Oensingen/Fulenbach
Sind die mutmasslichen Todesschützen von Oensingen aufgefallen?

Wenn Vater und Sohn zur Waffe greifen und Vater und Sohn einer anderen Familie niederstrecken, wie das in der Nacht auf letzten Donnerstag in Oensingen geschehen ist, stellen sich zwei Fragen: Wer sind diese Leute und wie steht es um ihre Gewaltbereitschaft? Und woher haben sie die Waffen?

Alois Winiger
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Tatort Oensingen: Hier wurden mit Schüssen aus einem Sturmgewehr Menschen getötet.

Tatort Oensingen: Hier wurden mit Schüssen aus einem Sturmgewehr Menschen getötet.

Hanspeter Bärtschi

Wie berichtet, konnte die Polizei die Tatverdächtigen widerstandslos in Haft nehmen. Polizeisprecher Bruno Gribi sagt, dass die beiden vorderhand auch dort bleiben werden, jedoch nicht, ob sie bereits polizeilich registriert sind. Auch nichts über die ursprüngliche Herkunft. «Die beiden haben eine Schweizer Pass.»

«Sie sprechen Schweizerdeutsch»

Die Spur der Tatverdächtigen führt nach Fulenbach. Zur Einbürgerung der beiden verhafteten Männer wollte der Fulenbacher Bürgergemeindepräsident Markus Jäggi gestern auf Anfrage keine Angaben machen – was aufgrund der gezeigten Gewaltbereitschaft nicht ganz unverständlich ist. Geschockt ist die Fulenbacherin Melanie Bhend: «Ich bin erschrocken und kann es nicht glauben», sagt sie gegenüber Tele M1.

Sie kennt die mutmasslichen Todesschützen seit 15 Jahren und ist mit der Tochter der Familie befreundet. «Sie sprechen Schweizerdeutsch, sind hier zur Schule gegangen und haben eine Lehre gemacht.» Riza Demaj, Integrationsexperte für Behörden und Familien, stammt wie die mutmasslichen Täter aus dem Kosovo. Er weiss, dass in Albanien Konflikte schon mal von Mann zu Mann gelöst werden können. Er erklärt das damit, dass viele Personen im Kosovo schlechte Erfahrungen mit Behörden und Polizei gemacht hätten und deshalb Probleme persönlich gelöst würden.

Absicht oder Schlamperei?

Bei den sichergestellten Tatwaffen handelt es sich einerseits um eine Pistole aus offenbar illegalem Besitz. Ferner ein Sturmgewehr 90. Für Nationalrat Geri Müller (Grüne) Grund genug, wieder darauf aufmerksam zu machen, dass die Waffen der Wehrdienstpflichtigen ins Zeughaus gehören. Zwar könnte man 99 Prozent der Wehrmänner vertrauen, «aber es geht darum, uns vor dem einen Prozent zu schützen, das im Extremfall durchdreht.»

Besonders stossend ist, dass der eine Tatverdächtige, das Sturmgewehr samt der ganzen Ausrüstung bereits hätte abgeben müssen, da er per 20. Februar 2012 auf eigenen Wunsch von der Armee zum Zivildienst umgeteilt wurde. Zweimal schon wurde der Mann aufgefordert, die Ausrüstung zurückzugeben – ohne Erfolg.

Betroffene ist in keiner Weise aufgefallen

Warum wartet das Militär so lange, bis es die Waffe selber zurückholt? Christoph Brunner, Informationschef Verteidigung im VBS, sagt: «Der Auftrag wäre in den nächsten Tagen an die Militärpolizei gegangen, jedoch nicht dringlich.» Denn nichts habe darauf hingewiesen, dass der Betroffene zu einer solchen Gewalttat fähig sei.

Er sei in keiner Weise aufgefallen. «Zudem ist leider ganz allgemein nicht ausserordentlich, dass bei der Rückgabe von Material geschlampt wird.» Bleibt die Frage, woher die Munition zum Sturmgewehr kam. «Wenn es sein muss, kann man diese beschaffen. Sicher ist, dem Mann ist niemals Taschenmunition abgegeben worden», betont Brunner.