden darf – Ausnahmen in zwingenden Fällen bei «kantonalem Interesse» vorbehalten.

Grundsätzlich in der unterrichtsfreien Zeit

Das Schuljahr hat 38 Unterrichtswochen. Bleiben also 14 Wochen unterrichtsfreie Zeit. Das heisst aber nicht, dass die Lehrerinnen und Lehrer 14 Wochen bezahlte Ferien haben, wie sie selber immer mal wieder betonen müssen, wenn sich Wutbürger über ihren Beruf auslassen.

Kantonsrat Dietschi gehört nicht in diese Kategorie, nur: Die notwendigen Weiterbildungsveranstaltungen müssten nun wirklich in den 14 Wochen Platz haben und dürften nicht zu zusätzlichen Absenzen in der Unterrichtszeit führen, findet er.

So ist es auch, heisst es beim Volksschulamt, wo man auf die geltenden Bestimmungen in Volksschulgesetz und Gesamtarbeitsvertrag verweist. Grundsätzlich seien Weiterbildungsveranstaltungen schon heute auf die unterrichtsfreie (Arbeits-)Zeit der Lehrpersonen zu legen, sagt die stellvertretende Amtsvorsteherin Yolanda Klaus.

Ausnahmen habe es in der jüngsten Vergangenheit etwa im Zusammenhang mit der Einführung des neuen Lehrplans 21 gegeben. In so einem Fall, wo sich alle Lehrkräfte im ganzen Kanton zeitgleich schulen lassen müssen, ist es manchmal allein von der Verfügbarkeit der Dozenten her schlicht nicht möglich, alle Kurse in die unterrichtsfreie Zeit zu legen.

Ein an sich einleuchtendes Argument, das allerdings Kantonsrat Markus Dietschi dennoch nicht zufriedenstellt, ihn sogar eher erst recht auf die Palme bringt.

Dass zum Beispiel in Bettlach auch im kommenden Jahr noch wegen Weiterbildungen im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 der Unterricht an einem Montag im Januar und einem Freitag im März im Kindergarten und einem Teil der Primarschulklassen und an einem weiteren Montag im April in allen Schulklassen ausfallen muss, scheint ihm nicht wenig überzeugend.

Der Passus im Gesamtarbeitsvertrag, wonach die Weiterbildung der Lehrpersonen «nach Möglichkeit» in der unterrichtsfreien Zeit absolviert werden soll, sei reichlich gummig, kritisiert Dietschi.

Was muss das Volksschulamt wissen?

Und was ihn erst recht stutzig macht: Im Bildungsdepartement hat man keinerlei Übersicht, wie viele Unterrichtstage im ganzen Kanton überhaupt wegen obligatorischer Weiterbildungen für die Lehrkräfte ausfallen.

Und dies, obwohl die Schulleitungen gemäss Volksschulgesetz dafür das Einverständnis der kantonalen Aufsichtsbehörde einzuholen haben. «Diese Aufgabe wird heute von der kommunalen Aufsicht übernommen», sagt die stellvertretende Chefin des Volksschulamts dazu, obwohl im Gesetz ausdrücklich etwas anderes steht.

Man kann denn auch zumindest nicht unbedingt sagen, Markus Dietschi renne mit seinem Vorstoss offene Türen ein. Um sie absolut zwingend während der unterrichtsfreien Zeit vorzuschreiben, sei für manche Weiterbildungen das Zeitfenster einfach zu knapp, sagt Adrian van der Floe, Präsident des Schulleiter-Verbands. Aber: Hinter der Forderung, Weiterbildungen verbindlicher als «nach Möglichkeit» in der unterrichtsfreien Zeit vorzuschreiben, dahinter könne er stehen.

Autor

Urs Moser

Urs Moser

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